Ostfriesland

Auricher Klinik selbstverschuldet in den Miesen

Gutachten deckt zahlreiche Mängel auf. Sie hätten jedoch behoben werden können. Klinikum hätte Potenzial.

Selbstverschuldet in den Miesen: Das sagt das Gutachten des Düsseldorfer Büros Bredehorst. Foto: Hippen
Selbstverschuldet in den Miesen: Das sagt das Gutachten des Düsseldorfer Büros Bredehorst. Foto: Hippen

Aurich/Emden. Das Gutachten des Düsseldorfer Büros Bredehorst hat im Klinikum Aurich und Norden zahlreiche organisatorische Mängel aufgedeckt.

Die Mängel hätten über Jahre dafür gesorgt, so die Gutachter, dass die beiden Kliniken weniger Geld einnehmen als möglich und mehr ausgeben als nötig. Das sogenannte „Bredehorst-Gutachten” wird seit zwei Jahren von der Auricher Kreisverwaltung unter Verschluss gehalten. Erstmals liegt es jetzt der Redaktion der Emder Zeitung vor.

Schon beim ersten Lesen wird klar, warum die Politik es lieber ganz schnell in der Schublade verschwinden ließ. Es dokumentiert in allen Einzelheiten, wie die Klinik mit ihren zwei Standorten täglich ihr zustehendes Geld nicht einnimmt, Patienten vergrault durch unkoordinierte Abläufe, wie sie zu teuer einkauft, wie sie vergisst, Behandlungen zu dokumentieren, wie sie teure Ärzte vorhält, die nur selten operieren, wie sie an beiden Standorten vieles anbietet - sich aber nirgendwo wirklich spezialisiert. Das Bredehorst-Gutachten ist der Beleg dafür, wie sich ein Krankenhaus selbst in die Miese treiben kann - und dafür noch nicht einmal die - oft zu Recht kritisierte - Gesundheitspolitik des Bundes benötigt.

Eine ähnlich ungeschminkte Analyse von externen Fachleuten gibt es für die Emder Klinik nicht. Wenn man das Bredehorst-Gutachten aufmerksam gelesen hat, ist auch klar, warum: Diese Wahrheiten sind unangenehm.

Der Autor der Studie, Dr. Kay Bredehorst, bescheinigt dem Klinikum allerdings auch viel Potenzial. Bereits 2013 zeigte er den Weg auf, wie die Klinik innerhalb von nur zwei Jahren - also bis 2015 - in die schwarzen Zahlen kommen könnte. Sein Rezept: Nicht an jedem Standort alles anbieten, unrentable Abteilungen schließen, den Einkauf besser organisieren, das Gesundheitssystem besser ausnutzen - beispielsweise bei der Abrechnung von kurzen Klinikaufenthalten - und besser wirtschaften und Leistungen dokumentieren.

Vor allem in diesem Punkt, also wenn es darum geht, erbrachte ärztliche oder pflegerische Leistungen auch abzurechnen, wird Bredehorst sehr deutlich: Der Verlauf der Visite wird „nicht täglich dokumentiert”, Entlassbriefe stellen nicht immer korrekt den Aufwand dar, die Akten der Ärzte enthalten nur „teilweise den Behandlungsbedarf (...) wider”, Gespräche mit den behandelnden Ärzten müssten „mehrfach täglich” geführt werden, Mitarbeiter hätten „teilweise Schwierigkeiten”, Diagnosen zu erkennen und zur Abrechnung zu bringen.

Der Gutachter untermauert seine Aussagen mit Beispielen: So wurde in einem Fall Krankengymnastik verschrieben, aber nicht abgerechnet. In einem anderen Fall erlitt ein Patient nach einer Operation einen Schock. Dieser wurde behandelt - aber die Kosten für die Behandlung nicht abgerechnet.

Nur auf den ersten Blick lustig sind Details, die den Ruf der Klinik bei niedergelassenen Ärzten wie Patienten ruinieren können. Die Gutachter zitieren aus einem Entlassungs-Brief: „...stationäre Aufnahme erfolgte wegen plotzliche Schmerzen bei re. Unterbauch und linke seite thorakale schmerzen. Die Pat. hat das aufgetreten während Laufen und bei uns auf der ZNA beschwerdefrei.”

Ebenfalls schlecht für den guten Ruf: „Entlassungen mit Harnwegsinfekten, Dekubitus [Wundliegen, Anm. d. Red.] und Pneumonie [Lungenentzündung, Anm. d. Red.] als beschwerdefrei und therapiert.” Auf gut deutsch: Patienten wurden nach Recherchen der Gutachter mitunter noch nicht ganz gesundet entlassen.

Den Politikern gibt Bredehorst einen Handlungsplan an die Hand. Wer muss was machen, um die Klinik in die Gewinnzone zu führen? Und Bredehorst hat eine Abteilungsstruktur entworfen, die sowohl Aurich als auch Norden Spezialisierungen zuweist.

Das Bredehorst-Gutachten macht deutlich: Vieles lag im Argen im Jahr 2013, doch fast alles lässt sich heilen, besser organisieren. Und es könnten viel mehr Patienten kommen, wenn sich die Klinik auf bestimmte Krankheitsbilder spezialisieren würde. ⋌

(Quelle aller Zitate und Beispiele: Bredehorst-Gutachten aus dem Jahr 2013).

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