Sportrechte verloren - sinken jetzt die Fernsehgebühren?

Der Zusammenhang zwischen Rundfunkbeitrag und teuren Sportrechten ist ein heikles wie populäres Thema. Die Diskussion nimmt Fahrt auf.

Bei der Vergabe wichtiger Sportrechte gingen die öffentlich-rechtlichen Sender zuletzt leer aus. Sinken jetzt die Beiträge? Foto: Arno Burgi

Hannover. Kein Olympia, keine Champions League, weniger Länderspiele: ARD und ZDF sind beim Wettbieten um teure TV-Rechte zuletzt einige Male leer ausgegangen. Müssten da nicht die Gebühren sinken? Die zuständige Kommission hält das zumindest für möglich - die Sender naturgemäß nicht.

„Von einem grandiosen Verlust an Sportrechten für die Öffentlich-Rechtlichen kann derzeit nun wirklich nicht die Rede sein“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. „Die Relevanz von ARD und ZDF im Bereich des Livesports wird selbstverständlich auch zukünftig sehr hoch sein, schließlich sind wir nach wie vor Halter von in Deutschland enorm bedeutenden Sportrechten.“

Balkausky reagierte damit auf eine Aussage von Heinz Fischer-Heidlberger. Der Chef der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hält eine Gebührensenkung für denkbar. Er hatte in der „Sport Bild“ gesagt: „Die Kommission wird die Einsparpotenziale sorgfältig prüfen und die Differenz aus nicht benötigten Mitteln für Sportrechte und Kosten des Ersatzprogramms ausweisen.“ Derzeit beträgt der Rundfunkbeitrag 17,50 Euro im Monat.

Sicher ist, dass ARD und ZDF zuletzt viele Millionen Euro für Sport geboten, aber das Geld nicht ausgegeben haben. So verlor das ZDF vor einer Woche den Poker um die Fußball-Rechte der Champions League gegen den Pay-TV-Sender Sky und das Sport-Streamingportal DAZN. Auch die Olympischen Spiele laufen vom kommenden Jahr an nicht mehr bei ARD und ZDF, sondern bei Eurosport und anderen Sendern des US-Konzerns Discovery.

„Natürlich wird es schwieriger für ARD und ZDF, sich in einem Sportrechtemarkt zu behaupten, in dem Wettbewerber Fantasiesummen zahlen können, während die Etats von ARD und ZDF gedeckelt sind und darüber hinaus in den letzten Jahrzehnten kaum angestiegen, sondern eher gesunken sind“, sagte der ARD-Sportkoordinator. „Deshalb wird es immer wieder dazu kommen, dass wir uns in einem Bieterwettbewerb nicht werden durchsetzen können.“ Dennoch, betonte Balkausky, gebe es „umfassenden und vor allem außerordentlich vielfältigen Livesport“.

Tatsächlich können die beiden öffentlich-rechtlichen Sender immer noch jede Menge Sport zeigen. Das reicht beim Fußball von Bundesliga-Rechten für „Sportschau“ (ARD) und „Sportstudio“ (ZDF) bis zu den Welt- und Europameisterschaften 2018 und 2020. Zu den großen Rechtepaketen gehört zudem der komplette Wintersport.

ARD und ZDF haben sogar mehr Rechte, als sie selber nutzen können. Für die derzeit laufenden Fußball-Turniere Confed Cup und U21-EM ist ein Teil an Sport1 per Sublizenz weitergereicht worden. Der Spartensender zeigt Spiele ohne deutsche Beteiligung. Auch das spart Geld.

Das Problem dürfte aber wohl sein, dass ARD und ZDF das gerade gesparte Geld nicht nur benötigen, um die Sendeplätze mit anderen Inhalten zu füllen. Sie brauchen die vielen Millionen vor allem, wenn die nächsten Sportrechte ausgeschrieben werden.

21.06.2017, 15:34 Uhr