EZintern
Über Kürzungen, anonyme Schreiben und die Verantwortung der Redaktion

So gehen wir mit Leserbriefen um

Nicht immer drucken wir alles. Dafür gibt es gute Gründe.

In der EZ-Ausgabe zu Donnerstag erscheinen wieder Leserbriefe. Immer wieder fragen uns Leser: "Wie gehen Sie eigentlich mit Leserbriefen um?" Anlass ist dann die Erfahrung, dass ein Brief womöglich nicht gedruckt wurde, oder es hat sehr lange gedauert, bis er endlich in der Zeitung erschien. Immer wieder kommt es auch vor, dass der Schreiber seinen Namen nicht gedruckt sehen will, weil er Angst hat, Nachteile zu erleiden. Doch anonyme Briefe lehnen wir in den allermeisten Fällen ab. Warum das alles?

Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Brief abgedruckt wird?

Wir sammeln die Leserbriefe, die uns täglich erreichen, so lange, bis wir genügend haben, um den entsprechenden Platz komplett füllen zu können. Das dauert manchmal nur wenige Tage, manchmal etwas länger.

Warum wird mein Leserbrief gekürzt?

Weil der Platz auf den Seiten immer knapp ist. Und weil wir möglichst viele Leser zu Wort kommen lassen wollen. Wenn dann ein einzelner Brief zu lang ist, geht das auf Kosten der anderen. Hin und wieder kürzen wir auch, weil die Sprache nicht in Ordnung ist, unbewiesene Anschuldigungen oder unhaltbare Behauptungen enthalten sind. Für Leserbriefe ist nicht nur der Schreiber verantwortlich, sondern auch die Redaktion. Im Zweifel müssen Tatsachenbehauptungen in einem Gerichtsprozess beweisbar sein. Um aber solche Verfahren zu vermeiden, kürzen wie entsprechende Passagen.

Warum wird mein Leserbrief nicht abgedruckt?

Jedenfall nicht deshalb, weil er eine andere Meinung vertritt als die des Chefredakteurs, der Zeitung oder irgendeiner Partei. Auch bei Leserbriefen herrscht Meinungsfreiheit. Wir drucken aber Leserbriefe nicht ab, die Beleidigungen enthalten, sicher einer unflätigen Sprache bedienen, die Menschen beschimpfen oder herabwürdigen. Dies alles mag auf Facebook oder am Stammtisch geduldet sein - aber nicht bei uns. Es kommt auch vor, dass Leserbriefe offensichtlich Unwahrheiten enthalten oder etwas als Fakt darstellen, was aber nur eine Ansicht ist. Das wird dann immer kritisch, wenn es um sensible Themen geht. So haben wir gerade jetzt einen Brief abgelehnt, der - entgegen der herrschenden wissenschaftlichen Meinung - behauptete, dass es menschliche Rassen doch gebe. Da der Rasse-Begriff (nicht nur) in Deutschland sehr negativ belegt ist, ist das Thema sensibel. Die gesamte internationale Wissenschaft ist seit etwa Mitte der 90er Jahre der Überzeugung, dass es keine menschlichen Rassen gibt (anders als im Tierreich etwa). Und deswegen kommt der Brief nicht ins Blatt.

Warum muss ich meinen Namen angeben?

Anonyme Briefe veröffentlichen wir nicht. Wir wollen, dass der Schreiber mit seinem Namen für seine Meinung einsteht. Genau das machen wir auch als Journalisten. Wer seinen Namen nennen muss, überlegt sich dreimal, ob er unsachlich argumentiert. Nur in ganz wenigen Fällen sind wir bereit, den wahren Schreiber zu verschweigen: Wenn der Autor des Briefes Angst um Leib und Leben haben muss aufgrund seiner Meinung. Das ist in Ostfriesland, weitab von vielen Krisenherden dieser Erde, aber eher selten der Fall. Wir schützen jeden Schreiber eines Briefes schon dadurch, dass wir nicht seine komplette Adresse nennen.

Warum muss ich meine Telefonnummer angeben?

Weil wir jeden einzelnen Leserbrief nachprüfen, ob er auch wirklich von der entsprechenden Person geschrieben wurde. Immer wieder kommt es vor, dass Leserbriefe gefälscht und dann mit einem beliebigen Namen versehen werden.

Warum drucken wir keine Leserbriefe von Politikern?

Politiker haben vielfältige Möglichkeiten, ihre Meinung kundzutun: Im Rat, in den Ausschüssen, auf Parteiveranstaltungen, durch Pressemitteilungen. Der "normale" Leser hat diese vielen Möglichkeiten jedoch nicht. Deswegen sind ihm die Leserbriefspalten vorbehalten. Wenn Politiker uns etwas mitteilen wollen, müssen sie eine Pressemitteilung schreiben. Und die Redaktion entscheidet dann, ob und in welcher Länge etwas davon in der Zeitung erscheint. Denn zum Schluss ist die Zeitung kein Platz, in dem sich die Politik beliebig darstellen kann, sondern die Zeitung ist für die Leser da. Die Redaktion wertet: Ist das, was in diesem Text steht, wirklich eine Neuigkeit und wichtig für die Leser? Oder dient es nur der Selbstdarstellung von Prominenten?

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