Klasse!-Projekt
Schüler fuhren nach Moordorf

„Manche Dörfer gab es noch nicht“

Die Grundschüler sind los, um genau zu sein, 17 an der Zahl. Beim dritten Termin in der neuen
Runde löcherten sie die Vorsitzende des Vereins Moormuseum Moordorf, Christine Günnel, mit ihren Fragen.

Emden. 17 wissbegierige Nachwuchsjournalisten hat beim Besuch des Moormuseums Moordorf im Grunde nur eine Sache interessiert: Und das waren die Moorleichen. Ob es auch in diesem Museum welche geben würde? Wenn sie die Chance gehabt hätten, wären sie vielleicht mit dem Spaten losmarschiert, um selbst zu suchen. Christine Günnel, 1. Vorsitzende des Vereins Moormuseum Moordorf, war von den Fragen der kleinen Leute auf jeden Fall beeindruckt. Ihr zur Seite stand Karlheinz Neier, der zukünftig ehrenamtlich Führungen im Museum anbietet.

Waleria Machold, Grundschule (GS) Grüner Weg: Was ist überhaupt eine Moorleiche?

Christine Günnel: Eigentlich weiß das doch jeder, das ist ein Mensch, der im Moor versunken ist. Ihr müsst euch das so vorstellen, dass diese Gebiete früher nur Sumpf und Morast waren. Da konnte niemand laufen. Also hat man Bohlenwege gelegt. Die waren aber nicht wie heute mit Nägeln oder Schrauben verbunden, sondern lose auf den Boden ausgelegt. Die Stämme verrotteten mit der Zeit, und dann konnte es passieren, dass man ins Moor fiel und versank. (Ob man da nicht einfach raus konnte, lautet eine Zwischenfrage.) Nein, je doller ihr strampelt, umso schneller versinkt ihr. Die Pflanzen im Moor produzieren Gerbstoffe und die sorgen dafür, dass die Leichen haltbar gemacht werden, sie also fast so aussehen, wie sie damals versunken sind. (Karlheinz Neier wirft ein, dass es in Emden eine Moorleiche zu besichtigen gibt. Ja, Ja, kommt es da aus der Runde, kenne ich - die Moorleiche haben sich anscheinend schon einige der Minireporter angeschaut. Nun liest Christine Günnel die Frage, ob es Moorleichen hier im Museum gibt, gleich selbst vor, und beantwortet sie auch, obwohl Finnja die Frage schon auf der Zunge liegt.)

Finnja Pahlow, GS Loppersum: Wie wird eine Moorleiche ins Museum transportiert?

Das haben wir noch nicht erlebt. Die werden beim Torfgraben gefunden. (Nun fällt den Minireportern auf, dass die Vereinsvorsitzende schon eine Frage beantwortet hat, die erst viel später kommen soll.)

Marina Jäckel, GS Loppersum: Wie groß kann eine Moorlandschaft sein?

Ganz groß. (Karlheinz Neier erklärt den Nachwuchsjournalisten, dass es in Ostfriesland früher viel Moor gegeben hat.) Manche Dörfer gab es damals noch gar nicht, weil hier überall Moor war. Auch dieses Moor in Moordorf war früher ganz groß.

Tarek Rashid, GS Constantia: Wie entsteht ein Moorgebiet überhaupt?

Also, Wasser sammelt sich in Senken an, so wie in einem Teich. Dann siedeln dort Pflanzen. Und irgendwann kommt auch das Torfmoos, das wuchert ordentlich. Wenn die Gräser absterben, wächst das Torfmoos auch darüber. Im Winter drückt der Schnee alles zusammen. So wächst das Moor jedes Jahr um einen Millimeter.

Mia Sophie Schuster, GS Cirksena: Wie bleibt die Ausstellung hier im Museum erhalten?

Wir passen schön darauf auf. Wir müssen die Stücke auch putzen, damit sie schön präsentiert werden können, beispielsweise wenn wir eine neue Ausstellung aufbauen. (Auf die Frage, ob der Verein von Spenden lebt, sagt Christine Günnel, dass das auch einen Teil ausmacht. Dazu kämen noch Mitgliedsbeiträge und auch die Eintrittsgelder.) Also besucht uns ruhig ab und zu mit euren Eltern.

Leonie Schneider, GS Früchteburg: Wie viele Moorleichen wurden gefunden?

Ganz viele mittlerweile, aber hier in der Gegend nur die im Emder Landesmuseum ausgestellte. In Hannover im Museum ist ein Moorleichen-Kind zu sehen, das die Hände auf den Rücken gefesselt hat. (Die hat bestimmt jemand reingeschmissen, kommt es aus der Runde. Und die Minireporter wollen auch dahin, am besten noch vor den Sommerferien.)

Leeke Folkerts, GS Loquard: Können Menschen im Moor leben?

In einem intakten Moor nicht. Menschen haben aber an den Rändern der Moore gelebt.

Tomma Borkowski, GS Larrelt: Wie alt sind die Museumsstücke?

Wir haben von dem alten Bohlenweg vier Stücke, die sind schon 4500 Jahre alt. Dann haben wir eine 3500 Jahre alte Goldscheibe, die hier in der Nähe gefunden wurde und ganz viele Stücke, die sind hundert bis ein paar hundert Jahre alt.

Thilko Vißer, GS Larrelt: Ist es im Moor gefährlich?

Ja, das habe ich euch vorhin schon erklärt.

Mattis Veldkamp, GS Petkum-Widdelswehr: Wie alt waren die versunkenen Moorleichen?

Das ist schlecht zu bestimmen, aber es gibt vom Alter her viele unterschiedliche Moorleichen.

Rieke Visser, GS Westerburg: Was für Tierarten leben im Moor?

(Können Tiere im Moor leben?, fragt Christine Günnel zurück. Ja, Moorfrösche. Und Schlangen. Vielleicht auch Fische?) Nein, Fische nicht, weil das Wasser hat so einen sauren ph-Wert, wie eine Zitrone. Stellt euch einmal vor, ihr füllt ein Aquarium mit Zitronen-Flüssigkeit, da kann kein Fisch leben. So ist es auch im Moor. Aber mit Fröschen und Schlangen habt ihr recht. Und es gibt Libellen und fleischfressende Pflanzen. (Karlheinz Neier sagt, dass der Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, in einem intakten Moor lebt. Tarek möchte wissen, ob das Moor hier echt ist? Nein, das Moor hier im Museum wäre nicht mehr intakt.)

Sarah Terre, GS Constantia: Mussten auch Kinder früher im Moor arbeiten?

Ja, das mussten sie. Die Menschen waren damals darauf angewiesen, dass auch Kinder mitarbeiten.

Jannik Fransen, GS Loquard: Kann man im Moor auch Häuser bauen?

Also, Hütten kann man bauen, das seht ihr gleich auch noch. Ihr wisst doch sicher, dass in Emden gerammt wird, wenn ein Haus gebaut wird, damit es sich nicht verschiebt. Das geht im Moor aber nicht, denn die Maschinen sind ja so schwer, die würden versinken. (Leonie fällt auf, dass die nächsten beiden Fragen schon beantwortet sind. Und Fragen 18 und 19 auch schon irgendwie, kommt es aus der Runde. 20 auch schon, fällt wieder Leonie auf.)

Jonah Immanuel Schmidt, GS Früchteburg: Warum haben sich Menschen im Moor verirrt?

Früher gingen die Menschen nicht freiwillig ins Moor. Aber sie haben an den Rändern Torf gegraben. Wenn es dann neblig wurde, wussten sie manchmal nicht, wohin sie laufen müssen und haben sich im Moor verirrt. Es gab ja keine richtigen Wege. (Frage 22 stellt Christine Günnel – Hat das Moor verschiedene Farben? - selbst.) Welche Farbe hat Moos? Grün. Richtig und Torf? Braun. Auch richtig. Dann wächst noch eine Blume, das Wollgras, und dann ist alles weiß. Das Moor ist also grün, braun und weiß.

Philipp Riklinks, GS Früchteburg: Sind mehr Frauen oder Männer im Moor gestorben?

Ich denke, mehr Männer, denn die Frauen gehörten früher? Wohin? Ins Haus, kommt es von einigen Minireportern. (Karlheinz Neier führt noch an, dass neuste Untersuchungen bei der Bestimmung des Geschlechtes von Moorleichen gezeigt haben, dass es nicht so einfach zuzuordnen ist. Erst gingen die Wissenschaftler von Männern aus, doch das wird mehr und mehr richtiggestellt, es sind auch Frauen darunter.)

Irma Kolasinac, GS Grüner Weg: Warum heißt das Museum Moormuseum Moordorf?

Hier gab es vor 250 Jahren noch ein Hochmoor. Dann sollte ein Dorf entstehen, dafür wurden erste Lehmhütten gebaut. Die waren früher berühmt, diese Lehmhütten. Das Museum ist hier entstanden, weil es noch ein Stückchen Hochmoor gibt. Und da es in Moordorf ist, kam der Name so zustande.

Christina Melles, GS Westerburgschule: Wie viel kostet der Eintritt ins Museum?

4,5 Euro für Erwachsene, Gruppen ab 15 Personen zahlen pro Person vier Euro und Kinder zwei Euro, sind sie unter sechs Jahre alt, haben sie freien Eintritt. (Das ist aber billig, sagt Tarek.)

Waleria Machold: Wie viel Mitarbeiter gibt es im Moormuseum?

Das sind 27 Mitarbeiter zurzeit.

Finnja Pahlow: Wie hoch ist das Gehalt der Mitarbeiter im Moormuseum?

Was antworte ich da? Also, wir haben eine Geschäftsführerin, die kann davon leben. Die anderen bekommen so viel, dass sie davon einmal im Jahr in Urlaub fahren können. Als Vereinsvorsitzende bekomme ich kein Geld. Und wir haben noch 60 Mitarbeiter, die bekommen auch nichts, weil sie das ehrenamtlich machen.

(Und dann ging es raus durchs Moormuseum. Es gab viel zu sehen, winzige Hütten, wackeligen Boden, Schafe und Torf, das nach Meinung einiger Minireporter wie „Kacke” aussieht.)

Dokumentiert von Dirk de Vries

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