Landkreis Aurich
Medizinische Versorgung in Ostfriesland

Zentralklinik wird 100 Millionen Euro teurer

Das Land Niedersachsen bestätigt die Baukostenschätzung für das Projekt in Georgsheil.

Von Suntke Pendzich

Emden/Georgsheil. Auch wenn die endgültigen Planungen noch längst nicht abgeschlossen sind, ist jetzt schon klar: Das Zentralklinikum in Georgsheil, dessen Kosten ursprünglich mit 250 Millionen Euro beziffert waren, wird nach der Verzögerung durch den Bürgerentscheid mindestens 100 Millionen Euro teurer. Das bestätigte das Landesgesundheitsministerium auf Anfrage der Emder Zeitung. Demnach hat die Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden ihren Förderantrag für Landesmittel im vergangenen Jahr nach dem zweiten Bürgerentscheid in Emden aktualisiert. Sie geht von einem neuen Kostenrahmen von 350 Millionen Euro aus. „Grundlage für die Summe sind Durchschnittskostenansätze für den Krankenhausbau bezogen auf die Größe der Klinik und die Bettenzahl”, teilte Stefanie Geisler, Sprecherin des Ministeriums, mit. Die Trägergesellschaft bestätigte der EZ die neue Kostenschätzung, die auf Grund der „allgemeinen Baukostensteigerung und auf Basis anderer Projekte” erfolgt sei.

Ministeriumssprecherin Geisler betonte, dass aus der Summe im Förderantrag noch keine direkten Rückschlüsse auf die tatsächlichen Baukosten und die tatsächliche Kostenübernahme durch das Land gezogen werden könnten. Dies sei erst möglich, wenn prüffähige Unterlagen vorliegen.

Das deckt sich mit Aussagen der Verantwortlichen des Projektes aus den vergangenen Monaten. Claus Eppmann, Geschäftsführer der Trägergesellschaft, hatte bei einem Pressetermin im Dezember gesagt, dass zunächst die Entwurfsplanung auf dem Tisch liegen müsse. Erst dann könne eine „seriöse Summe” genannt werden. Noch in diesem Quartal soll der Architektenwettbewerb für das Projekt europaweit ausgeschrieben werden, kündigte Eppmann an.

Die finalen Baukosten für die Zentralklinik sollen zu einem erheblichen Teil durch das Land Niedersachsen getragen werden. Heiger Scholz, Staatssekretär im Niedersächsischen Gesundheitsministerium, hatte nach einer Podiumsdiskussion in Emden im vergangenen Jahr in Aussicht gestellt, dass das Land nach Prüfung aller erforderlichen Unterlagen die förderfähigen Kosten erstattet. Üblicherweise sind das bis zu 70 Prozent der Gesamtkosten (wir berichteten). Der Staatssekretär hatte damals - noch vor dem zweiten Bürgerentscheid - bereits angekündigt, dass die Kosten für das Projekt durch die zweijährige Verzögerung deutlich höher sein werden und nannte Preissteigerungen von 10 bis 25 Prozent jährlich. Das deckt sich mit den nun im Raum stehenden 350 Millionen Euro.

Maßgeblich sei allerdings nicht die Höhe der Baukosten, sondern die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes, betonte Andrea Janssen, Sprecherin der Trägergesellschaft, erneut. Das Zentralklinikum Georgsheil soll das größte Klinikum Niedersachsens mit Ausnahme der Universitätskliniken werden und ersetzt die bisherigen Klinikstandorte Emden, Aurich und Norden.

Durch die Zentralisierung und zusätzliche Fachabteilungen soll es deutlich wirtschaftlicher sein als die defizitären Bestandskrankenhäuser. Allein das Emder Klinikum hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 4,6 Millionen Euro gemacht.

Kritiker sind allerdings nicht davon überzeugt, dass sich die Situation durch die Zentralklinik verbessert. Die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Emden (GfE) befürchtet eine Kostenexplosion und schätzt, dass die Gesamtkosten für das Projekt sogar mehr als 400 Millionen Euro übersteigen könnte. Die GfE forderte deshalb in der vergangenen Woche zum wiederholten Male den Ausstieg Emdens aus dem Konsortialvertrag mit dem Landkreis Aurich zum Bau der Zentralklinik (wir berichteten).

Am 26. Mai des vergangenen Jahres hatte die Mehrheit der Emder Bürger jedoch für den Bau der Zentralklinik gestimmt. In einem ersten Entscheid 2017 war das Projekt noch mehrheitlich von den Emder Bürgern abgelehnt und dadurch um zwei Jahre verzögert worden. Im Kreis Aurich stimmten die Bürger bereits bei der ersten Abstimmung für den Klinik-Neubau.

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