Landkreis Aurich
Ministerin zu Besuch

Zauber der Seehunde

Landwirtschaftsministerin Otte-Kinas füttert Seehunde in Norddeich und ist beim Auswildern der Tiere auf der Insel Juist dabei.

Von Theo Gerken

Norddeich. „Das ist hier super! Ich bin begeistert“, strahlte die niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Barbara Otte-Kinast (CDU), bei ihrem Besuch in der Seehundstation in Norddeich. In der Station erhielt sie bei einem Rundgang vom Geschäftsführer der Seehundstation, Dr. Peter Lienau, enorm viele Informationen über die Seehunde. Am schulfreien Samstag hatte sie ihr Patenkind Leni und dessen Schwester Hanna mit an die Küste gebracht. Die erste Aktion fand schon am Morgen statt. „Wir waren schon mit Hajo Bengen und seiner Motoryacht nach Juist“, berichtete der 1. Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung und Erforschung des Seehundes, Berend Brechters. An der Ostspitze der Insel Juist, auf dem Kalfamer, wurden vier Seehunde, die zuvor in der Station in Norddeich „aufgepäppelt“ worden waren, ausgewildert. „Auf die Insel ging es nur barfuß durch das flache Wasser“, erzählte Brechters.

Beim Rundgang durch die Station hatte Dr. Peter Lienau viel Freude daran, den beiden Kindern den Seehund näher zu bringen. „Der Seehund kann ganz gefährlich zubeißen“, zeigte Dr. Lienau am Skelett eines ehemals noch kleinen Seehundes. Am Beispiel eines ehemaligen Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) leistenden Helfers machte Dr. Lienau deutlich, welche Folgen eine kleine Unachtsamkeit bei der Fütterung der Tiere haben kann. Der junge Mann wurde damals von einem Seehund gebissen, die unscheinbare Wunde am kleinen Finger zunächst nicht beachtet, später musste dieser Finger versteift werden. Der ehemalige Bufdi wurde nur noch „Seehund-Kai“ genannt und hatte Probleme beim Volleyball. „Der Seehund hat einen ähnlichen Knochenbau wie der Mensch, im Vergleich zum Wal hat er sogar noch Beine“, so Dr. Lienau und präsentierte beim Rundgang auch noch die beiden Skelette von einem Menschen und einem Seehund. Auch den Speiseplan der Seehunde verriet der Geschäftsführer den beiden Mädchen: „Am liebsten frisst der Seehund Plattfische. Der fühlt, wo vorher ein Fisch gewesen ist, der Seehund schwimmt auf dem Rücken liegend mit bis zu 30 km/h und jagt die Beute.“

Ein eminent wichtiges Thema ist für Dr. Peter Lienau und die Mitarbeiter in der Seehundstation der Umgang der Menschen mit den Seehunden: „Der digitale Mensch ist die Hölle für uns. Mit dem Handy werden Bilder von den Seehunden aus nächster Nähe gemacht und uns zugesandt. Wir sollen dann eine Diagnose stellen, was mit dem Tier gemacht werden muss. Die Menschen sollen mindestens 300 Meter Abstand halten. Seehunde sind neugierig. Wenn Kajakfahrer vorbei kommen, schwimmen sie hin und stellen fest, ob eine Gefahr für sie besteht. Damit stören die Kajakfahrer die auf den Sandbänken ruhenden Seehunde. An vorbei fahrende Schiffe oder Boote haben sie sich indes längst gewöhnt.“

Interessante Informationen aus dem Forscherbereich zeigte Dr. Lienau anhand der Wege, die die mit einem Chip ausgestatteten Seehunde nach ihrer Auswilderung zurücklegen. Da ging es vom ostfriesischen Wattenmeer bis nach Helgoland oder an die englische Küste. „Alles ohne Landkarten, Wegweisern oder Navigationssystemen! Auf dem Meeresgrund gibt es so etwas nicht. Wenn ein Schwimmer 100 Meter von Norderney entfernt ist, hat er schon Probleme, zurück an den Strand zu finden. Die Seehunde finden ihre Wege ohne alles bei nur ganz geringfügigen Abweichungen von der Idealroute. Weil es in der Nähe der Kachelotplate (beim Memmert und Juist) sehr viel Fisch gibt, kehren viele Seehunde dahin zurück“, erläuterte Dr. Lienau und zeigte die Wege der Tiere auf einer großen Seekarte der Nordsee.

Auge um Auge mit den Seehunden waren die Ministerin und die beiden Kinder vor der großen Glasscheibe des Schwimmbeckens. Über eine 800 Meter lange Direktleitung in die Nordsee wird das Becken stets mit frischem Nordseewasser versorgt. Die Seehunde hatten kein großes Interesse an den Menschen vor der Glasscheibe, sie schwammen schnell vorbei. Bei der Fütterung blieben die beiden kleinen Begleiterinnen von Ministerin Barbara Otte-Kinast in sicherer Entfernung.

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