Bands in Ostfriesland
Punk-Rock

Apollo Circus - Emden

Apollo Circus aus Emden haben den „Plattsounds Bandcontest” gewonnen. Jetzt planen sie ein neues Album.

Von Christian Zeiß

Emden. Recht imposant tut sich der „Fletumer Bunker” vor einem auf, während man aus dem Dunkeln des Parkplatzes zur schwach beleuchteten Eingangstür schreitet. Dumpf dringen die Klänge einer Punk-Band, die mit drei Akkorden und viel Euphorie ihr Glück versucht, durch die dicken Mauern. Wir laufen durch Proberäume, in denen es nach kaltem Rauch und Bier stinkt, in denen zwischen Rauhfaser und Wand noch die Hoffnung fremder Bands klebt. Vermietet sind sie allesamt, nur die wenigsten sind heute aber belegt. Der Raum von Apollo Circus wirkt ungleich gepflegter. Es gibt viel Platz für die Instrumente, Tourplakate hängen an der Wand, auf einem Tisch steht der Siegerpokal vom „Plattsounds Bandcontest”, den man jüngst mit dem Song „JoJoJo” gewann.

Apollo Circus aus Emden gibt es seit 2012 in wechselnden Formationen - die aktuelle Besetzung ist seit Februar 2017 komplett und besteht aus Martin Kurtenbach (Gesang), Tim Altesellmeier (Gitarre), Kai Rüst (Gitarre), Morena Barbe (Bass) und Menko Diekmann (Drums). Und das soll auch erst mal so bleiben. Apollo Circus haben bereits die EP „Enter The Circus“ (2012) und das Album „No Time To Play“ (2015) veröffentlicht, man arbeitet aber ständig an neuen Songs. Diese entstehen häufig aus Jam-Sessions, also nicht zwangsläufig direkt aus einer Songidee. Einige Stücke entwickeln sich über Monate, sie werden beiseite gelegt, mit anderen Ideen zusammengefügt, manchmal auch ganz verworfen - ein Song wie „Let The Feeling Fly“ dagegen stand fast nach nur einer Probe. Einen Konsens zu finden ist nicht immer ganz einfach. „Eine Band ist die höchste Form der Demokratie“ erklärt Martin. Man muss Kritik annehmen können von den Kollegen, lernen, Dinge nicht zu persönlich zu nehmen. Die Musik von Apollo Circus setzt sich aus allem zusammen, was die Bandmitglieder gerne hören, also aus Alternative, Punk, Rock, Pop und Psychedelic. Ihre Songs brodeln vor Energie, sind melodisch und eingängig, und münden häufig in groß erdachten Refrains. Die Texte entstammen dem Leben oder Gedanken, „manchmal müssen sie sich auch einfach nur gut anhören“, gibt Martin zu, der ständig Zeilen notiert, damit sie erhalten bleiben. Jeder in der Band darf Texte schreiben, meistens aber bleibt es an ihm hängen.

 

Der erste internationale Auftritt in Holland

 

Apollo Circus sind auch eine leidenschaftliche Live-Band. In diesem Jahr spielten sie unter anderem auf dem „Pixxen Festival”, gewannen den Bandcontest „Bunde rockt“ und hatten in den Niederlanden ihren ersten internationalen Gig. Ein Auftritt für das kommende Jahr steht bereits fest. Durch den Sieg beim „Plattsounds“-Wettbewerb ist die Band für das niedersächsische Landeshalbfinale in Hannover qualifiziert. Wie schon 2012 wollen sie wieder zahlreiche Anhänger als Unterstützung mitnehmen.

Eigene Sachen vor Publikum zu präsentieren ist etwas Besonderes. Auf der Bühne bekommt man ein direktes, ungefiltertes Feedback - in den Gesichtern der Zuschauer spiegelt sich vieles wieder. Zudem findet man als Band erst so richtig während eines gemeinsamen Auftritts zusammen. Weil man aufgeregter und konzentrierter ist als sonst, muss man sich auf die anderen verlassen können, ihnen blind vertrauen. Man merkt sofort wenn die Chemie auf der Bühne stimmt. Da hilft es natürlich, dass Apollo Circus über einen Frontmann verfügt, der nicht nur ein beeindruckender Sänger ist, sondern auch ein Publikum durchaus zu animieren weiß. Die Rock-Posen von Martin haben zum Teil mit seiner Atemtechnik zu tun, ergeben sich aber auch aus den Songs heraus. Er geht in ihnen auf und fühlt sie. „Es muss aber authentisch bleiben” weiß er - dies ist allen sehr wichtig.

Für die Bandmitglieder ist ein Leben ohne Musik nicht vorstellbar. Sie war schon immer omnipräsent, selbst im Elternhaus lief sie ständig. Heute gibt die Musik ihnen Entspannung, lässt sie Gefühle und Botschaften transportieren, und hilft auch in alltäglichen Situationen. Selber Musik machen die Fünf seit ihrer Jugend, und sie sind wirklich gut in dem, was sie tun. Aber das alleine reicht nicht aus, um für Apollo Circus zu spielen. Das Bandgefüge steht an erster Stelle, der Charakter muss passen. ApolloCircus sind heute eine eingeschworene Gemeinschaft. Es haben sich Freundschaften entwickelt und sogar eine Weihnachtsfeier ist geplant. Dies hilft enorm, denn die Musiker betreiben für ihre Band einen großen Aufwand. Schließlich wollen auch Arbeit, Familie und Freizeit unter einen Hut gebracht werden. Darum ist das vorrangige Ziel für die Zukunft auch, als Band zusammen zu bleiben. Sie wünschen es sich alle.

 

Ein Album ist mehr Arbeit, als man denkt

 

Bevor es zu nachdenklich wird, springt Kai auf und beginnt auf seiner Gitarre ein Riff zu spielen. Man spürt förmlich, wie es in den anderen arbeitet. Und so dauert es auch nicht lange, bis Menko sich an sein Schlagzeug setzt und einen Beat ausprobiert. Als der halbwegs passt stellt sich Martin an sein Mikrofon, blättert im Handy nach passenden Textfetzen und singt etwas dazu. So sind sie eben. Sie können nicht anders.

Für das kommende Jahr haben Apollo Circus die Veröffentlichung eines neuen Albums geplant - 10 Songs werden darauf enthalten sein. So ein Album ist mehr Arbeit, als man denkt. Es ist ein langwieriger Prozess, da wirklich alles besprochen werden muss. Vom Album-Namen, über die Finanzierung und das Artwork, bis hin zur Wahl der Songs. Das Ego muss da mal hintenanstehen. Wer wie wir bereits einige der neuen Stücke hören durfte, der kann sich auf das Album schon jetzt freuen. Die neuen Songs sind noch besser als die älteren, und die waren schon gut - sie klingen präziser und ausgefeilter, noch musikalischer. Auf einer CD seine eigenen Stücke zu hören, das, was man gemeinsam kreiert hat, das „ist das Größte“ für ihn, sagt Martin, und fügt direkt an: „hinter meiner Tochter“.

 

Diese Serie wird präsentiert von: Musikhaus Ahrends 

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