Bands in Ostfriesland
Rock-Pop-Punk

Apollo Circus

Zwischen Tonstudio und Bandwettbewerb: Die Emder-Rock-Band Apollo Circus hat ereignisreiche Tage hinter sich.

Von Christian Zeiß

Emden. Es ist einer dieser verdammt heißen Tage. Selbst innerhalb des „Ducklake Studios” in Hesel ist es drückend warm. Tim Altesellmeier ist zu konzentriert, als dass ihn dies gerade interessieren würde. Er sitzt auf einem Hocker, die Gitarre auf seinem Schoß, und spielt Riffs zu einem Song, der aus den Boxen dröhnt. Für mich klingt das schon ziemlich gut. Aber nicht für Daniel Holtz. Und der hat hier gerade das Sagen.

Zur besseren Einordnung: Altesellmeier spielt in der Emder Rock-Band Apollo Circus, die in diesen Wochen die Songs ihres neuen Albums aufnimmt. Holtz wiederum gehört das Studio und wirkt als Produzent an dem Album mit. Holtz macht das schon seit 'zig Jahren und hört Dinge, die andere nicht hören. Er lässt Altesellmeier den Part nochmal spielen. Und nochmal. Und nochmal. So lange, bis es sich für seine Ohren richtig anhört. Bis Melodie, Kraft und Timing eine Synergie eingehen.

Ein Album in einem professionellen Studio aufzunehmen, ist Detailarbeit. Man braucht viel Geduld. Ein Song wird hier in seine Einzelteile zerlegt und Stück für Stück zusammengebaut. Alleine die Rhythmusgitarre für einen Song einzuspielen, dauert 'zig Stunden. Die Musiker kommen mehrere Tage ins Studio, immer für einige Stunden. Menko Diekmann (Schlagzeug) und Morena Barbe (Bass) haben ihre Passagen bereits eingespielt, es folgen noch Kai Rüst (Gitarre) und Martin Kurtenbach (Gesang). Der Aufwand lohnt sich aber. „Durch die unzähligen Wiederholungen wird man zu einem besseren Musiker” erzählt Altesellmeier, „man spielt präziser und achtet mehr und bewusster auf sein Spiel.”

Holtz feilt derweil an den Sounds und schneidet Passagen. Manchmal greift er auch selber zur Gitarre und setzt sich ans Klavier. Holtz fühlt sich in die Songs hinein und wird in dieser Zeit zum sechsten Bandmitglied. Im Studio hört man Begriffe wie „Halbtöne”, „Übergänge”, „durch den Amp jagen” und „abgedockt” durch den Raum fliegen. Ich traue mich nicht, zu fragen.

Gegen Abend kommen noch die anderen Bandmitglieder vorbei, teils direkt von der Arbeit. Das nimmt man nur auf sich, wenn einem etwas wirklich wichtig ist. Gemeinsam hören sie sich das am Tage Aufgenommene an. Jeder hat eigene Ideen, das muss man erstmal unter einen Hut bekommen.

Feucht-fröhliche Fahrt nach Hannover

Auch außerhalb des Studios. Zwischendurch nehmen Apollo Circus dann nämlich noch am Halbfinale von „local heroes Niedersachsen“ teil - der Wettbewerb findet im MusikZentrum Hannover statt. Die Band hat einen Bus gemietet, um Fans und Familienmitgliedern die Reise kostengünstig zu ermöglichen. Los geht es um 11 Uhr an der Kunsthalle, die Stimmung schwankt zwischen Nervosität, Abgeklärtheit und Neugier.

Im Bus versorgt die Mutter von Kurtenbach alle mit Schnitzel, Frikadelle und Kuchen. Rüst nimmt eine Gitarre in die Hand und spielt Songs von Wolfgang Petry, Guano Apes und der Kelly-Family, einige singen mit. Etwas Alkohol ist auch an Bord, man kann die Fahrt dann als „feucht-fröhlich” bezeichnen.

Der Bus kommt nachmittags in Hannover an. Jetzt geht alles ganz schnell: Die Veranstalter erklären den weiteren Ablauf, die acht Bands stellen sich vor, eine Reihenfolge wird ausgelost, dann gehen alle zusammen in die Konzerthalle für einen Workshop. Apollo Circus spielt als fünfte Band ein 20-minütiges Konzert. Sie wirkten etwas konzentrierter als gewohnt, aber sie hat ja Martin, der sein Frontmann-Programm abzieht und die Brücke zum Publikum darstellt. Apollo Circus kann nur wenige Songs spielen, aber in diesen bringt sie das unter, was sie ausmacht: Alternative-Rock, Pop und Punk - melodisch, kraftvoll, hymnisch.

Nach dem Auftritt gibt es noch ein Feedback aus der Jury. Britta Görtz, Sängerin der Metal-Band Cripper, lobt die „körperbetonte Gitarrenmusik” der Band, vermisst aber teilweise eine Bühnenpräsenz. Als Görtz die Musiker nach ihren Träumen fragt, gehen die am Ende eines langen Tages nochmal in sich. „Wir sind jetzt da, wovon wir vor drei Jahren gesprochen haben. Wir haben nie davon geträumt, nochmal ein Album aufzunehmen,” sagt Kurtenbach sichtlich stolz. Apollo Circus kommt nicht in die nächste Runde. Die Jury findet mehr Gefallen an Freak-Folk und Radio-Pop. Das fühlt sich zunächst dann doch wie eine kleine Niederlage an. Die Suche nach Erklärungen beginnt, entsprechend gedämpft ist die Stimmung auf der Rückfahrt. Die Helden sind müde.

Bereits einige Tage später treffen sich alle im Tonstudio wieder - der Gesang von Kurtenbach wird aufgenommen. Für drei Songs braucht er etwa vier Stunden, dann war es das mit seiner Stimme. Die Stimmung ist gelöst, der Großteil geschafft. Zwischendurch singen sie absichtlich schief und albern herum. Nur Holtz hat das keiner gesagt. „Hört mir überhaupt noch jemand zu?” fragt und mahnt er zugleich, muss dann aber selber lachen.

Einer der Songs heißt „Hey You” - Stadion-Punk mit großem „Oh-oh-oh”-Chor. Sie mögen solche großen Gesten. Alle, die im Studio sind, sollen jetzt mit in die Gesangskabine. Das geht natürlich nicht gut, weil alle außerhalb der Band furchtbar schräg singen (der Autor dieser Zeilen eingenommen). Holtz räumt auf und sorgt dafür, dass der Song ganz großartig klingt.

Wenn alles im Kasten ist, wird das Aufgenommene noch überarbeitet und der Sound der Platte besprochen. Holtz macht sich dann an den Mix, das Mastering übernimmt ein externer Spezialist - das kostet nochmal extra, ist es aber wert. Ziel ist es, dass die fertigen Songs sowohl auf Musikanlagen wie auch im Auto gleichgut klingen.

Wenn alles so läuft, wie geplant, erscheint das Album im Frühjahr des kommenden Jahres. Auch ein Release-Konzert ist bereits in Planung. Wer sich so lange nicht gedulden mag, kann sich einige der neuen Songs bereits am kommenden Sonnabend anhören. Dann spielt Apollo Circus ab 21 Uhr im Grusy in Emden. Kurz vor Weihnachten wird nochmal richtig abgerockt. Dürfte ziemlich warm werden.

Kommentare
FOLGEN SIE UNS
Anzeige

DER EZ-PODCAST

TIPPSPIEL-ANMELDUNG

KONTAKT ZU UNS

Sie ziehen um oder es gibt Probleme bei der Zustellung? Dann finden Sie Hilfe in unserem Servicebereich

Zum Servicebereich

Sie möchten direkten Kontakt zu einer Abteilung aufnehmen oder haben Anregungen? Dann finden Sie im Kontaktbereich die passende Adresse

Zum Kontaktbereich

AM SEEHAFEN