Landkreis Wittmund
Fußball-Nachwuchs

Ostfriese hofft auf Durchbruch bei Werder

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Wie schon sein Vater André durchläuft Lasse Rosenboom aus Willmsfeld die Jugend-Bundesligamannschaften des Bremer Fußball-Erstligisten.

Von Henning Wieting

Willmsfeld/Bremen. Der Traum vom Fußball-Profi – Lasse Rosenboom aus Willmsfeld träumt ihn nicht nur weiter. Der 17-Jährige lebt ihn auch schon ein bisschen. Bei Werder Bremen. Denn im „Wilhelm-Scharnow-Internat“ für heranwachsende Fußball-Talente des Fußball-Bundesligisten darf er sozusagen in die nächste Saison gehen – mit Einzelzimmer. Der angehende Abiturient hat die nächste Stufe auf der Karriereleiter im durchgestylten Bundesliga-Zirkus erreicht. Lasse Rosenboom tritt vom U-17-Kader des vierfachen Deutschen Meisters in die U-19-Leistungsriege über. Mit anderen Worten: Der junge Ostfriese ist einer von 22 hochveranlagten Fußballern, die in einem Jugendkader des Bundesligisten mitkicken dürfen. Allerdings zählt er als 2002 Geborener in dieser Saison zum jüngeren Jahrgang. „Da muss er sich besonders durchbeißen“, erklärt Lasses Vater André Rosenboom. Und der weiß, wovon er spricht. Denn in jüngeren Jahren durfte er selbst schon in Werders Talent-Schmiede Station machen. Den Durchbruch ganz nach oben schaffte er damals nicht. Aus seinem Jahrgang ist der heute 49 Jahre alte Andree Wiedener wohl der Bekannteste. Doch Wiedener spielte bis zu seinem 23 Lebensjahr unter Otto Rehhagel auch noch parallel bei den Werder-Amateuren.

Am vergangenen Wochenende verließ Lasse Rosenboom seine im Landkreis Wittmund lebenden Eltern Katrin und André Rosenboom sowie seinen zwei Jahre älteren ebenfalls fußballerisch hochtalentierten Bruder Finn, um sich nach kurzer Erholungsphase wieder ganz seiner Leidenschaft Fußball hinzugeben. Es geht also wieder los. Werders U-19-Trainer Marco Grote bat zum ersten Training für die Saison 2019/2020. In Schwäbisch-Hall steht dann vom 19. bis 21. Juli der Bundesliga-Cup an, das erste Aufbau-Turnier. Das Gute für Lasse ist, dass momentan Ferien sind. Neben dem Fußball steht also bis Mitte August Freizeit an. Um Titel geht es den Machern an der Weser um Jugendkoordinator Thomas Schaaf aber nicht. „Die Entwicklung eines jeden Spielers steht im Vordergrund“, erklärt der Internatsschüler. Gleichzeitig legt der Fußball-Bundesligist aber auch großen Wert darauf, dass die jungen Menschen auch schulisch einen bestmöglichen Werdegang hinlegen. Hier besucht der Defensivspieler das Gymnasium „Links der Weser“ in Obervieland, das schon seit Jahrzehnten Werder-Partner ist. Und nicht nur das. Seit 2008 nennt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Bildungsstätte „Eliteschule des Fußballs“.

„Am Anfang war es eine krasse Umstellung”

Der 17-Jährige zeigt sich auf Urlaub im heimischen Ostfriesland tiefenentspannt. „Am Anfang war es für mich eine krasse Umstellung so weit von zu Hause und den Freunden weg.“ Da war er 15. Mittlerweile ist sein Tagesablauf, der sich – auch mangels weiterer Hobbys - permanent um Fußball dreht, Routine. Das bedeutet bis zum Abitur: Schule, Training, Schlafen. Aber was gibt es Schöneres für einen Werder-Fan, in einem großräumigen möblierten Zimmer in der Ostkurve des Weser-Stadions leben zu dürfen? Mit Blick aus Zimmer 519 auf die Trainingsplätze. In diesem Zusammenhang bekommt der neue Stadion-Name der Spielstätte eine lustige Dimension für den 17-Jährigen: „Wohninvest-Weserstadion“. Denn letztlich investiert der Fußball-Bundesligist in Lasse Rosenboom in der Hoffnung, dass sich der Invest in Form eines neuen Bundesligaspielers rentiert. Lasse, wie auch die übrigen Jungspieler im Wohnblock Ostkurve, bekommen alles gestellt: Zimmer, Ausrüstung und Verpflegung. „Wir haben unsere eigenen Köche, die schon darauf achten, dass wir Gesundes zu essen bekommen.“ Ein Beispiel: „Es wird bei Brot zum Beispiel Dinkel genommen, kein Weizen.“ Auf Nationalitäten und Religion wird geachtet, ergänzt der Ostfriese: „Muslime bekommen natürlich kein Schweinefleisch.“ Viele Nationalitäten sind in einem Bundesliga-Nachwuchskader vertreten. Osteuropäer, Südeuropäer und auch Südamerikaner mit ihrem ganz besonderen Zeitgefühl für Pünktlichkeit. Organisiert wird auch die Kommunikation. „Wir haben keine WhatsApp-Gruppe, sondern eine eigene U-19-App, die nicht gehackt werden kann.“

Lasse Rosenboom spielt mit 1,90 Metern Körpergröße und einem Gewicht von 80 Kilogramm entweder in der Innenverteidigung oder er belegt als Verteidiger die rechte Außenbahn. Werders U-19 spielt wie die U-17 in der Fußball-Bundesliga Nord/Nordost gegen den Bundesliga-Nachwuchs des Hamburger SV, VfL Wolfsburg, RB Leipzig, um nur einige zu nennen. 1520 Spielminuten hat er in der vergangenen Spielzeit für Werder in 19 Spielen auf dem Platz gestanden. Da kam auch der Bundestrainer Michael Feichtenbeiner nicht an ihm vorbei. „Ein Höhepunkt meiner Karriere ist natürlich die Europameisterschaft in Irland gewesen“, sagt Lasse. Die war im Mai. Deutschland hatte aber für dieses Turnier nicht das sonst sprichwörtliche Losglück, sondern landete mit den Top-Favoriten Italien und Spanien in einer Gruppe. Die Spiele gingen mit 1:3 und 0:1 verloren, sodass das 3:1 im letzten Gruppenspiel gegen Österreich bedeutungslos war. Aber egal, er war dabei. Mit Kontaktlinsen, denn wegen seiner Weitsichtigkeit trägt er sie während des Spiels und im Training, sonst eine normale Brille. Am 26. März letzten Jahres debütierte der Ostfriese für die deutsche U-16-Nationalmannschaft mit einem 1:1 gegen Italien und spielte die vollen 80 Minuten durch. Nicht nur für ihn ein Gänsehautmoment, sondern auch für die gesamte Familie im Ulmer Donaustadion.

„Ich mache mein Ding”

Ob es für Lasse, der Maximilian Eggestein und Theo Gebre Selassie als Lieblingsspieler bei Werder nennt, am Ende für einen Bundesliga-Kader welchen Vereins auch immer reichen wird, darüber macht er sich keine großen Gedanken: „Ich mache mein Ding und hoffe, von Verletzungen weitestgehend verschont zu bleiben.“ Bislang hielten ihn nur vergleichsweise harmlose Muskelfaserrisse oder ein Kapselriss ein paar Wochen auf.

„Ich habe es mal ausgerechnet“, sagt sein Vater: „5570 Spieler gibt es im Jahrgang – und nur 70 kommen durch.“ Für einen verschwindet geringen Prozentsatz wird also Fußball – als schönste Nebensache der Welt gern apostrophiert – zur Hauptsache.

Das ist die Statistik. Lasse hat aber auch einen Plan B: „Ich könnte mir etwas im Bereich Sportmanagement vorstellen.“ Damit er sich im Werder-Sinne weiterentwickelt, ist der Auftrag klar: „Ich muss mich noch im technischen Bereich verbessern, da fehlt noch einiges.“ Und es wäre auch schon, wenn der 17-Jährige noch an seinem schwächeren Fuß arbeitet. Es ist der linke.

Als Motivation gibt es auf den Gängen im Werder-Internat eine Bordüre mit sämtlichen Fußballern, die es durch die Werder-Schule in den bezahlten Fußball geschafft haben. Der Name des Aurichers Frank Löning steht dort beispielsweise oder auch der des Wittmunders Timo Schulz. Doch auch heute schon wird er auf der Straße erkannt, gesteht Lasse Rosenboom. Das bringt die Publicity mit sich. Und auch der bekannte Spielerberater Jürgen Milewski, der beispielsweise auch den Neu-Münchner Jan-Fiete Arp betreut, hat das Talent des jungen Ostfriesen erkannt. „Ich stehe jetzt bei ihm unter Vertrag“, sagt der Willmsfelder. Das Feld ist also bereitet. Jetzt fehlt nur das Glück im Fußball-Spiel - das für die meisten nur die schönste Nebensache der Welt ist.

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