Landkreis Wittmund
Aus dem Gericht

Gute Prognose bewahrt vor Haft

Ein Waffen-Kauf im Darknet stand erneut vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft scheitert mit der Berufung.

Von Martina Ricken

Wittmund. Ein vielfach vorbestrafter Wittmunder hatte im April 2017 versucht, über das Darknet zwei halbautomatische Kurzwaffen, sprich scharfe Pistolen, zu kaufen. Die Staatsanwaltschaft Aurich war nicht damit einverstanden, dass der 40-Jährige für diese Tat mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr davon kam und legte gegen das Urteil des Amtsgerichts Wittmund Berufung ein. Erfolg war der Staatsanwaltschaft nicht beschieden.

Über die dunkle und nur schwer zugängliche Seite des Internets baute der Angeklagte Kontakt zu einem angeblichen Waffenhändler auf. Der Wittmunder wollte eine Glock und eine Sig Sauer kaufen. An letzterer Waffe verlor er letztendlich das Interesse, aber für die Glock, die 2000 Euro kosten sollte, zahlte er 1000 Euro an.

Kein Waffenhändler, sondern ein Ermittler

Was der Angeklagte nicht wusste: Auf der anderen Seite des virtuellen Verhandlungstisches saß kein Waffenhändler, sondern ein verdeckter Ermittler der Polizei. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei beim Angeklagten zudem ein Kleinkalibergewehr sowie Munition.

Vor dem Amtsgericht hatte der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. „Viel anderes blieb auch nicht übrig, nachdem ein Zettel mit den Zugangsdaten zum Darknet-Chat gefunden wurde“, stellte Richter Bastian Witte fest.

Drogenabhängigkeit war ein Thema

Aber die Tat war kaum Thema im Berufungsverfahren. Mit welcher Motivation und zu welcher Verwendung der Angeklagte die Glock kaufen wollte, wurde nicht erörtert. Gutachter Wolfgang Trabert stellte nur fest: „Der Vater war ein Waffennarr, der Angeklagte ist ein Waffennarr.“ Dabei ist die haltautomatische Pistole alles andere als ein Spielzeug. Mit einer im Darknet erworbenen Glock tötete ein 18-jähriger Amokläufer im Juli 2016 in München neun Menschen und verletzte weitere Personen.

Hauptthema des Berufungsprozesses war vielmehr die Drogenabhängigkeit des Angeklagten und sein „beispiellos erfolgreicher Weg“, wie Verteidiger Cnud Hanken mehrfach betonte, gegen die Sucht anzukämpfen. Seit 2015 wird der 40-Jährige mit Ersatzstoffen versorgt, die er bis heute auch enorm heruntergefahren hat. Er hat einen Betrieb eröffnet und will eine ambulante Therapie in Angriff nehmen. Diese Auflage wurde ihm im Rahmen einer gescheiterten medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) zum Erhalt der Fahrerlaubnis gemacht. Das Amtsgericht Wittmund, das den Angeklagten aufgrund vieler Strafverfahren zu genüge kennt, sah darin jedenfalls einen sehr guten Weg und eine günstige Prognose.

Die Tat habe er zu einem Zeitpunkt begangen, so erzählte der Angeklagte, als er einen Rückfall wegen des Todes seines Vaters gehabt habe. Doch Gutachter Trabert sah keinerlei Anlass, dem Angeklagten verminderte Schuldfähigkeit zu bescheinigen. Dafür seien die Darknet-Verhandlungen viel zu strukturiert gewesen und hätten sich auch über einen längeren Zeitpunkt hingezogen.

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