Bands in Ostfriesland
Punk-Rock

The New Accelerators - Aurich

In den Liedern von The New Accelerators trifft eine härtere Gangart auf sehnsuchtsvolle Melodien.

Von Christian Zeiß

Emden. Was einen sofort für sich einnimmt, ist diese klare und eindringliche Stimme, die den wuchtigen Songs etwas gibt, dem man sich nur schwer entziehen kann. Peter singt nicht bewusst wie Brian Molko von Placebo, ihre Stimmfarbe ähnelt sich aber sehr. Er hört dies nicht zum ersten Mal und fasst es mittlerweile durchaus als Kompliment auf. Dennoch sucht er stets nach einer eigenen Ausdrucksform und will, wie jeder Mensch, natürlich als Unikat wahrgenommen werden.

Peter ist der Sänger von The New Accelerators, einem Quartett aus Aurich, dem neben ihm noch Heiner (Gitarre), Stefan (Bass) und Marcus (Schlagzeug) angehören. Gegründet wurde die Band 2015, in dieser Formation spielt sie jetzt seit Anfang 2016 zusammen. Eine gemeinsame Ausrichtung hatte man damals schnell gefunden: „eine härtere Gangart, aber mit Melodie“.

Mittlerweile haben The New Accelerators zwei Demo-Tapes veröffentlicht, auf denen sie ihre Vorgabe in allerhand bemerkenswerte Alternative-Rock-Songs umgesetzt haben - sie sind atmosphärisch und sehnsüchtig, brodelnd und stürmisch zugleich. In Stücken wie „Counting The Days” oder „Storm” entwerfen der drückende Bass, das wuchtig-antreibende Schlagzeug und die rockige, rauschende Gitarre einen mächtigen Soundwall, der von der Stimme durchdrungen wird und so eine eingängige Melodie erhält.

Noch besser sind das zum Pop herüberblickende „Wave” und vor allem das hymnische „History“. „Suddenly I feel in between, I am colorblind / Sometimes I close my eyes / Cause it is easier to see“ singt Peter darin. Und man stellt sich vor, wie es ist, sich nicht zugehörig zu fühlen - die Augen zu schließen und sich von der Welt abzuschotten, um in dieser Abgeschiedenheit wieder zu sich zu finden.

Über seine Texte redet Peter nicht gerne. Er lässt sie für sich stehen und will dem Hörer einen Interpretationsfreiraum lassen. Die Texte schreibt er in seiner Wohnung, wo unzählige Zettel mit Textideen herumliegen. Bis ein Text passt, dauert es lange. Sie handeln dann von Lebenserwartungen, Liebe, Beziehungen und eben dem, was einen gerade beschäftigt - so viel lässt sich Peter dann doch entlocken.

Die Songs der Band entstehen auf unterschiedliche Weise. Meistens durch Tüfteln im Proberaum, manchmal schickt Heiner auch eine Idee per Mail an die anderen. Einen Song zu schreiben ist ein Prozess - alle dürfen und müssen mitreden. „Ein Song darf nicht hakeln“ sagt Peter, „er stirbt dann auch schon mal relativ schnell”. Schafft es ein Song in die nächste Probe, ist dies meistens ein gutes Zeichen. Noch besser ist es, wenn die Melodie eines Songs noch auf dem Nachhauseweg gepfiffen wird.

 

Mehr als ein Ausgleich zur Freizeit

 

Peter, Heiner, Stefan und Marcus sind musikalische Freunde. Schließlich haben sie in der Jugend fast alle die musikalische Erziehung des Jugendzentrums „Schlachthof“ in Aurich durchlaufen - das verbindet. Musik ist für sie längst mehr geworden als nur ein Ausgleich zur Freizeit. Als The New Accelerators geben sie zehn bis zwölf Konzerte pro Jahr. Sie würden gerne häufiger auftreten, aber dafür muss man auch immer viel Zeit investieren - für An- und Abreise, den Auf- und Abbau. Wenn sie die „ostfriesischen Mauern“ durchbrechen und in Bremen, Hannover oder Osnabrück spielen, sind sie häufig den ganzen Tag unterwegs. Da ist der Support aus der Familie enorm wichtig, „das könnte man sonst so nicht machen”.

The New Accelerators spielen live, um Fans zu gewinnen, sie wollen aber auch selbstzufrieden aus einem Konzert gehen. Positives Feedback tut immer gut - noch ehrlicher ist es von Leuten, die man nicht kennt, weil die Familie und Freunde es meistens zu gut mit einem meinen.

Das Live-Repertoire dieser Band umfasst zwölf Songs. Einige ältere wurden mittlerweile aussortiert, weil sie nicht mehr so gut passen. Coversongs schließt man nicht grundsätzlich aus, die vier kamen bisher aber auf keinen gemeinsamen Nenner. Dafür sind sie zu unterschiedlich. Selbst die Playlist auf langen Autofahrten führt regelmäßig zu heiteren und hitzigen Diskussionen - immerhin auf Biffy Clyro und Rise Against! können sie sich alle einigen. Vereint sind sie vor allem in ihrer eigenen Musik.

Musik war für alle die erste Liebe. Sie ist ihnen auch heute noch unglaublich wichtig, dient als Ventil und trägt durch die guten und die schlechten Tage. „Es würde etwas Großes fehlen” sagen sie, und gehen sogar so weit, die Musik als „Lebenselixier” zu bezeichnen.

Musik hat eine so wichtige Bedeutung für Peter, Marcus, Heiner und Stefan, dass diese durch die Band nicht mehr zu steigern war. Die vier sind aber froh und zufrieden, dass sie Mitstreiter gefunden haben, mit denen sie ihre Leidenschaft teilen und umsetzen können. The New Accelerators wissen, dass sie keine Rockstars mehr werden - „wir sind nicht realitätsfremd” erklären sie. So wie es jetzt ist, reicht es ihnen aber auch völlig.

 

Diese Serie wird präsentiert von: Musikhaus Ahrends

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