Meyer-Werft beweist Humor und schenkt Mann neue Schuhe

Das Unternehmen aus Papenburg reagierte pfiffig auf einen schlagfertigen Westfalen, der in einer Fernseh-Show zu Gast war. Von Jörg Homering

Das sind die Dinger: "Elbkähne" in Größe 53, importiert aus den USA, geschickt von der Meyer-Werft für Michael Essing. EZ-Bild: Homering

Neuenkirchen/Papenburg. In der Meyer-Werft in Papenburg sitzen Leute mit Humor. Die haben Michael Essing einfach so ein paar Turnschuhe geschickt, sauteure „Chucks“. Weil er im Fernsehen war und dort etwas gewonnen hat. Und weil er Schuhgröße 53 hat und seine Schuhe daher als „Elbkähne“ bezeichnet. Verstehen Sie nicht? Na, dann von vorne:

Michael Essing hat schon so manche ungewöhnliche Aktion gestartet. Mal hat er versucht, mit dem Fahrrad die Welt zu umrunden, mal ist er barfuß quer durch Deutschland gewandert – wofür er im Guinness-Buch der Rekorde gelandet ist. Anfang August war Essing – mit über zwei Metern Körperlänge ziemlich großer Neuenkirchener – zu Gast in der SAT1-Show „Deal or no Deal“ mit dem – ziemlich klein gewachsenen – Moderator Wayne Carpendale. 15 500 Euro hat Michael Essing dort gewonnen.

Bis es so weit war, machte der Moderator immer wieder Scherze über die Körperlänge seines Gastes – und über dessen großen Füße, die in Schuhen der Größe 53 stecken. „Wo bekommt man eigentlich so große Schuhe?“, fragte Moderator Carpendale. Michael Essing antwortete schlagfertig, seine „Elbkähne“ müssten langwierig und kostspielig in der emsländischen Meyer-Werft hergestellt werden; daher müsse er immer recht lange auf neue Schuhe warten. Lachen, Applaus, das war’s.

Nein, das war’s noch nicht: Drei Wochen später steht der Postbote vor Michael Essings Tür in Neuenkirchen (bei Rheine), in der Hand einen Schuhkarton. Dabei ein Brief:

„Betreff: Klassische Elbkähne im amerikanischen Design

Sehr geehrter Herr Essing,

anlässlich Ihres erfolgreichen Auftritts in der Fernsehsendung „Deal or no Deal“ möchten wir Sie auf das Allerherzlichste beglückwünschen. Bezugnehmend auf Ihre Kritik an Preisniveau und Lieferzeit unserer traditionsreichen Werft, beehren wir uns, Ihnen hiermit ergebenst zur Kenntnis zu bringen, dass wir uns zugunsten des Baus von Hochsee-Schiffen aus dem Marktsegment der Fluss-Schifffahrt vollständig zurückgezogen haben.

Mit größtem Bedauern sehen wir uns daher auch zukünftig nicht in der Lage, Sie aus eigener Fertigung mit „Elbkähnen“ ausstatten zu können, die für Ihre außergewöhnlichen anatomischen Bedürfnisse dimensioniert sind. Es hat uns erschüttert zu erfahren, dass Sie möglicherweise durch unsere Versäumnisse zwischenzeitlich sogar zum Barfußlaufen gezwungen gewesen sind.

Trotz umgehend eingeleiteter Maßnahmen um eine Ersatzlösung, hat die Beschaffung in Übersee fast drei weitere Wochen in Anspruch genommen. Selbstkritisch anerkennen wir diesbezügliches Verbesserungspotenzial.

Unter Würdigung der Ihnen widerfahrenen Unannehmlichkeiten ersucht Sie die Meyer-Werft, mit Übersendung der klassischen „Chuck Tylor All Stars“ aus Segeltuch in marineblauer Hausfarbe angemessen zu entschädigen.

Mit vorzüglicher Hochachtung Arno Nymus“

Da war Michael Essing platt, als er – mit den riesigen Chucks in Größe 53 in der Hand – den Brief las. „Ich finde, dass ist eine sehr aufmerksame und lustige Geste von der Meyer-Werft“, meint er. Kann man wohl sagen...

01.09.2015, 05:00 Uhr