Klasse!-Projekt

„Nur Arzt war mir zu langweilig”

Diesmal löcherten die jungen Nachwuchsjournalisten Tierarzt Dr. Thomas Dirks mit ihren Fragen. Und durften sogar bei einer Katzen-Kastration zusehen.

So etwas haben die Minireporter noch nicht erlebt: Beim Termin mit Tierarzt Dr. Thomas Dirks gab es für sie nicht nur vieles zu bestaunen. Auch bei der Behandlung einer Hündin - die Besitzerin von „Stina” hatte sich einverstanden erklärt - durften die Grundschüler dabei sein. Und auf die Frage, ob sie bei einer Katzen-Kastration zusehen wollen, gab es ein zwölfstimmiges „Ja”.

Lina Wiesner (Grundschule Constantia): Haben Sie selbst ein Tier und darf das mit in die Praxis?

Dr. Thomas Dirks: Ja, ich habe zwei kleine Französische Bulldoggen und die dürfen ab und zu auch mit.

Maya Thiele (Grundschule Constantia):Werden hier auch große Tiere, beispielsweise Pferde, behandelt?

Ja, nicht hier in der Praxis, aber ich habe in der Garage einen Geländewagen, in dem alles drin ist, was ich als Tierarzt brauche. Ich fahre raus, beispielsweise zu den Bauern, und behandele dort auch Pferde. Und ich bin als Arzt ab und zu bei Pferdeturnieren zuständig.

(Ob sie den Geländewagen auch sehen dürfen, kommt zwischendurch eine Frage. Nebenbei behandelt Dr. Dirks eine Patientin.Hündin „Stina” ist zur Impfung da und die Besitzerin erzählt, dass sie den Kopf immer doll schütteln würde. Zwischendurch die Minireporter: Tut ihr die Spritze nicht weh? Was machen Sie jetzt? Was ist das für ein Gerät? Dr. Dirks gibt seine Erklärungen immer zwischen Hundebesitzerin und Minireportern ab, denn „Stina” hat eine Mittelohrentzündung, die Besitzerin muss Ohrentropen geben, und Dr. Dirks zeigt ihr, wie das geht.)

Titus Tempel (Grundschule Grüner Weg): Haben Sie auch einen Tier-Krankenwagen?

Der Geländewagen ist sozusagen der Krankenwagen, obwohl ich darin natürlich kein Pferd transportieren kann. Aber er hat eine Apotheke und die hat alles, was ich zur Behandlung brauche.

Julian Groenewold (Grundschule Grüner Weg): Wie viele Tiere behandeln Sie im Jahr?

(Da zieht Dr. Dirks einen Taschenrechner zurate). Also, ich behandele so rund 25 bis 30 Tiere am Tag. Sagen wir mal 25 (Eingabe in den Taschenrechner), sechs Tage die Woche (Eingabe), 25 Behandlungstage im Monat (Eingabe) und noch mal zwölf Monate (Eingabe). Das macht 7500 Tiere im Jahr. (Ungläubiges Staunen bei den Kindern. Dr. Dirks sagt, dass es einen tierärztlichen Notdienst mit der Krummhörn und Norden gebe, er also auch am Wochenende ab und zu arbeiten müsse.)

Nicklas Klotz (Grundschule Grüner Weg): Warum haben Sie diesen Beruf gewählt?

Rechtsanwalt war ein Berufswunsch, das war mir aber zu kompliziert. Nur Arzt war mir irgendwie zu langweilig, und die Mischung beim Tierarzt hat mich dann gereizt.

(Maya möchte wissen, ob Dr. Dirks auch Kühen in den Po fassen muss und ob das nicht ekelig sei. Ja, müsse er, aber da Kühe ja Gras fressen, würde es nicht so schlimm riechen. Und wenn die dann gerade machen, will Maya wissen. Dann sei er grün, antwortet Dr. Dirks.)

Brajan Bloch (Grundschule Grüner Weg): Wie gehen Sie damit um, wenn Sie Tieren nicht mehr helfen können?

Da muss ich unterscheiden. Es gibt Tiere, den kann ich mit meinem Wissen nicht mehr helfen, und dann muss ich sie an eine Klinik überweisen. Es gibt aber auch Situationen, wo Tiere so schlimm krank sind, dass ich ihnen nicht mehr helfen kann. Dann muss ich sie einschläfern, damit sie nicht mehr leiden müssen.

(Wie das denn geht, „Einschläfern”, wollen die Minireporter natürlich wissen.)

Ich gebe den Tieren eine Narkose, dann schlafen sie und dann bekommen sie noch eine Spritze, dann ist das Tier tot.

(Ob der Arzt mit den Besitzern mitleiden würde.)

Ich muss natürlich den Besitzern gegenüber empathisch sein. Aber ich muss auch den Tieren gerecht werden. Es ist eine Gratwanderung.

Eric Scholzen (Grundschule Larrelt): Wurden hier auch schon einmal Tiere vom Besitzer abgegeben?

Ja, wir hatten einmal einen Fall, wo der Besitzerin einer schwangeren Yorkshireterrier ein Neugeborenes nach dem anderen starb und sie mit der Situation überfordert war. Ein Baby haben wir hier durchbekommen, das ist jetzt unser Praxismaskottchen „Rooby”. (Wie aufs Stichwort rennt eine kleine Terrierdame durch den Behandlungsraum. Da freuen sich die Minireporter.)

Lina Wiesner: Was machen Sie, wenn ein Hund bissig ist?

Dann bekommt er einen Maulkorb, wenn wir ihn behandeln müssen. (Dr. Dirks zeigt den Kindern eine Auswahl von Maulkörben, je nachdem, wie groß die Hunde sind, weil es ja auch kleine gibt, die bissig sind.)

Lya Berngruber (Grundschule Früchteburg): Wie wird man Tierarzt?

Man muss studieren. Ich habe sechs Jahre lang an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover studiert. Danach kann man dann eine Praxis eröffnen oder als Tierarzt arbeiten.

(Maya wirft ein, dass sie eigentlich Kinderärztin werden wollte, nun aber doch lieber Tierärztin werden will. Lina möchte noch wissen, wie lange sie ihrem Hamster weniger Futter geben soll, weil der doch etwas dicker ist. Da gibt ihr Dr. Dirks mit einem breiten Lächeln bereitwillig Antwort.)

(So, jetzt wird es interessant: Die Minireporter dürfen bei einer Katzen-Kastration zugucken. Vorher sollen sich allerdings alle überlegen, ob sie das denn wirklich sehen wollen. Und auch bei der Operation haben die Nachwuchsjournalisten die Möglichkeit, den Raum noch zu verlassen. Für einige ist die Operation schaurig schön, zwar sehen sie nicht hin und halten sich die Hände vor die Augen, „linsen” aber zwischen ihren Fingern hindurch dann doch. Dr. Dirks bleibt völlig ruhig, erklärt, was er gerade macht und beantwortet auch noch weiter die Fragen.)

Sarah Schmidt (Grundschule Loppersum): Müssen Sie die Besitzer manchmal überreden, dass die ihr Tier untersuchen lassen?

Nein, das muss ich nicht, denn die Besitzer kommen ja zu mir, weil sie wollen, dass ich ihrem Tier helfe.

Lya Harms: Welche Tiere behandeln Sie so?

Das sind hauptsächlich Hunde und Katzen, aber auch Schlangen und schon einmal einen Skorpion. (Was der eine oder andere vielleicht für außergewöhnlich hält, interessiert die Minireporter wenig). Aber auch Kaninchen, wir haben gerade eines hier, das Junge bekommt, das dürft ihr gleich sehen.

(Eine Diskussion entsteht, dass wohl schon jeder zu Hause zwei Kaninchen-Jungs gehabt hat, die dann doch Weibchen und Männchen waren.)

Julian Groenewold: Haben Sie Frau und Kinder?

Ja, ich bin verheiratet und habe eine 16-jährige Tochter und einen 13-jährigen Sohn.

(Da wollen die Minireporter doch gleich wissen, ob die denn auch Tierärztin und Tierarzt werden wollen.)

Das ist noch nicht klar.

Lina Wiesner: Hat Sie jemand beeinflusst, dass Sie Tierarzt geworden sind?

Ja, im Abitur hat eine Freundin gesagt, dass sie das auch studieren würde. Sie ist aber dann Zahnärztin geworden.

Titus Tempel: Behandeln Sie auch Tiere, die die Vogelgrippe haben?

Nein, das ist eine gefährliche Tierseuche, die meldepflichtig ist. Wenn ich den Verdacht habe, muss ich das Tier untersuchen. Hat es die Vogelgrippe, muss ich es einschläfern.

Julian Groenewold: Können Sie auch Menschen behandeln?

Von mir als Tierarzt erwartet man, dass ich beispielsweise bei einem Unfall, wenn Menschen betroffen sind, auch helfe.

Nicklas Klotz: Nehmen Sie Schlangen auch die Haut ab?

Ihr meint, wenn die Schlange sich häutet? Nein, wenn die Haut kleben bleibt, sollte man die Schlange eher baden, damit sich die Haut löst.

(Die Minireporter rufen, dass die Katze ja noch die Augen auf hat. Das sei völlig normal, sagt Dr. Dirks, sie schlafe fest. Er müsse die Katze jetzt aber noch chippen. Da wollen natürlich alle wissen, was das ist.)

Sie bekommt einen Elektrochip unter die Haut, und wenn sie einmal wegläuft und eingefangen wird, kann der Chip ausgelesen werden und man weiß, woher die Katze kommt und wem sie gehört. Das Chippen ist wie eine Impfung.

(Nun geht es vom OP-Raum wieder in den Behandlungsraum, wo schon das schwangere Kaninchen, das übrigens Karl heißt und von den Sprechstundenhilfen liebevoll Karla genannt wird, mit gerade geworfenen Kaninchenbabys wartet. Das ist natürlich eher etwas für die Minireporter als eine OP, von der sie sich erst einmal erholen müssen.)

Eric Scholzen: Ist Ihre Arbeit kompliziert?

Ja, das kann man so sagen. Die Krankheiten sind sehr kompliziert, mit denen ich es zu tun habe.

Brajan Bloch: Machen Sie auch Hausbesuche?

Ja, mache ich. Manchmal bei älteren Leuten, die ihr Haustier nicht bringen können.

Nicklas Klotz: Was war das außergewöhnlichste Tier, das Sie behandelt haben?

Eine rund zwei Meter große Straußenhenne in Süddeutschland.

(Die Minireporter wollen zum Schluss des spannenden Termins noch wissen, was das Lieblingstier von Dr. Dirks ist.)

Das ist bei mir eindeutig der Hund.

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