Weniger Pilze und Pilzvergiftungen im Norden

In diesem Herbst gibt es so wenige Pilze wie in den vergangenen Jahren nicht. Das Gute: Dadurch bleibt vielen Menschen eine Pilzvergiftung erspart.

Auf keinen Fall essen! Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) wurde von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres 2019 gekürst. Der Verzehr des Pilzes kann die Leber schädigen und sogar tödlich enden. Foto: dpa

Hamburg. Aufgrund des trockenen Sommers gibt es in diesem Jahr nur wenige Pilze und somit auch nicht so viele Pilzvergiftungen wie in den vergangenen Jahren. Bis Ende September seien nur an die 100 Notrufe mit Verdacht auf Pilzvergiftungen eingegangen, wie Andreas Schaper vom Giftinformationszentrum Nord (GIZ-Nord) mitteilte. Das GIZ-Nord mit Sitz in Göttingen ist zuständig für Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

2017 hätte die Lage ganz anders ausgesehen. Dort habe es allein im Monat Juli mehr als 130 Anfragen gegeben. „Viele Pilze, viele Pilzvergiftungen“ habe es da geheißen, so Gift-Experte Schaper. Dieser Spruch gelte dieses Jahr nicht. Grund dafür sei der sehr trockene Sommer, sagte Peter Karasch, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. „Am liebsten mögen Pilze eine langanhaltende Bodenfeuchtigkeit. Die gab es in den vergangenen Monaten nicht.“

Während in Süddeutschland seit einigen Wochen gute Bedingungen herrschen, gibt es Karasch zufolge auch im Norden noch Hoffnung für die Pilze. Wenn es über einen längeren Zeitraum mehr als 40 Liter Regen pro Quadratmeter und ausreichend Taubildung am Morgen gebe, würden auch im Hamburger Raum und in Schleswig-Holstein noch mehr Pilze anfangen zu sprießen. Dann könnten Pilzsammler noch bis November im Wald ihre Körbe füllen.

Dabei ist jedoch Vorsicht geboten. Jeden Tag wenden sich viele Menschen mit Anfragen zu Pilzvergiftungen an den 24-Stunden-Service des GIZ-Nord. Als Symptome schildern Betroffene dann oft Magendarmprobleme wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. „Man sollte nur Pilze sammeln und essen, die hundertprozentig als ungiftig bekannt sind“, warnte Schaper. Besonders gefährlich sei der Grüne Knollenblätterpilz, der schnell mit anderen Pilz-Arten wie Täublingen oder Champignons verwechselt werde. Er enthalte das Gift Amatoxin, das zu schweren Leberschäden und im schlimmsten Fall zum Tod führen kann.

Im Gegensatz zu anderen giftigen Pilzen, bei denen die Symptome relativ schnell nach Verzehr auftreten, mache sich der Verzehr eines Knollenblätterpilzes erst sechs bis zwölf Stunden später bemerkbar, so Schaper weiter. Bei Verdacht auf eine Vergiftung müssten Betroffene sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Dort erhalten sie dann ein Gegengift.

Schon der Verzehr von 50 Gramm des giftigen Pilzes kann laut der Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) lebenbedrohlich werden. „Über 90 Prozent der schwer bis tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen

sind auf den Grünen Knollenblätterpilz zurückzuführen“, erklärt Experte Karasch. Um in der Bevölkerung vermehrt auf den Giftpilz aufmerksam zu machen, habe die DGfM den Grünen Knollenblätterpilz erst kürzlich zum Pilz des Jahres 2019 ernannt.

03.10.2018, 00:01 Uhr