Bands in Ostfriesland
Post-Rock

MMTH

Der instrumentale Post-Rock von MMTH kennt keine Grenzen

Von Christian Zeiß

Emden. Einer der letzten Tage im März. Draußen ist es dunkel und sehr still. Das Dickfehler Studio liegt am Rande von Aurich und gehört Hanno Janßen, dem Schlagzeuger von MMTH („Mammoth”). Die Post-Rock- Band aus Aurich probt hier heute Abend für die kommende Tournee.

Und mit der Stille ist es dann auch bald vorbei. Wir stellen uns regungslos in die Mitte eines langen Raumes, mitten ins Sound-Inferno, das uns ummantelt. Zwischen den Verstärkern stehen die Gitarristen Carlo Persh und Jan R. Haneborger sowie der Bassist Bernd Frikke, rechts von uns sitzt Hanno Janßen an seinem Schlagzeug. Die druckvollen Riffs, die melancholischen Melodien, der pumpende Bass, die wuchtigen und präzisen Rhythmen machen direkt etwas mit einem. Die Musik wogt und schwelgt, pulsiert und brütet - sie breitet sich aus, durchströmt den Körper. Der Raum wird zur Kathedrale. Und man fühlt den Rausch der Freiheit, den dieser instrumentale Post-Rock verströmt.

MMTH kamen im Frühjahr 2016 zusammen. Zunächst noch ohne Persh, dem einzigen Nicht-Ostfriesen der Band, der aber kurz später hinzu kam. Die vier kannten sich alle schon vorher, die Chemie stimmte direkt. Nachdem MMTH zwei Songs und die dazugehörige Lichtshow durchgespielt haben, setzen wir uns in den Regieraum des Studios. Der war früher ein alter Heizungskeller auf den Grundstück von Janßens Großmutter. Es entsteht ein Gespräch über instrumentale Musik, Plattenaufnahmen und die Bedeutung von Live- Auftritten, über die Vergangenheit und Zukunft der Band.

Emder Zeitung: War die musikalische Ausrichtung der Band gleich klar für Euch?

Haneborger: „Als wir mit der Band angefangen haben, noch mit dem ersten Gitarristen, da hatten wir zwei Nummern mit Gesang. Von Bernd kam dann der Einwurf, dass wir die Lieder mal ohne Gesang spielen sollten, weil er schon immer mal eine Post-Rock-Band machen wollte. Dabei ist es dann geblieben.“

Frikke: „Auf unserem Debütalbum hört man die vielen Facetten oder Genres die uns ausmachen. Dementsprechend kann man nicht sagen, dass die Musikrichtung klar war. Streng genommen ist sie das jetzt noch nicht. Selbst in den neuen Songs ist wieder alles dabei. So richtig festlegen können und wollen wir uns auch nicht.“

Wie entstehen die Stücke bei Euch?

Haneborger:„ZumTeilsinddas von Carlo und mir vorproduzierte Ideen und Skizzen die dann übernommen werden. Einige Stücke entstehen aber auch spontan beim Proben.”

Persh: „Wenn wir vier in einem Raum sind und jeder sein Element da reinwirft, hat das manchmal nicht mehr viel mit der ursprünglichen Idee zu tun. Das wird dann halt zu einem MMTH-Song. Oft entsteht ein Song auch, wenn wir nur darüber sprechen und es dann ausprobieren.“

Jeder Schritt zum Song wird im Proberaum oder live verfeinert, bis er im Studio festgemacht wird. So entstanden auch die Stücke ihres Debüts „Paternoster”. Auf diesem Album gibt es einiges zu entdecken, man muss nur genau und aufmerksam hinhören. MMTH nutzen die Freiheiten die sich ihnen im instrumentalen Post-Rock bieten, und sie verbinden diesen unter anderem mit Progressive- Rock, Krautrock und Alternative. Die Stücke sind vielfältig und facettenreich, atmosphärisch und melodiös, hart rockend und schwelgend, stets emotional. Kalt lässt einen diese Musik in keinem Moment.

Was ist bei instrumentaler Musik anders als bei einer Band mit Sänger?

Frikke: „In erste Linie kann man lauter spielen, weil man nicht auf den Gesang achten muss.“

Haneborger: „Gesang kann auch eine Begrenzung sein. Bei Pop-Songs muss man sich meistens an das Muster ,Strophe- Bridge-Refrain' und eine zeitliche Vorgabe halten.”

Persh: „Wir haben mehr Freiheiten und können mit unseren Instrumenten Spannungsbögen erzeugen, die den Gesang vermissen lassen. Dadurch, dass wir kein gesungenes Wort und kein textlich vorgegebenes Thema haben, entstehen automatisch Bilder im Kopf.”

Wie war das für Euch, die Platte aufzunehmen?

Janßen: „Intensiv. Man taucht da so tief rein, dass man nur schwer die Perspektive von außen wiederfindet. Der Aufnahmeprozess betrug zwei bis drei Monate, dann folgte noch das Mixing. Wenn ich heute mal wieder in die Platte reinhöre, fühle ich mich direkt zurückversetzt in den Prozess der Aufnahme.”

Frikke: „Ich kam dann immer mit den Deadlines. Irgendwann musste man ja mal fertig werden und sagen: das ist jetzt so gut, wie es gerade sein kann.”

Persh: „Wir waren alle froh, als das Album endlich veröffentlicht wurde. Wir wollten dann auch die Songs live präsentieren. Bei mir war das auch so, dass ich gerne an neuen Songs arbeiten wollte, um zu sehen, wohin das Ganze musikalisch noch führt.“

 

Wohin es geführt hat, kann man dann auf dem für das kommende Jahr geplante Album hören. In welche Richtung wird es dort gehen?

Janßen: „Stilistisch wird sich alleine dadurch noch mal einiges tun, da wir uns musikalisch weiterentwickelt haben.”

Persh: „Ich bin der einzige in der Band, der privat kein Post-Rock hört, sondern eher Jazz und Soul. Aber obwohl man komplett andere Musik hört, fließen doch immer kleine Spieltechniken daraus mit ein. Solche versteckten Dinge in dem Rock-Gewand bereichern den Sound von MMTH.”

Haneborger: „Jeder bringt seine Hörleidenschaft mit ins Songwriting ein. Das wird dann mal progressiver, dann wieder atmosphärischer, elektronischer oder jazziger. Das ist weder Metal, noch Pop, noch Jazz - es ist manchmal alles. Und das ist halt gut.”

Frikke: „Wir haben, außer unseren eigenen, keine weiteren Erwartungen zu erfüllen. Auch wenn es mittlerweile eine kleinere Hörerschaft gibt. Wir wollen halt unsere eigene Lieblingsmusik machen“

Momentan befinden sich MMTH auf einer kurzen Tournee mit The Clouds Will Clear, die sie durch Städte wie Berlin, Leipzig und Hamburg führen wird. MMTH sind eine Live-Band mit enormer Präsenz. Sie verlieren sich völlig in den Songs und spielen sie noch härter und druckvoller, noch mitreißender und bewegender als auf dem Album. Die Licht-Show untermalt dies nicht nur, sie ergänzt und vervollständigt diese Musik. Am Freitag, den 26. April, kann man sich davon auch in Emden einen Eindruck verschaffen. Dann treten MMTH gemeinsam mit den Bands Hypertonus und Max And The Goofies in der Alten Post auf.

Wie wichtig ist es für Euch, live aufzutreten?

Janßen: „Sehr wichtig! Das ist das wofür man das macht! Live zu spielen haut einen den Kopf frei. Wenn es dann noch den Leuten gefällt und die sich voll in der Musik verlieren, reagiert man darauf, fühlt sich bestärkt und spielt auch besser.”

Persh: „Es kommen Leute nach den Konzerten zu uns und erzählen davon, wie sie nach anfänglicher Verwunderung in die Musik eingetaucht sind und sich hingegeben haben. Sie haben letztlich nichts vermisst.“

Wie seht ihr die Zukunft der Band?

Janßen: „Wir haben schon die Ambition, unsere Musik mal über ein kleines Label zu veröffentlichen. Aber es ist halt auch eine Nischen-Musik. Es geht darum, einige Leute mit cooler Musik zu versorgen. Wir haben nichts dagegen, wenn es mal größere Konzerte werden und wir noch mehr unterwegs sind. Langfristig kann man das aber nicht planen, wir haben ja auch Familie und Jobs. Wir sind aber alle recht offen was die Zukunft angeht.“

Wir reden noch kurz über das Dickfehler Studio, in dem Janßen auch Musik für andere Bands (Max & The Goofies, Punx'n Poets) produziert. Dann verabschieden wir uns und gehen hinaus in die Stille. Man spürt die Musik noch immer.

Diese Serie wird präsentiert von: Musikhaus Ahrends 

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