Landkreis Aurich
Investor gesucht

Vorschlag für Markthalle: 900 Quadratmeter Feinkost

Ein zweites Konzept für das Bauwerk in der Innenstadt von Aurich wurde nun vorgestellt. Der Fokus liegt auf dem Verkauf von frischen Lebensmitteln. Ruediger W. Pinno schlug den Erwerb der Markthalle vor.

Von Peter Saathoff

Aurich. Mehr Feinkost, weniger Verzehr und bloß kein altes Fett: Ruediger W. Pinno, Chef der Primedo Group, will die Auricher Markthalle von Grund auf neu aufstellen. Statt dem aktuellen Foodcourt-Konzept mit „stinkendem Asia-

Bistro” und Pommesbude soll sich die zentrale Immobilie auf Aurichs Marktplatz zu einem Feinkost-Geschäft mit Verzehrmöglichkeiten weiterentwickeln. In der Politik stießen die Pläne des Bad Hersfelders auf ein weitestgehend positives Echo. Nur Grüne und Linke fanden einige Haare in der Suppe.

Aus dem aktuellen Bestand der Markthalle soll die Bäckerei bestehen bleiben, kündigte Pinno am Dienstag im Auricher Sanierungsausschuss an. Entsprechende Gespräche führe er zurzeit mit Inhaber Martin Lorenz. Lorenz gehört der aktuelle Betreibergesellschaft an. Pinno selber will mit südeuropäischer Feinkost und Getränken in einem Sitz seines „Villaggio by Via del Gusto”-Konzepts am Start sein. Zusätzlich gehören ein kleiner Hofladen, der regionale Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Eier sowie ein Fischhändler zu den Anbietern von Pinnos Markthallenvision. „Frischer Fisch muss an der Küste möglich sein”, sagte der selbsternannte Küstenfan Pinno. Ein weiterer Baustein sollen osteuropäische, größtenteils geräucherte Feinkostprodukte sein. Im nordöstlichen Eck der Markthalle stellt sich Pinno ein kleines Blumen- oder Geschenkartikelgeschäft vor. Erste Gespräche mit möglichen Betreibern führe der Bad Hersfelder zurzeit, einige Absagen habe er schon erhalten.

Markthallen-Management

Für die Zeit nach dem Umbau will Pinno mit „Cityhaus 300” eine Managementgesellschaft gründen. Der Kopf der Gesellschaft soll sich um die dauerhafte Belebung der Halle kümmern. „Sie brauchen Veranstaltungen, Veranstaltungen, Veranstaltungen”, sagte Pinno. Aus diesem Grund findet sich in der aktuellen Aufteilungsskizze auch ein Platz für eine Aktionsfläche. Beispiele für mögliche Veranstaltungen seien „Aurich à la Carte”, ein Mittelaltermarkt oder eine italienische Woche. Außerdem solle sich der Manager mit den Wochenmarktbeschickern abstimmen, damit es eine positive Wechselwirkung gebe. Aktuell sehe der Wochenmarkt „nicht gut” aus, da sei erhebliches Potenzial vorhanden.

„So eine Markthalle muss gemanaged und nicht verwaltet werden”, sagte Pinno. Dass das in den vergangenen Jahren nicht geschehen sei, sei einer der Hauptgründe, aus denen die aktuelle Markthalle aussehe, wie sie aussehe. Und gut sieht sie nicht aus. Da nahm Pinno am Dienstag kein schonendes Blatt vor den Mund. Nicht nur, dass die Halle nach altem Fett stinke, auch „die Technik ist komplett abgängig”. An der Toilettenanlage hinge ein Zettel, dass zweimal gespült werden müsse, „damit es nicht stinkt.” So etwas gehe nicht, wenn es im Obergeschoss um Lebensmittel gehe. „Da will doch so keiner einkaufen.”

Verkauf der Markthalle

Entsprechend müsse ordentlich in die Halle investiert werden. Das aber ist ein Problem. „Könnten Sie sich auch vorstellen, in die Sanierung zu investieren”, fragte Richard Rokicki (AWG) in Hinblick auf die klammen Finanzen der Kreisstadt. „Verkaufen Sie mir die Halle doch”, kam es postwendend von Pinno zurück. Dann könne er mit seiner Hausbank problemlos über eine entsprechende Investition verhandeln. Ohne Verkauf werde es deutlich schwerer für ihn als Investor, sehr viel Geld in die Sanierung zu investieren. „Dann brauch ich mindestens 30 Prozent Eigenkapital.”

Soweit sei es aber ohnehin noch nicht. Wie hoch der tatsächliche Sanierungsaufwand sei und wie die letztendliche Verteilung des finanziellen Aufwands zwischen Betreiber und Stadt als Eigentümer aussehe, müsse sich erst bei genauerer Betrachtung und nach entsprechenden Verhandlungen zeigen, kündigte Pinno an. Eine grobe Schätzung ließ er sich nicht entlocken. Umgekehrt stieß sein Vorstoß, die Markthalle zu kaufen, auf wenig begeisterte Mienen. „Das geht natürlich gar nicht”, sagte Gila Altmann (B'90/Die Grünen). Auch Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) würde die Gestaltung an solch prominenter Stelle ungern abgeben, obwohl „Sie ja im Kaufvertrag einiges zur späteren Nutzung reinschreiben könnten”, schlug Pinno vor.

Weniger Verkaufsskrupel hatte Johann Bontjer (CDU), der forderte, diese Idee weiter zu verfolgen. Ihm habe das Konzept „sehr gut” gefallen. Nicht nur sehr gut, sondern „außerordentlich beeindruckend” fand seine Parteifreundin Gabriele Schapp Pinnos Vortrag. Auch Eckhard Hattensaur und Sebastian Schulze (beide SPD) stimmten dem Konzept zu. Schulze forderte von seinen Ratskollegen einen Vertrauensvorschuss für den Mann, „der das unternehmerische Risiko trägt.”

Mit diesen Worten stieß Schulze bei Linken und Grünen auf taube Ohren. Altmann fürchtete, dass Pinnos Konzept in der Realität nicht funktionieren werde. „So etwas wurde schon versucht und ist gescheitert.” Blanka Seelgen (Die Linke) stellte fest, dass ein Handelskonzept, das sich an den Ladenöffnungszeiten der Innenstadt orientiert, ungeeignet sei, „den Marktplatz abends wieder zu beleben.” Kritik, die Hendrik Siebolds (Die Linke) später noch wiederholte. Darüber hinaus habe Pinno kein Wort zur Miete gesagt, die er der Stadt für die Nutzung zahlen wollte.

Bis aber darüber verhandelt werden kann, muss sich die Stadt erstmal intern verständigen, wie es nun weitergehen soll. Deswegen beraumte die Politik für nächste Woche Dienstag, 18. Februar, eine außerplanmäßige Sitzung des Sanierungsausschusses an. Am Donnerstag, 20. Februar, wird es dann im Rat ernst. Dann muss die Politik Farbe bekennen.

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