Landkreis Leer
Corona

Wie Borkum mit der Krise umgeht

Auch die ostfriesische Insel Borkum ist vom Coronavirus betroffen. Wir haben nachgefragt, wie es derzeit auf der Insel ausschaut.

Von Stefan Bergmann

Borkum. Dort, wo sich noch vor einigen Tagen Menschenmassen zwischen Strand und Innenstadt hin- und herschoben, ist jetzt Stille. Das soziale Leben auf der Insel ist komplett zum Erliegen kommen. „Es hat alles zu, aber auch wirklich alles, bis auf den Supermarkt und die Post“, berichtet Stephan (39, kleines Foto). Er arbeitet als Kellner in einer der vielen Bars der Insel. Ab Montag soll er Kurzarbeitergeld bekommen. Wenn die Arbeitsagentur das so schnell hinkriegt. Doch selbst die hat auf Borkum geschlossen. „Wenn das mit dem Kurzarbeitergeld nicht klappt, dann bleibt mir womöglich nur das Arbeitslosengeld. Davon kann ich aber nur soeben meine Miete bezahlen“, so Stephan.

Seit Jahren wohnt er auf der Insel, er fühlt sich als Einheimischer. Im Moment ist er auf der Insel isoliert. Seine Mutter auf dem Festland zu besuchen? Unmöglich. Sie ist alt, gehört zur Corona-Risikogruppe.

Noch immer sind einige Touristen auf der Insel. „Die wollen einfach nicht gehen, setzen sich in die Cafés, rücken die Tisch zusammen. Wir sagen denen dann, dass sie Abstand halten sollen. Doch was soll man machen, wenn sie es nicht tun?“, erzählt er. Ordnungsamt und Feuerwehr heften Zettel an Autos mit fremdem Nummernschild. Die Insulaner möchten, dass die Touristen gehen. Dass kein Virus auf die Insel geschleppt wird. „Es gibt bei uns zwei Beatmungsplätze“, sagt Stephan. Die Kliniken seien zwar inzwischen auch geräumt. Aber für schwere Corona-Fälle sind die Hospitäler nicht ausgerüstet.

Vor Ort, im Café, gebe es Diskussionen wie diese:

- „Sie wissen, dass Sie die Insel verlassen müssen?“

- „Nein, wo steht das?“

- „Im Internet!“

- „Ich habe kein Internet!“

- „Aber ich sage es Ihnen ja jetzt!“

- „Also, das sollen mir die Behörden doch bitte persönlich sagen. So reicht mir das nicht.“

Gespräch Ende.

Ein bisschen gespenstisch ist vielleicht auch, dass Borkum es Deutschland gerade vormacht, wie man sich in der Krise zu verhalten hat, so empfindet es Stephan. Die Abstandsregel im Supermarkt werde strengstens eingehalten, in manche Geschäfte dürfen Kunden nur einzeln eintreten. Auf der Promenade, auf den Plätzen und Straßen der Innenstadt - kein Mensch zu sehen. Der Strand: leergefegt. „Die Borkumer sperren sich ein“, sagt der Wahl-Borkumer. Er selbst mache zurzeit Frühjahrsputz in seiner Wohnung nahe am Flugplatz. Sonst eher nicht seine Freizeit-Beschäftigung.

Auch gespenstisch: Noch vor ein paar Tagen kamen Serniorengruppen in Bussen an, aus NRW. Dort, wo die Seuche am schlimmsten grassiert. „Wir machen hier Corona-Ferien!“, hätten die alten Leute gesagt. Na danke, dachte Stephan darüber.

In zwei Wochen sollte mit den Osterferien die Hauptsaison beginnen - obwohl auf Borkum inzwischen eigentlich immer Saison ist. Doch alle Läden sind zu, alle Ferienwohnungen leer. Viele kleine Bars und Restaurants hoffen, dass sie die Krisen-Zeit überleben. Bei den allermeisten hänge es davon ab, ob staatliche Hilfen schnell kämen. Ein großes finanzielles Polster haben die meisten Bars, Restaurants und Geschäfte auf Borkum - wie auch anderswo - nicht aufgebaut.

Die Lebensmittel-Bestände der Restaurants werden jetzt gerade von den Angestellten aufgegessen, sonst müssten die Waren alle entsorgt werden. Zu plötzlich kam die staatliche Schließung. Einige Gastronomen beliefern mit den Lebensmitteln kostenlos, aber gegen Spende, alte Menschen auf der Insel.

Und alle hoffen, dass es schnell vorüber ist. Mit dem Gespenst namens „Corona“.

Kommentare
FOLGEN SIE UNS
Anzeige

KONTAKT ZU UNS

Sie ziehen um oder es gibt Probleme bei der Zustellung? Dann finden Sie Hilfe in unserem Servicebereich

Zum Servicebereich

Sie möchten direkten Kontakt zu einer Abteilung aufnehmen oder haben Anregungen? Dann finden Sie im Kontaktbereich die passende Adresse

Zum Kontaktbereich

AM SEEHAFEN