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Was tun mit anonymen Briefen?

Ein aktueller Fall: "Warum schreiben Sie nicht, dass....?"

Ausschnitt aus einem anonymen Brief: Die schnelle Denunziation eines Menschen. Manchmal jedoch auch wertvolle Hinweise auf Misss

Zeitungsmacher kennen das: Da kommt ein Brief mit der Post, sorgfältig adressiert, aber ohne Absender. Darin ein Brief von einem Verfasser, der seinen Namen aber nicht verrät. Gerade am heutigen Mittwoch war das der Fall. Zu einem Bericht über einen Emder, der etwas großartiges geleistet hat, heißt es in dem Brief. "...muss man denn so eine Märtyrergeschichte schreiben...?" Oftmals werden diese Briefe auch garniert mit Aussagen wie "...da sollte man mal richtig recherchieren..." oder auch "...das sind ja fake news".

In Emden und in unserer Redaktion kommt das etwa einmal im Monat vor. Also gar nicht so selten.

Nun hat jede Redaktion wohl ihre eigene Umgangsform mit anonymen Briefen entwickelt. Wir machen es so: Wir lesen den Inhalt, fragen uns, ob an den Vorwürfen etwas dran sein könnte. Sind die Vorwürfe handfest, dann beginnen wir zu recherchieren. Gibt es offizielle Quellen, die die Vorwürfe bestätigen? Und am besten auch mehr als nur eine? Und erst dann kommt die Geschichte ins Blatt. Aber niemals ungeprüft. Und nie, wenn die Vorwürfe nicht relevant sind.

Schnell lösen sich Themen dann in Luft auf. An dem Thema ist nichts dran. Vielmehr wollte der anonyme Schreiber mal seinen Frust loswerden über irgendjemanden oder über irgendein Thema und hat es mit der Wahrheit nicht so genau genommen. Die meisten anonymen Briefe wandern deswegen bei uns in den Ordner "Erledigt!"

Der heutige Brief zielte genau auf eine Person. Sie hatte etwas geleistet, aber es wurde nicht geschrieben, dass sie schon einmal angeblich woanders etwas kaputtgemacht hat. Belege für Behauptungen dieser Art gibt es meistens nicht, und auch dieses Mal war es so. Nur böse Vermutungen, unbegründete Unterstellungen.

Das perfide an anonymen Briefen dieser Art ist, dass der Schreiber zwar mit Genuss jemanden durch  den Schmutz zieht, aber selbst in Deckung bleibt. Nicht bereit ist, Rückfragen zu beantworten. Dabei muss sein Name ja nicht in der Zeitung stehen. Denn auch das gibt es bei Zeitungen in Deutschland: Den Quellenschutz. Wer nicht genannt werden will, der wird nicht genannt. Im Zweifel auch vor Gericht nicht, dafür haben Redaktionen ein Zeugnisverweigerungsrecht.

Wenn sich der Schreiber des heutigen Briefes jetzt hier erkennt: Umso besser. Einfach mal bei uns anrufen und mehr erzählen. Denn bis jetzt ist der Brief nur eines: Eine böse Denunziation eines bisher unbescholtenen Bürgers.

Das ändert aber nichts daran, dass viele Skandale in dieser Republik aufgrund anonymer Hinweise aufgedeckt werden. Neudeutsch heißt das dann "whistleblowing". Auch davon leben Journalisten.

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