Klasse!-Projekt
Junge Reporter waren wieder in Emden unterwegs

„Dann müssen wir auch weinen”

Immer wieder sind auch die Interviewpartner erstaunt, was für Fragen die jungen Grundschüler stellen.
 Ansgar Wosnitza, Chefarzt der Kinderklinik Emden, war auf jeden Fall sehr auskunftsfreudig.

Emden. Die 2. Runde bei den EZ-Minireportern stand auf dem Terminplan: Diesmal stellte sich der Chefarzt der Kinderklinik des Emder Krankenhauses, Ansgar Wosnitza, den Fragen der jungen Nachwuchsjournalisten. Und das waren viele interessante Dinge, die die Grundschüler wissen wollten. Die Kinderstation durften sich die Minireporter auch noch anschauen.

Leeke Folkerts, Grundschule (GS) Loquard: Wie lange muss man studieren, um ein Arzt zu werden?

Insgesamt sind das sechs Jahre, dann ist man Arzt. Danach überlegt dann jeder, in welche Facharztrichtung er vielleicht gehen will. Die Zeit kommt noch dazu und wer Kinderarzt werden will, muss noch einmal fünf Jahre lernen.

(In der Stunde, als sich die Minireporter getroffen haben, um vorher die Fragen zu sammeln, waren alle von Operationen fasziniert. Dabei machen das ja die Chirurgen in der Klinik. Trotzdem antwortete der Chefarzt bereitwillig und ausführlich.)

Tomma Borkowski, GS Larrelt: Wie lange dauerte Ihre längste Operation?

Das ist bei mir schon ganz, ganz, ganz lange her. Als Student musste ich das machen, als ich bei den Chirurgen war. Wir operieren nicht, das macht man nur im letzten Jahr des Studiums. (Tomma wirft ein, dass, wenn bei kleinen Babys mit der Nabelschnur etwas ist, wird mit dem Messer geschnitten. Da ist Ansgar Wosnitza etwas irritiert und sagt, dass sie sicherlich eine Situation im Kreißsaal meint bei der Geburt.) Aber zurück zur Frage: Meine längste Operation in der Chirurgie war drei Stunden lang, das war eine schwere OP am Darm und echt anstrengend.

Mattis Veldkamp, GS Petkum-Widdelswehr: Sehen Sie bei einer Operation viel Blut?

(Das wollen jetzt alle wissen und hören gebannt zu.) Das habe ich erst auch geglaubt, es passiert aber nicht, man sieht nur ein bisschen Blut beispielsweise beim Kaiserschnitt. Wenn sich aber jemand so richtig wehgetan hat, dann kann das schon einmal sehr doll bluten, aber dann wird schnell geholfen.

Tarek Rashid, GS Constantia: Hatten Sie schon einmal mehrere Operationen hintereinander?

Ja, in der Zeit der Ausbildung. Da hat man im OP so etwas wie einen Stundenplan. Das geht den ganzen Tag so, dass man attestieren muss als Student. Und bei drei Operationen am Tag ist man echt fertig, das ist sehr anstrengend, weil man sich ja auch konzentrieren oder beispielsweise in einer bestimmten Position lange etwas halten muss.

Mia Sophie Schuster, GS Cirksena: Finden Operationen auch nachts statt?

Ja, aber normalerweise ist das genau geplant. Manchmal passiert es aber, dass jemand abends in die Klinik kommt und krank ist. Auf der Kinderstation ist es so, dass ich dann schaue, wie schlimm es ist. Dann entscheidet ein Chirurg, ob das noch sofort gemacht werden muss. Ein Kaiserschnitt wird aber auch gemacht, wenn es dem Baby nicht gut geht.

Irma Kolasinac, GS Grüner Weg: Stecken Sie sich oft mit einer Grippe an?

Ganz klar nein. Einerseits bin ich gegen Grippe geimpft. Von euch ist das sicher noch keiner. Ich habe aber mit so vielen Menschen zu tun, dass ich das nicht bekommen möchte, um es nicht an andere Menschen weiterzugeben. Junge Ärzte werden aber zu Anfang ihres Berufslebens ganz oft krank. (Wosnitza möchte von den Minireportern wissen, wie man sich gut schützen kann, um sich nicht anzustecken.) Nein? Also, wir waschen uns ganz oft die Hände und desinfizieren sie dann. Und wir schützen uns, wenn jemand Grippe hat mit einem Kittel und einem Mundschutz.

Waleria Machold, GS Grüner Weg: Haben Sie Angst vor einer Spritze?

Nein, ich haben so wenig Angst, dass ich mir selber Spritzen geben kann. So zeige ich das beispielsweise den Kindern.

Philip Riklinks, GS Früchteburg: Fahren Sie auch im Krankenwagen mit?

Als Notarzt nicht, aber wenn ein Kind verlegt wird und ein Arzt mit soll, dann fahre ich auch schon mit. Einmal bin ich sogar mit dem Hubschrauber mitgeflogen, da hatte ich richtig Angst, weil ich vorher noch nie geflogen bin. Dann ging es aber, weil wir nicht so hoch geflogen sind.

Jonah Immanuel Schmidt, GS Früchteburg: Wie viele Visiten haben Sie am Tag?

Wir haben einmal am Tag zwischen 8.30 und 10 Uhr Visite. Bei manchen Kindern gucken wir aber öfter. Wichtig ist, dass wir dabei mit den Kindern und Eltern auch drüber sprechen, was los ist oder noch gemacht werden muss. Dabei sind immer ein Arzt, eine Kinderkrankenschwester und manchmal eine Sozialarbeiterin.

Jannik Fransen, GS Loquard: Haben Sie auch manchmal Angst vor Operationen?

Bei anderen habe ich keine Angst. Ich bin vor drei Jahren am Knie operiert worden, da war ich sehr aufgeregt. Ich fühlte mich aber im OP und bei den dort arbeitenden Leuten sicher. (Mir wurden schon die Polypen 'rausgenommen, kommt es aus der Runde. Und schon sprechen die Minireporter darüber, was bei ihnen schon alles gemacht wurde.)

Christina Melles, GS Westerburg: Wie lange arbeiten Sie schon im Krankenhaus?

25 Jahre, davon seit 18 Jahren hier in Emden. Ich kenne ganz viele Emder persönlich. Was bedeutet das? Bei 700 Kindern im Jahr auf der Station, hochgerechnet auf 18 Jahre, jedes dritte Kind kenne ich, dann sind das über 3000 Kinder. Auch hier in der Runde kenne ich viele Gesichter und Namen. Eigentlich komme ich aus Göttingen, fühle mich in Emden aber total wohl.

Leonie Schneider, GS Früchteburg: Bleiben Kinder auch alleine, ohne ihre Eltern im Krankenhaus?

Ja, Kinder ab zehn finden das oft blöd, wenn die Mama oder der Papa dabei sind. Alle unter zehn Jahren dürfen das aber sagen, ob sie das wollen. Ich finde es wichtig, wenn Mama oder Papa dabei sind. (Leonie sagt, dass ihre Freundin auch schon einmal hier war.)

Rieke Visser, GS Westerburg: Wie viele kranke Kinder sind im Monat auf der Station?

Da muss ich mal rechnen. (Wosnitza zückt sein Handy.) 130 im Monat ungefähr. 20 bis 25 Kinder sind in der Abteilung, wenn es richtig voll ist. Es waren aber auch schon einmal 32. (Wo die dann alle untergebracht sind, will die Runde wissen?) Dann nehmen wir das Ultraschall- und Traumzimmer, die zeige ich euch nachher noch, dazu und auch andere Stationen springen ein.

Marina Jäckel, GS Loppersum: An was für Krankheiten sind die Kinder erkrankt?

Ganz viele verschiedene Krankheiten, wie Erkältungen, Lungenentzündungen, Bronchitis, Asthma und viele Kinder kommen auch mit Magen-Darm-Erkrankungen. (Einige Nachwuchsjournalisten kennen auch Kinder, die Asthma haben. Tomma will wissen, was jemand macht, wenn dessen Asthmamittel leer ist. Dann geht sie zum Arzt, kommt es aus der Runde. Waleria kennt jemanden, der Asthma und viele Allergien hat, der wäre auch dauernd hier. Da möchte eine aus der Runde wissen, wie lange ihr Opa noch hierbleiben muss bei seiner Operation.) Das kann ich Dir nicht sagen, weil das die Ärzte bestimmen, die ihn operiert haben.

Sarah Terre, GS Constantia: Was passiert, wenn alle Betten im Krankenhaus belegt sind?

Ich finde es immer gut, wenn Kinder aus Emden auch in Emden behandelt werden. Nur wenn die Klinik voll ist, meldet sie sich bei der Leitstelle ab, dann wissen die dort, dass kein Patient mehr aufgenommen werden kann. Das kommt aber selten vor und in der Kinderklinik habe ich das noch nie erlebt.

Leeke Folkerts: Wie viele Mitarbeiter arbeiten auf der Kinderstation?

Also, neun Ärzte, zwei Reinigungskräfte, eine Sozialarbeiterin, 20 Schwestern, ein paar Praktikanten, unsere Sekretärin und Menschen vom Hausdienst, wie beispielsweise die Essensausgabe, die Apotheke und viele andere mehr.

Tomma Borkowski: Sind viele Kinder an Krebs erkrankt?

Das ist ganz selten hier in Emden. Momentan betreue ich drei Kinder, die werden in Oldenburg versorgt. Aber hier spülen wir beispielsweise den Katheder für die Medikamente und zum Blutabnehmen, dann müssen die Kinder deshalb nicht jedes Mal nach Oldenburg fahren.

Mattis Veldkamp: Wie lange muss ein Kind im Krankenhaus bleiben, wenn es sich den Arm gebrochen hat?

Ganz, ganz kurz – Röntgenbild, gegipst und ab nach Hause. Nur wenn der Bruch komplizierter ist, kann es ein paar Tage dauern.

Tarek Rashid: Wie lange gibt es die Kinderstation schon?

Das kann ich nicht genau sagen, aber schon sehr, sehr lange.

Mia Sophie Schuster: Sind hier schon viele Kinder gestorben?

Zum Glück nein, aber doch schon einige. Der Job als Kinderarzt macht mir einen Riesenspaß, aber wenn ein Kind stirbt, dann müssen wir auch weinen. Das ist eine sehr schwierige Situation, auch für uns. (Draußen fährt in diesem Moment ein Rettungswagen vor und alle Blicke hängen am Fenster. Ob da wohl ein Patient drin liegt, fragen sich die Minireporter.)

Irma Kolasinac: Wie viele Krankenwagen und Hubschrauber hat das Krankenhaus?

Gar keine. Ein Hubschrauber kann bestellt werden. Das organisiert dann die Rettungsleitstelle. Die Krankenwagen sind vom Rettungsdienst. (Und schon fährt der nächste Krankenwagen draußen vor, und wieder hängen die Blicke der Minireporter am Fenster und fragen sich, ob diesmal ein Patient gebracht wird.)

Waleria Machold: Gab es mit einem Rettungswagen schon einmal einen Unfall?

Zum Glück ist das ganz selten, kann aber passieren. (Zwischendurch hatte der Chefarzt gesagt, dass im Krankenhaus nicht geraucht werden darf und er sauer wird, wenn er jemanden dabei erwischt. Da wollen die Minireporter wissen, ob E-Zigaretten erlaubt sind.) Nein, Rauchverbot ist Rauchverbot. Shishas und E-Zigaretten sind genauso gefährlich in puncto Gesundheit, sie verursachen auch Krebs. (Es ist zu merken, dass das für Wosnitza ein sehr ernstes Thema ist und er da überhaupt nicht mit sich spaßen lässt.)

Eine Bildergalerie gibt es im hier.

Dokumentiert von Dirk de Vries.

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