Landkreis Leer
Mehr Arbeitslose erwartet

Arbeitsmarkt in Ostfriesland: Ruhe vor dem Sturm

Die Corona-Krise spiegelt sich noch nicht in Zahlen für den März wider. Es gibt bereits wesentlich mehr Anträge auf Kurzarbeit.

Ostfriesland. Seit Beginn der Corona-Krise sind in Ostfriesland 3.350 Anzeigen auf Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit Emden-Leer eingegangen. Das teilte das Amt in einer Pressemitteilung am Dienstag mit. Abschließend ist diese Zahl aber noch nicht. „Da die eingehenden Anzeigen bisher nur zum Teil geprüft und erfasst sind, haben wir erst dann genauere Informationen zu den Anzeigen, wenn diese auch vollständig im System erfasst sind“ erklärt Roland Dupák, Leiter der Agentur für Arbeit Emden-Leer. Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur würden mit Hochdruck daran arbeiten, die Anträge abzuarbeiten. Aus allen Bereichen werde Personal zur Verfügung gestellt, um bei der Bearbeitung zu unterstützen.

Die Anzeigen auf Kurzarbeit kommen aus allen Bereichen der Wirtschaft, berichtete die Arbeitsagentur weiter. In Ostfriesland besonders betroffen sei das Gastgewerbe und der Tourismus. „Auf den Inseln und der Küste bleibt der Saisonstart aus – das macht sich natürlich bemerkbar“, so Dupák. Neben der steigenden Kurzarbeit erwartet Dupák – wie ein Großteil der Arbeitsagenturen im Bundesgebiet – im Jahresverlauf einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen.

Die Arbeitslosenzahlen im März sehen dabei noch positiv aus. „Saisontypisch für den März war zu Beginn des Monats auf dem ostfriesischen Arbeitsmarkt die Frühjahrsbelebung zu spüren“ erklärte Dupák, „so dass sich die Arbeitslosenzahlen zunächst positiv entwickelt haben.“ Dupák hofft, dass die ostfriesische Wirtschaft ihre Zwangspause zügig beenden kann.

Die konkreten Auswirkungen des Corona-Virus auf den Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Emden/Leer ließen sich aktuell noch nicht benennen, da die vorliegenden Statistik-Daten zum Stichtag 12. März, also noch vor der drastischen Ausbreitung des Corona-Virus und der damit einhergehenden Entwicklung, erhoben wurden. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen an der Küste durch die anhaltende Corona-Krise steigen wird“ mutmaßt Dupák. Schon jetzt kann die Arbeitsagentur zusätzlich zu den steigenden Anträgen auf Kurzarbeit einen starken Zuwachs bei den Arbeitslosen verzeichnen.

Allerdings, so hofft der Leiter der Arbeitsagentur Emden/Leer, spricht der Anstieg der Anzeigen auf Kurzarbeit dafür, dass viele Unternehmen an ihren Fachkräften festhalten. „Auch wenn der Fachkräftemangel, wie so viele andere Themen zurzeit, in den Hintergrund gerät, werden diese Mitarbeiter für die Zeit nach der Krise dringend gebraucht und sind kostbar für Unternehmen.“

Aufgrund der hohen Nachfrage auf Kurzarbeitergeld habe man die notwendigen Antragsformulare kurzfristig nochmals vereinfacht, um das Verfahren so einfach wie möglich zu gestalten. Man wisse darum, dass viele der betroffenen Arbeitgeber in der Vergangenheit keine Berührungspunkte mit Kurzarbeit hatten „und das Antragsverfahren demnach ungewohnt ist“, so Dupák.

Kurzarbeit muss laut Gesetz erst einmal angezeigt werden. Dadurch kann etwa die Höhe des erwarteten Arbeitsausfalls ermittelt werden. Wird Kurzarbeit dann beantragt und realisiert, zahlt der Arbeitgeber wie üblich den Lohn für tatsächlich geleistete Arbeit. Für die Ausfallstunden geht der Arbeitgeber in Vorleistung.

Über eine Tabelle, in der die rechnerischen Leistungssätze enthalten sind, ermittelt der Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld selbst. Diese Tabelle stellt die Agentur für Arbeit allen Arbeitgebern zur Verfügung. Der Arbeitgeber rechnet das Kurzarbeitergeld danach mit der Arbeitsagentur ab und diese überweist dann das Geld.

Kurzarbeitergeld soll Arbeits- und Lohnausfall von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ausgleichen, der durch wirtschaftliche, unabwendbare oder unvermeidbare Ereignisse eintritt. „Bei ,Corona’ ist das in vielen Fällen so“, heißt es seitens der Arbeitsagentur. Stehen beispielsweise die Bänder still, weil Zulieferketten unterbrochen sind, können die Ausfallstunden durch Kurzarbeitergeld ausgeglichen werden.

Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer erhalten dann rund 60 Prozent des entfallenen Nettolohns, mit mindestens einem Kind sind es 67 Prozent. Das soll Arbeitnehmer im Beschäftigungsverhältnis halten.

Zur Entlastung von Unternehmen hat der Gesetzgeber zudem neu geregelt, dass Arbeitgebern die Sozialversicherungsbeiträge für die Ausfallzeiten erstattet werden. Diese mussten in der Vergangenheit auch für ausgefallenen Arbeitsstunden gezahlt werden.

Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht nach neuem Recht, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten in einem Betrieb einen Arbeits- und Entgeltausfall von mehr als zehn Prozent haben. Kurzarbeitergeld können nur sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer beziehen, für geringfügig Beschäftigte oder Selbstständige gilt dies nicht.   Die Arbeitsagentur weist darauf hin, dass Unternehmen Kurzarbeit vorher bei der örtlichen Arbeitsagentur anzeigen müssen. Das kann entweder online oder telefonisch erfolgen. Die Service Hotline für Arbeitgeber lautet t 0800 4 5555 20; online können Arbeitgeber sich im eServices Portal über einen von der Agentur für Arbeit Emden-Leer betreuten Account anmelden – hierfür können ganz einfach die Jobbörse-Zugangsdaten verwendet werden. Falls die Zugangsdaten nicht vorliegen, müssen sich die Betriebe über die oben genannte Hotline melden.

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