Landkreis Aurich

Zündelei am Osterfeuer - Dorf setzt „Kopfgeld” aus

Brauchtumsfest hat viele Facetten. Loppersumer retteten es nach Absage.

Greetsiel/Hinte/Timmel. Der gesellschaftliche Stellenwert der Osterfeuer ist vor allem auf dem Land offenbar nicht zu unterschätzen: Die Greetsieler haben jetzt 500 Euro Belohnung für Hinweise zur Ergreifung von Brandstiftern ausgesetzt, die schon am frühen Ostersamstag das Osterfeuer am Sportplatz in Brand gesteckt haben. Das gab Ortsvorsteher Alfred Jacobsen gestern bekannt. „Das war ein feines Osterfeuer. Wir wollen jetzt zeigen, dass es kein harmloser Streich ist, wenn die viele Arbeit zunichte gemacht wird.”

Monatelang hatten Helfer vom Sportverein und aus dem Ort viel Arbeit und Freizeit in das Zusammentragen und Aufschichten von Büschen und Sträuchern investiert, um dem Dorf Greetsiel am Ostersonnabend das lange angekündigte Brauchtumsfest zu bieten. Jacobsen: „Es wurde stets darauf geachtet, dass wirklich nur aufgeschichtet wurde, was auch ins Osterfeuer gehört.”

Von Landwirten wurden Strohballen organisiert, damit es gemütlich werde, doch am Sonnabend gegen fünf Uhr in der Früh ging die ganze Vorfreude auf dem Platz neben dem Sportplatz in Rauch und Flammen auf. Die Ortsfeuerwehr rückte an und versuchte noch etwas zu retten. Doch viel blieb am Schluss nicht mehr übrig. „Wir hatten am Schluss ein kleines Feuer übrig. Aber so kann es nicht laufen”, schimpfte Jacobsen.

Auch an die Polizei wandten sich die Brauchtumspfleger aus Greetsiel: „Aber es handelt sich um eine Ordnungswidrigkeit - und wir sind nicht die Einzigen, denen das passiert ist”, habe man erklärt.

Im Hinteraner Dorf Loppersum indessen hat der Wandertrupp Loppersum ein vom SPD-Ortsverein abgesagtes Osterfeuer in letzter Sekunde doch gerettet. Und nicht nur das: Auch künftig soll der Brauch am Tag vor Ostern weitergeführt werden. Diesmal wurde am Sportplatz aber kein Strauchgut verbrannt, sondern ein Feuerkorb mit Holzscheiten als Lagerfeuer entzündet.

Wie berichtet, hatte der in den Vorjahren zuständige SPD-Ortsverein das traditionelle Osterfeuer im Vorfeld abgesagt, weil sich Anwohner bei der Gemeinde wegen des Qualms beschwerten. Der WT-Vorstand wollte nicht hinnehmen, dass damit ein weiteres Brauchtumsfest wegbreche, stellte Erich Saathoff fest. Immerhin treffe man dabei Menschen aus dem Dorf, die man sonst kaum zu Gesicht bekomme. „Ist das Osterfeuer erstmal weg, ist es schwer wieder in Gang zu bekommen.” Der Wandertrupp will auch in Zukunft dafür sorgen, dass das Osterfeuer an einem Platz hinter dem Sportplatz aufgeschichtet wird, wo der Qualm niemanden stört.

Wie hoch der Stellenwert auf dem Land bei den Bürgern ist, zeigen die Erfahrungen aus Suurhusen oder Hinte. Gut angenommen wurde das Osterfeuer der Freiwilligen Feuerwehr Hinte und Suurhusen. Ortsbrandmeister Heyko Meints freute sich über die gute Beteiligung. „Wenn das Osterfeuer wie in Suurhusen angenommen wird, macht es Spaß - und die Arbeit bei den Vorbereitungen ist vergessen.” Es kämen sogar viele Besucher aus anderen Ortschaften.

Zur Stärkung wurde an alle Kinder Stockbrotteig verteilt, welches sie in kleinen Feuerstellen fertig backen durften, was allen riesigen Spaß machte, teilte Michael Engelbarts aus dem Dorf Hinte mit. Für die Kinder gab es Ostereier, welche vom Geflügelzuchtverein gespendet und vom Frauenkreis der Feuerwehr vorher gefärbt wurden. Auch hier ließen sich das Bürger aus benachbarten Ortschaften nicht entgehen, weil nach deren Aussage, dort nicht so viel für die Kinder angeboten werde.

Die fast vergessene Tradition des Eierlünsens wurde in Timmel zu Ostern lebendig: Die Lünsbahn wurde auf dem Dorfplatz aufgebaut. Der Ursprung dieses Spieles zu Ostern sei aber nicht ganz klar; es gehe um einen Cent Einsatz, teilte Ortsvorsteher Wilhelm Buschmann mit. „Wahrscheinlich wurde das Eierlünsen von den Seefahrtschülern der königlichen Navigationsschule von den Inseln mitgebracht. Dort rollte man bunte Ostereier von den Dünen”, meint Buschmann.

E Wer konkrete Hinweise liefern kann, die zur Ergreifung der Brandstifter beim Osterfeuer Greetsiel führen, kann sich an Ortsvorsteher Jacobsen unter Tel. 0 49 26 / 9 26 06 06 wenden.

ggm

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