Landkreis Aurich
Plattdeutscher Lesewettbewerb

Zwei Finalisten und ein strahlender Sieger

Hannes Langer aus Riepe gewinnt den niedersächsischen Landesentscheid des plattdeutschen Lesewettbewerbs bei den Jahrgangsstufen 9 bis 13. Tomke de Vries aus Simonswolde schafft in ihrer Alterskategorie ebenfalls den Sprung in die Endrunde.

Von Werner Jürgens

Ihlow. Seit den 1960er Jahren gibt es in Niedersachsen den plattdeutschen Vorlesewettbewerb für Schüler. Ein Landesentscheid wurde allerdings erst 1979 mit Unterstützung der Sparkassen eingeführt. Dort haben in diesem Jahr gleich zwei Kandidaten aus der Gemeinde Ihlow in ihren jeweiligen Alterskategorien den Sprung in die Finalrunden geschafft. Einer von den beiden landete am Ende sogar ganz vorne.

Der beste Plattleser anno 2019 der niedersächsischen Jahrgangsstufen 9 bis 13 kommt aus Riepe und heißt Hannes Langer. Der 19-Jährige hat im Sommer sein Abitur an der Auricher Integrierten Gesamtschule (IGS) bestanden und beginnt jetzt eine Verwaltungslehre in Wiesmoor. Das Faible fürs Plattdeutsche liegt bei ihm in der Familie, wobei für ihn vor allem seine Großeltern eine tragende Rolle gespielt haben. „Mit denen wurde eigentlich immer nur Platt gesprochen“, sagte Langer, der sich seit etlichen Jahren auch so schon in seiner Freizeit für die Sprache seiner Heimat engagiert.

Unter anderem hat er sich erfolgreich dafür eingesetzt, eine beliebte Adventsveranstaltung in der Riepster Kirche für einen Tag auf Plattdeutsch abzuhalten. Außerdem beteiligt sich Hannes Langer regelmäßig in Weener mit einer musikalischen Lesung am sogenannten „klingenden Krankenhaus“, einem ehrenamtlichen Aktionsbündnis zwecks Unterhaltung von Patienten und deren Angehörige.

Der Ihlower verfügt mithin über ausgiebige Praxiserfahrung im Umgang mit Plattdeutsch und es ist sehr wahrscheinlich, dass ihm genau das die notwendigen Extrapunkte für seinen Sieg gebracht hat. Diese Ansicht vertritt jedenfalls Marianne Eden aus Großheide, die seit vielen Jahren als Jurorin für den plattdeutschen Lesewettbewerb tätig ist. „Bei ähnlich guten Lese-Leistungen ist ein zusätzliches Kriterium, ob und wie gut die Teilnehmer darüber hinaus mit der Sprache vertraut sind“, weiß Eden. „Und da merkt man bei Hannes schnell, dass das bei ihm absolut der Fall ist.“ Ein bisschen ins Gewicht fällt zudem wohl auch die Tagesform. Beim Kreisentscheid reichte es für Langer nämlich „nur“ zu einem zweiten Platz, was ihm jedoch zumindest die Qualifikation für die Bezirksebene bescherte. Und ab da lief es für den Ihlower richtig gut bis hin zu seinem Sieg im Finale, das in Hannover über die Bühne ging. Vorgelesen hat er dort übrigens einen Text seines Namensvetters Hannes Flesner mit dem Titel „Keen Tied, keen Tied“.

In Anbetracht der Tausenden Schülern, die Jahr für Jahr in Niedersachsen beim plattdeutschen Vorlesewettbewerb an den Start gehen, ist aber allein schon die Teilnahme an der Finalrunde eine mehr als respektable Leistung. Das hat in ihrer Alterskategorie auch Tomke de Vries aus Simonswolde geschafft. Die 13-jährige Schülerin besucht die IGS in Ihlow. Ähnlich wie bei Hannes Langer sind es bei ihr ebenfalls die Großeltern gewesen, die ihr Interesse für das Plattdeutsche geweckt haben. Ansonsten spricht sie mit ihrem Vater vorwiegend Platt und mit der Mutter hauptsächlich Hochdeutsch.

Besonders erfreut über das positive Ergebnis aus ostfriesischer Sicht zeigt sich Imke Rieken, die den Lesewettbewerb für die Ostfriesische Landschaft und das angeschlossene Regionalpädagogische Zentrum betreut. „Während an den Grundschulen und selbst in den Kindergärten die Plattdeutsch-Förderung eigentlich recht ordentlich läuft, reißt es danach in den weiterführenden Schulen oft abrupt ab“, moniert Rieken. „Insofern bin ich sehr froh und finde es äußerst lobenswert, dass Tomke und Hannes einfach drangeblieben sind.“ Tatsächlich haben sich die zwei nicht auf Anraten einer ihrer Lehrkräfte, sondern auf eigene Initiative für den plattdeutschen Lesewettbewerb angemeldet.

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