Landkreis Wittmund
70 Arten in einer Untersuchungsnacht

Seltene Schmetterlinge im Naturschutzgebiet „ Ewiges Meer“

Ein Experte hat mit einer Bestandsaufnahme begonnen und rare Arten entdeckt.

Eversmeer. Die Inventarisierung der Schmetterlingsfauna im Naturschutzgebiet „Ewiges Meer“ hat begonnen und gleich zu Beginn mehrere vom Aussterben bedrohte Arten hervorgebracht. Das teilte der Nabu Ostfriesland mit. Die Bestandserfassung soll eine verbesserte Planungsgrundlage für den Managementplan des Gebietes liefern. Der Oldenburger Schmetterlingsexperte Carsten Heinecke wurde durch die Ökologische Nabu-Station Ostfriesland (ÖNSOF) mit der Kartierung beauftragt. Gefördert wird die Untersuchung durch die Landkreise Aurich und Wittmund.

In der besonders warmen Nacht von Donnerstag auf Freitag in der vergangenen Woche hatten die Schmetterlingsforscher erstmals in diesem Jahr beesonders günstige Bedingungen, um Nachtschmetterlinge zu untersuchen. Nachdem bei gezielten Nachsuchen durch Heinecke bereits im April mit dem Graslins Sackträger eine erste sehr seltene Art nachgewiesen werden konnte, kamen nun in der warmen Nacht zahlreiche weitere erstmals für das Naturschutzgebiet nachgewiesene Arten hinzu. Dabei machte sich der Biologe die Eigenart der Nachtschmetterlinge zunutze, dass Motten gerne zum Licht fliegen. „Kurzwelliges Licht lockt die meisten Nachtschmetterlingsarten an und ermöglicht die Untersuchung dieser tagsüber überwiegend im Verborgenen lebenden Artengruppe“, erläuterte Heinecke.

Ergebnis allein dieser einen Untersuchungsnacht waren die Nachweise von 70 Schmetterlingsarten. Ungewöhnlich viele, wie Heinecke bemerkte. Die dabei mit 25 Individuen ebenfalls gefundene Heidemoor-Rindeneule sowie die Raupe der Kupferglucke sind zusammen mit dem Graslins Sackträger für Hochmoore sehr charakteristische Schmetterlingsarten. „Ich bin begeistert: Alle drei Arten wurden in den letzten Jahrzehnten nur ganz selten gefunden“, freute sich Heinecke weiter. Sie stünden daher ganz oben auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten und gelten aufgrund der Seltenheit ihrer Lebensräume in Niedersachsen als „vom Aussterben bedroht“ (Rote Liste 1).

„Die Kenntnis der Besonderheiten in der Tier- und Pflanzenwelt des Naturschutzgebietes soll helfen, ungewollte Fehler bei der künftigen Pflege- und Entwicklung zu vermeiden“ erklärte Michael Steven, Leiter der ÖNSOF und Initiator der Untersuchungen. Für die Optimierung von Schutzgebieten mit Hochmooren seien Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushaltes und zur Zurückdrängung der Gehölzentwicklung typische Maßnahmen.

Doch unbedacht oder aus Unkenntnis ausgeführt könnten die Populationen besonders gefährdeter Tier- und Pflanzenarten auch ungewollt schweren Schaden nehmen, so Steven. Schmetterlinge seien daher hervorragende Indikatoren dafür, die für die Biodiversität herausragend wichtigen Teillebensräume im Gebiet zu erkennen. „Die ersten Ergebnisse zeigen, dass unsere Sorge nicht unbegründet war und die Managementplanung mit viel Fingerspitzengefühl und Sensibilität agieren muss.“

Anwohner und Besucher des Naturschutzgebietes bittet die ÖNSOF um Verständnis, wenn spät abends oder in der Nacht Aktivitäten stattfinden müssen. Sorgen müsse man sich auch nicht machen, wenn nachts irrlichtergleich Lichtquellen im Moor festgestellt würden, betonte Steven, „Das sind dann nur die von den Insektenkundlern zur Anlockung der Schmetterlinge aufgestellten Leuchten.“

Bei Fragen ist die ÖNSOF unter Telefon 049 42 20 438 04 oder per E-Mail an michael.steven@NABU-Station-Ostfriesland.de erreichbar.

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