Klasse!-Projekt

„Müssen Sie an Gott glauben?“

Sechster und letzter Termin der Nachwuchsjournalisten in Borssum. Diesmal löcherten die Grundschüler Pastor Wolfgang L. Ritter von der evangelisch lutherischen Erlöserkirche.

Manuel Lisovol (Grundschule am Wall): Wie lange arbeiten Sie schon als Pastor?

Pastor Wolfgang L. Ritter: Ich arbeite seit dem 1. September 1991 als Pastor.

Kai Kirschke (Grundschule am Wall): Wie oft gehen Sie pro Woche in die Kirche?

Sonntags dreimal im Monat, aber euch ist sicherlich aufgefallen, dass wir hier ein Gemeindezentrum haben und dort bin ich jeden Tag, sieben Tage die Woche.

Ben Schneider (Grundschule Wolthusen): Wollten Sie schon immer Pastor werden?

Nein, die Entscheidung ist gefallen, als ich 18 Jahre alt war. Vorher hatte ich mir verschiedene Berufswünsche überlegt, Journalist oder Lehrer waren auch dabei.

Zwaantje Kröger (Grundschule Hinte): Wie alt ist die Kirche in Borssum?

Diese hier (Pastor Ritter zeigt mit Gesten nach draußen und um die Minireporter herum, weil es in Borssum ja drei Kirchen gibt) gibt es seit 1964, da war die Einweihung.

Emma Janssen (Grundschule Loppersum): Haben Sie schon einmal bei einer Beerdigung geweint?

Ja, das passiert auch nicht so selten. Das ist aber nicht meine Aufgabe, ich muss Mitgefühl mit den Trauernden haben und ihnen Halt geben.

Liska Rehbock (Grundschule Wolthusen): Warum tragen Pastoren schwarze Kleidung?

Pastoren tragen ja nicht immer schwarz. Wir tragen bei der Arbeit einen sogenannten Talar, den übrigens auch Rechtsanwälte anziehen. Den Talaren wird eine gewisse Würde zugesprochen. Im Alltag ist es nicht geregelt, was ich trage.

Viola Anhalt (Grundschule Petkum): Ist Ihr Beruf anstrengend?

Ja, aber auf unterschiedliche Art. Er ist ebenso anspruchsvoll, herausfordernd und jede Woche anders. Ich bekomme aber sehr viel zurück und er macht mir viel Freude.

Fatima Jafarova (Grundschule Grüner Weg): Müssen Sie an Gott glauben?

Als ich in den Beruf eingetreten bin, musste ich ein Ordinationsversprechen geben. Zur Verkündigung des Evangeliums gehört der Glaube an Gott dazu, Zweifel gibt es aber auch.

Lars Farin (Grundschule Hinte): Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche?

Da die Wochen alle so unterschiedlich sind, kann ich das gar nicht genau sagen. Ich schätze aber so 55 Stunden.

(Die Minireporter diskutieren, wer wie lange von den Eltern arbeiten muss. Zahlen schwirren durch den Raum. 55 Stunden empfinden einige aber als sehr viel.)

Mateo Orostegui Meija (Grundschule Larrelt): Woran erkenne ich einen Pastor außerhalb der Kirche?

(Einige rufen gar nicht in die Runde.)

Es gibt keine eindeutigen Unterscheidungsmerkmale.

Manuel: Haben Sie Frau und Kinder und wenn nicht, warum nicht?

Ihr wisst doch, dass ich evangelisch bin (Wolfgang Ritter lächelt verschmitzt). Ja, ich habe eine Frau und drei Kinder.

Kai: Wo haben Sie studiert?

Ich war in Göttingen, im schweizerischen Bern und in Bielefeld. Mein Vikariat habe ich in Hannover gemacht.

Ben: Was ist der Unterschied zwischen reformiert und lutherisch?

(Pastor Ritter möchte wissen, wie viel Zeit die Minireporter haben und wie viel Platz in der Zeitung ist.)

Es gibt jede Menge Anekdoten (was das ist , will Mateo wissen), jede Menge Beispielgeschichten, die will ich hier nicht ausbreiten. Es gibt keine großen Lehrunterschiede. In der lutherischen Kirche haben wir beispielsweise einen Altar mit einem Kranz und Kerzen darauf, der am Sonntag mit Blumen geschmückt wird. Die Kanzel ist gleich groß. Bei den Reformierten gibt es keinen Altar und die Kanzel ist mächtiger. Wir halten uns eher an das, was Luther gesagt hat, die Reformierten eher an das, was Calvin und Zwingli gesagt haben.

Zwaantje: Wohin fahren Sie in Urlaub.

Ich fahre sehr gerne an das „Kleine Meer”. Aber auch in den Bergen bin ich gerne.

Emma: Wie viele Pastoren gibt es in der lutherischen Kirche in Emden?

Neun, es haben aber nicht alle eine volle Stelle.

Liska: Was ist Ihr Hobby?

Ich spiele gerne Klavier („Wir auch”, rufen Zwaantje, Liska und Mateo) und treibe gerne Sport.

Viola: Wie viele Besucher passen in Ihre Kirche?

(Er habe gerade in die Kirche gesehen und da stehen ganz viele Stühle herum, wirft Manuel ein.)

Ich denke so 300 Besucher, wir haben aber eine Falttür („Eine Falltür?”, fragt Mateo) und können den Raum trennen.

Fatima: Haben Sie auch einmal einen freien Tag?

Ich habe ein freies Wochenende im Monat und versuche, mir auch in der Woche einen freien Tag zu nehmen.

Lars: Ab wie vielen Jahren darf man Pastor werden und wie wird man Pastor?

Wenn jemand die Voraussetzungen erfüllt, Abitur, Studium, Probezeit und Vikariat, zählt das Alter nicht. Aber wer Pastor werden will, muss Hebräisch, Griechisch und Latein lernen, und das ist eine Hürde.

(EZ-Vertriebs- und Marketingleiter Armin Göring möchte wissen, wo man denn Hebräisch lernt.)

In einem Intensivkurs an der Universität.

Mateo: Wo wohnen Sie?

Es gibt hier ein Ensemble mit Gemeindezentrum, Parkplatz und Gemeindewohnung. Und in der wohne ich.

(Mateo sagt: Wohnen neben der Kirche.)

Manuel: Wie viel Besucher kommen sonntags in die Kirche?

Die letzten Sonntage waren gut besucht, wir hatten durchgängig 70 Besucher. Auf das Jahr hochgerechnet sind es so um die 5000 Besucher.

(Viele Minireporter erzählen ganz aufgeregt, dass sie auch schon in der Kirche waren.)

Kai: Welches ist der wichtigste Sonntag im Kirchenjahr?

Ostern, weil da der Gekreuzigte auferstanden ist.

Ben: Was denken Sie über andere Religionen?

Das ist heutzutage ein spannendes Thema. Es gibt ja mittlerweile viele Religionen auch hier. Bei uns findet gerade ein Sprachkurs statt, da können wir gleich noch eben vorbeischauen. Wir begegnen uns dort mit viel Respekt. Das finde ich ganz wichtig. Hindus und auch Buddhisten sind mir tendenziell etwas fremd. Aber mit Moslems haben wir schon viel zu tun durch die Sprachkurse.

(Liska möchte wissen, wie viele denn zum Deutschlernen kommen würden.)

Es sind so zwischen zwölf und fünfzehn und heute Nachmittag auch noch einmal so viele. Sie kommen dreimal die Woche, und ich finde sie sehr tapfer, dass sie die deutsche Sprache lernen.

Zwaantje: Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am besten/ am wenigsten?

Am besten gefällt mir, dass er so vielfältig ist und ich mit vielen Menschen in Kontakt bin und noch komme. Nicht so gut gefällt mir, dass ich nicht verlässlich frei habe. Und die vielen Abendtermine gefallen mir auch nicht.

Emma: Was macht ein Pastor in der Kirche?

Es gibt Gebete, Lesungen, Predigten, die Gestaltung von Gottesdiensten, Taufen von Kindern und Erwachsenen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen. Die Arbeit als Pastor ist sehr vielfältig. Wir haben einmal überlegt, dass es 15 verschiedene Gottesdienstformen gibt.

So Kinder, jetzt machen wir einen kleinen Gang durchs Haus. (Und beim Besuch des Kirchenraumes fragen einige Minireporter enttäuscht: „Das soll eine Kirche sein?” Ja, auch das ist eine Kirche.

Dokumentiert von Dirk de Vries

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