Ostfriesland
Corona-Krise

Kliniken: Einnahmeverluste und gestiegene Materialkosten

Die Corona-Krise beeinflusst auch die Finanzen der ostfriesischen Krankenhäuser. Ob die bundesweite Ersatzleistung von 560 Euro für jedes im Vergleich zum Vorjahr nicht belegte Bett ausreicht, ist noch unklar. Die Planungen zur Zentralklinik kommen unterdessen planmäßig voran.

Aurich. Operationen werden verlegt, Betten müssen freigehalten werden und der Bedarf an Schutzmasken und Co steigt: Die Corona-Krise kann für Kliniken auch finanziell gefährlich werden. Wie genau sich die aktuelle Situation auf das Jahr über auswirkt, ist aber noch nicht abzusehen. Das machte Dr. Astrid Gesang, Medizinische Geschäftsführerin, bei einer Sitzung im Seminarhotel am Donnerstag deutlich. Unter Wahrung von Abstands- und Hygienemaßnahmen informierte sie die Mitglieder von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung über die aktuellen Entwicklungen.

Gesang stellte heraus, dass der Organisations- und Koordinierungsaufwand zur Einhaltung aller Hygienemaßnahmen für die drei Standorte Aurich, Emden und Norden sehr hoch sei. Inwieweit die bundesweit geltende Ersatzleistung von 560 Euro für jedes im Vergleich zum Vorjahr nicht belegte Bett im Rahmen der Corona-Krise ausreiche, um die Einnahmeverluste von mehreren Millionen Euro und die deutlich gestiegenen Materialkosten auszugleichen, sei derzeit für eine Jahreshochrechnung noch nicht seriös zu beurteilen. Insgesamt gelte es, so Dr. Gesang, in den Kliniken immer wieder auf die neuen Verordnungen und Richtlinien zu reagieren. „Wir haben die Corona-Krise keinesfalls überwunden. Wir müssen die Entwicklungen, die sich aus den Lockerungen ergeben, genau beobachten und immer wieder zu neuen Entscheidungen im Krisenstab kommen. Das erfordert eine hohe Flexibilität und sehr viel Disziplin. Unsere Mitarbeiter setzen das alles hervorragend und mit sehr großem Engagement um“, lobte Claus Eppmann, Sprecher der Geschäftsführung, die Klinikteams. Landrat Olaf Meinen, der turnusgemäß im April den Vorsitz im Aufsichtsrat der Trägergesellschaft von Oberbürgermeister Tim Kruithoff übernommen hat, bedankte sich im Namen des Gremiums bei allen Klinikmitarbeitern für deren Einsatz.

In diesem Zusammenhang wies die Geschäftsführung auch darauf hin, dass angesichts der aktuellen Lage eine Rückkehr zu einer normalen Nutzung der Kinderklinik des Klinikums Emden derzeit nicht möglich sei. Die Krankenhäuser seien angehalten, Kapazitäten für Corona-Patienten frei zu halten. Darüber hinaus muss gewährleistet sein, dass eine Sicherheitsreserve von weiteren 20 Prozent der Belegungskapazität innerhalb von 72 Stunden für Corona-Behandlungen zur Verfügung steht. Außerdem wurde eine Schleusenstation für alle Patienten eingerichtet, bei denen das für die Weiterbehandlung notwendige negative Abstrichergebnis der Corona-Testung noch nicht vorliegt. Darum werden die Räumlichkeiten der Kinderklinik zur Bewältigung der Corona-Krise dringend benötigt, über das MVZ sowie die Kindernotfallambulanz der UEK in Aurich sei die Versorgung der Kinder gesichert und gut geregelt.

Grundsätzlich werde der Aufsichtsrat über die Zukunft einzelner Abteilungen an den drei Standorten im Sommer entscheiden. Dann wird die Geschäftsführung verschiedene Vorschläge zur Entwicklung der Standorte vorlegen. Die Bearbeitung dieser Standortentwicklungsperspektiven habe sich durch die Corona-Krise leider verzögert, so Dr. Gesang. Das Perspektivteam, das mit dieser Aufgabe betraut sei, lege sein Hauptaugenmerk auf die Bewältigung der Corona-Krise und sei dort stark eingebunden.

Im Zeitplan sind die Planungen für die Zentralklinik. Die erste Phase des Architektenwettbewerbs ist abgeschlossen. Wie die Trägerschaft der Kliniken mitteilte, haben sich 30 Architekturbüros um die Teilnahme am Wettbewerb beworben. Dazu gehörten viele im Krankenhausbau bekannte Planer, auch aus dem europäischen Ausland. So bewarben sich Spanier, Dänen, Niederländer und Österreicher mit ihren Referenzen.

Nach zuvor festgelegten Qualitätskriterien wurden durch die Trägergesellschaft gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesamt für Bau und Liegenschaften (NLBL) 16 Büros ausgewählt. Noch im Mai erfolgt mit der Auslobung der konkreten Aufgabenstellung die zweite Phase des Architekturwettbewerbs. Zu diesem Zeitpunkt sollen auch die Grundstücksverhandlungen abgeschlossen sein und die bis jetzt erfolgten Planungsschritte den Gremien und der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs und damit auch erstmals konkrete Entwürfe und Bilder des neuen Klinikums sollen dann Ende des Jahres vorliegen.

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