Bessere Anbindung an die Niederlande bleibt Lippenbekenntnis

Für einen Neubau der kaputten Friesenbrücke bei Weener, über die der Zug ins Nachbarland fährt, bekommen die Deutschen das Geld nicht zusammen.

Die zerstörte Friesenbrücke bei Weener - wie geht es weiter mit der einzigen Bahnverbindung von Ostfriesland nach Groningen? Foto: Lars Klemmer

Weener. Mit dem Tauziehen um den Neubau der Friesenbrücke dauert auch das Ringen um eine bessere Bahnverbindung zwischen dem niederländischen Groningen und Bremen an. Trotz fehlender Unterstützung aus Berlin will Niedersachsen die zerstörte Bahnbrücke über die Ems nicht bloß reparieren, sondern durch einen leistungsfähigeren Neubau ersetzten. Bei Beratungen im Verkehrsministerium in Hannover am Montagabend wollte das Land weiter nach Möglichkeiten suchen, die noch fehlenden 15 Millionen Euro zu mobilisieren, die ein Neubau mehr kostet als eine Reparatur. Ein Schiff hatte die Brücke vor mehr als einem Jahr gerammt und zerstört.

Was ist der Nutzen eines Brückenneubaus?

Zur Überführung neu gebauter Kreuzfahrtschiffe der Papenburger Meyer-Werft, auch aber zur Anlieferung von Bauteilen von Emden nach Papenburg muss die Friesenbrücke etwa 50 Tage pro Jahr gesperrt werden. Bei einem Brückenneubau wäre der Bahnverkehr nicht mehr beeinträchtigt.

Wer trägt die Reparaturkosten? Und wer würde die Mehrkosten für einen Neubau schultern?

Die Versicherung des Schiffes, das die Brücke zerstört hat, deckt lediglich vier Millionen Euro. Die fehlenden 26 Millionen für eine Reparatur übernimmt die Deutsche Bahn, lässt sich das Geld aber vom Land Niedersachsen vorstrecken. Ein Neubau kostet 15 Millionen Euro mehr, davon will Niedersachsen 5 Millionen übernehmen. Die Werft will eine Million Euro zuschießen, aus förderrechtlichen Gründen ist eine Beteiligung der Werft wohl aber nur möglich, wenn sie die gesamten 15 Millionen Euro übernimmt.

Weshalb trägt der für die Eisenbahninfrastruktur zuständige Bund nicht die Kosten für einen zeitgemäßen Wiederaufbau der Brücke?

Der Bund ist verpflichtet, die Ausgabe zusätzlicher Millionensummen wirtschaftlich zu rechtfertigen. Auf der bloß von einer stündlich pendelnden Regionalbahn genutzten Strecke über die Friesenbrücke ergeben sich mit einem Brückenneubau keine Zusatzeinnahmen.

Aber was ist mit dem Güterverkehr?

Seit einigen Jahren gibt es keinen Güterverkehr mehr auf der Verbindung, zuletzt pendelte ein einzelner Müllzug zwischen Groningen und Bremen. Eine kürzlich vorgelegte Studie hat ergeben, dass Investitionen in die Strecke für mehr Güterverkehr sich nicht lohnen.

Was ist mit den Niederländern?

Ein Staatsvertrag mit den Niederlanden aus dem Jahr 1957 verpflichtet Deutschland, die Friesenbrücke nicht nur zu unterhalten, sondern auch zu erneuern. Ob dies im konkreten Fall die Finanzierung eines Neubaus beinhaltet, wird Auslegungssache sein. Die Niederlande pochen seit langem auf eine Aufwertung der Bahnverbindung Groningen-Bremen und den Einsatz schneller Züge von Amsterdam oder Groningen bis Bremen oder Hamburg. Das Nachbarland hat Millionensummen für eine zweigleisige Elektrifizierung der Strecke bis zur Grenze reserviert. An dem diskutierten Neubau wollen die Niederlande sich nicht beteiligen, da es sich lediglich um eine eingleisige Brücke handelt.

Kann Bremen keinen Zuschuss geben?

Bei einem Treffen mit dem Groninger Bürgermeister Peter den Oudsten am 18. November 2016 hat Bremens Regierungschef Carsten Sieling (SPD) zwar die Bedeutung einer besseren Bahnverbindung betont. Geld will Bremen dafür aber nicht in die Hand nehmen.

Geht es mit der Brücke trotz des Tauziehens ums Geld weiter?

Um weiteren Zeitverzug zu verhindern, setzt die Deutsche Bahn die Planung für eine Reparatur der Brücke ungeachtet der anhaltenden Diskussion um einen Neubau fort.

Gibt es noch Aussicht auf einen besseren Bahnanschluss nach Holland?

Im Moment kaum. Auch wenn die Niederlande Druck machen, ist eine Aufwertung der Verbindung in Deutschland kein Thema. Bei der laufenden Neuausschreibung des Verkehrs bleibt es bei einem stündlichen Regionalzug Groningen-Leer. Dennoch haben beide Länder Ende Januar einen Lenkungsausschuss gegründet, der über Verbesserungen auf der sogenannten Wunderlinie berät.

20.03.2017, 12:40 Uhr