Klasse!-Projekt
Einblicke in die bunte Malschule

„Wird hier auch für die Kunsthalle gemalt?”

Die Minireporter der Emder Zeitung besuchten die Malschule Emden.

Emden. 18 neugierige Nachwuchsjournalisten wollen auch in diesem Jahr sechs Persönlichkeiten mit ihren bohrenden Fragen auf den Zahn fühlen. Zum ersten Termin waren die EZ-Minireporter in der Malschule der Kunsthalle Emden. Claudia Ohmert, Leiterin Kunst aktiv (Museumspädagogik und Malschule) war gerne bereit, sich den Fragen zu stellen. Und die jungen Grundschüler erfuhren dabei eine Menge, was sie alles in der Malschule anstellen könnten. Ein Höhepunkt war sicherlich für die Minireporter, dass sie einen Turnbeutel mit Filzstiften anmalen durften „Den müssen eure Eltern aber unbedingt noch bügeln, sonst wird die nächste Wäsche bunt”, warnte Ohmert. Hier und da waren schon kleine Künstler zu entdecken.

Leeke Folkerts, Grundschule (GS) Loquard: Was finden Sie an Ihrem Beruf besonders toll?

Claudia Ohmert: Ich finde es ganz toll, dass ich es mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu tun habe. Wir haben in der Malschule ganz junge Kinder, die müssen mindestens zwei Jahre sein (da staunen die Minireporter), aber auch ältere Menschen, die manchmal nicht mehr wissen, was sie gestern noch gemacht haben.

Tarek Rashid, GS Constantia: Haben Sie ein Lieblingsbild?

Ja, ich habe einige Fotografen, die ich gerne mag, beispielsweise Daniel Gustav Cramer. Er macht unter anderem Bilder vom Wald, die sehen dann aus wie Dschungelbilder. Die finde ich ganz toll.

Thilko Vißer, GS Larrelt: Wie lange arbeiten Sie schon an der Malschule?

Ich arbeite in der Kunsthalle schon seit 19 Jahren, bin nach dem Studium hier angefangen. Ich habe mit dem Bereich Museumspädagogik angefangen, leite seit drei Jahren die Malschule.

Mattis Veldkamp, GS Petkum-Widdelswehr: Wie wird man Lehrer an einer Malschule?

Da musst du Kunst studiert haben, beispielsweise in den Bereichen Malerei, Bildhauerei oder Computerkunst.

Mia Sophie Schuster, GS Cirksena: Haben Sie Kunst studiert?

Ja, und zwar Malerei, Grafik und Medienkunst.

Jannik Fransen: Wie alt sind Sie?

Oh, da muss ich mal schnell überlegen... Ich bin jetzt 47 Jahre alt.

Jonah Immanuel Schmidt: Wie viel kostet die Teilnahme an der Malschule im Monat?

Das ist gestaffelt: Wer eine Stunde im Monat hier ist, bezahlt 23 Euro, für 90 Minuten 34 Euro und für zwei Stunden im Monat 46 Euro. (Die jungen Nachwuchsjournalisten überlegen, dass das ja ganz schön viel ist.) Das hört sich erst einmal nach einer Menge an. Wenn Familien nicht so viel Geld haben, dann können sie Zuschüsse bei der Stadt beantragen und wenn sie finanziell überhaupt nicht wissen, wie ihre Kinder zur Malschule gehen könnten, dann bekommen wir gemeinsam eine Lösung hin.

Phillip Riklinks, GS Früchteburg: Wann wurde die Malschule gegründet?

Die wurde 1993, drei Jahre vor dem Museum, gegründet. Das wiederum wurde am 3. Oktober 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eröffnet.

Leonie Schneider, GS Früchteburg: Wer hat die Malschule gegründet?

Das waren Eske und Henri Nannen. Vielleicht kennt ihr Henri Nannen, der hat das Magazin 'Stern' gegründet. Beide lebten in Hamburg und Berlin. Und als Eske Nannen für ihren Sohn in Berlin eine Malschule suchte, gab es die dort nicht. Daraufhin hat sie sich entschlossen, in ihrer Heimatstadt Emden eine Malschule zu eröffnen mit Unterstützung von ihrem Mann.

(Nun vermischen sich die Fragen etwas zwischen Malschule und Kunsthalle.)

Sarah Terre, GS Constantia: Werden auch gemalte Bilder von den Kindern in der Kunsthalle ausgestellt?

Ja, aber nicht zusammen mit den Künstlern in den regulären Ausstellungen. Im Eingangsbereich werden aber auch Bilder von Malschul-Kindern gezeigt.

Tomma Borkowski, GS Larrelt: Wie viele Mitarbeiter hat die Malschule/Kunsthalle?

Was denkt ihr, fragt Claudia Ohmert zurück. (Vielleicht 100, sagt Tarek.) Im Museum sind es mittlerweile wirklich so viel, weil wir auch ganz viele unterschiedliche Mitarbeiter brauchen. Nicht jeder kann alles machen. Hier in der Malschule sind wir 35 Mitarbeiter.

Christina Melles, GS Westerburgschule: Wie viele Bilder werden in der Kunsthalle ausgestellt?

Das ist ganz unterschiedlich. Pro Ausstellung sind es so 200, mal ein paar weniger, mal ein paar mehr. Vier Ausstellungen haben wir im Jahr.

Rieke Visser, GS Westerburgschule: Werden in der Malschule auch Bilder für eine Ausstellung in der Kunsthalle gemalt?

Nein, aber wir haben beispielsweise für die Polizei einmal etwas gemalt. Die haben bei uns gefragt, ob wir nicht ein bisschen den Eingangsbereich mit Bildern ausschmücken könnten. Da sind wir dahin, haben die Polizisten interviewt und dann dazu etwas gemalt. Wir machen etwas für den Niedersächsischen Landtag. Dort sollen Bilder gezeigt werden und wir als Malschule nehmen daran auch teil. Und an einer Ausstellung in Österreich sind wir mit Werken beteiligt.

Waleria Machold, GS Grüner Weg: Wie viele Kinder dürfen an einer Malgruppe teilnehmen?

Maximal 15 Kinder, aber lieber in kleineren Gruppen, dann können wir auf alle besser eingehen. Jeder darf hier ausprobieren, nicht alle machen dasselbe. (Jannik und Jonas haben sich hinten am Tisch in der Ecke eine Menge zu erzählen und lachen immer wieder, obwohl sie unterschiedliche Grundschulen besuchen.)

Irma Kolasinac, GS Grüner Weg: Was kann man alles in der Malschule machen?

Ganz viele Sachen, wie zum Beispiel malen, drucken, Stein-, Holz-, Gips-, Ton- oder Goldschmiedearbeiten. Für alles haben wir unterschiedliche Werkstätten. Kennt ihr die Vrouw-Johanna-Mühle? (Ja, tönt es aus der Runde.) Da haben wir unsere Bildhauerwerkstatt. (Thilko will wissen, ob das echtes Gold ist, womit hier gearbeitet wird.) Ja, da sind die Kurse dann natürlich auch etwas teurer.

Finnja Pahlow, GS Loppersum: Gibt es Bilder von berühmten Künstlern in der Kunsthalle?

Es gibt viele berühmte Künstler in der Kunsthalle zu sehen, aktuell gerade Andy Warhol. (Claudia Ohmert möchte wissen, ob die Grundschüler auch berühmte Künstler kennen: Bei den vielen Namen, die sie von allen Seiten zu hören bekommt, staunt sie nicht schlecht.)

(Die nächste Nachwuchsjournalistin hat kaum Stimme wegen ihrer Erkältung, wollte sich den Interviewtermin aber nicht entgehen lassen.)

Marina Jäckel, GS Loppersum: Wie viel kosten die Bilder einer Ausstellung in der Kunsthalle?

Da habe ich wirklich keine Ahnung, aber sehr viel Geld.

(Tarek wirft ein, dass die Bilder sicherlich unverkäuflich sind.) Ja, das ist ein guter Einwand. Wisst ihr denn, was ein Museum macht? Es sammelt Bilder, ordnet sie ein, erforsch sich und vermittelt. (Da gibt es bei den Minireportern einige Fragezeichen im Gesicht.) Das heißt, dass Museen die Menschen für die Kunst begeistern wollen. Aber verkaufen tun wir nicht.

Leeke Folkerts: Gibt es auch gefälschte Bilder in der Ausstellung?

Nein. Aber es gab einmal eins, ansonsten möchte ich das ausschließen. Es wird immer genau nachgeforscht, ob ein Bild echt ist.

Tarek Rashid: Wurde schon einmal ein Bild gestohlen?

Gott sei Dank noch nicht. Es gab auch noch nie einen Anschlag auf ein Bild. Und anfassen darf man die Bilder auch nicht. (Da kann Thilko auch etwas zu sagen, denn als er einmal mit seiner Klasse in der Kunsthalle war, hat einer ein Bild angefasst und dann hat es laut gepiept.) Wir überwachen die Räume der Ausstellung ganz genau. Und wenn dort etwas passiert, reagieren die Mitarbeiter sofort.

Mattis Veldkamp: Wie lange sind getöpferte Kunstwerke haltbar?

So lange, bis sie runterfallen. (Dann sind sie kaputt, sagen einige Minireporter.)

Mia Sophie Schuster: Muss man malen können, um an der Malschule teilnehmen zu können?

(Bevor Claudia Ohmert etwas antworten kann, sagt Marina Jäckel rechts neben ihr etwas.) Genau, du hast es perfekt gesagt. (Marina Jäckel sagt, dass man das nicht können muss, weil Kunst aus dem Herzen kommt.) Wir wollen hier mit Freude Dinge gestalten, und da müsst ihr vorher nichts können.

Jannik Fransen: Wird in der Malschule nur gemalt oder auch gebastelt?

Es wird auch gebastelt. Da hinter euch könnt ihr auf der Fensterbank etwas Gebasteltes sehen. (Das ist ja ein ausgestopftes Eichhörnchen, sagt Jonah Immanuel.) Ja, das benutzen wir, um es abzuzeichnen, ich meine aber die Sachen mit den Luftballons.

Jonah Immanuel Schmidt: Arbeiten Sie auch mit Acrylfarben?

Wisst ihr denn, was das ist, Acrylfarben? (Tarek sagt, die sind wie Wasserfarben, nach dem Trocknen gehen sie nicht mehr ab und die Farben stinken.) Nein, Ölfarben stinken, weil sie mit Lösungsmittel angerührt werden, Acrylfarben nicht.

(Zum Schluss sagt Claudia Ohmert den Kindern noch, dass große Talente in der Malschule gefördert werden.) Vielleicht sehe ich euch ja hier demnächst, steckt einen Flyer ein, da steht alles Wichtige zur Malschule drin.

Dokumentiert von Dirk de Vries

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