Landkreis Aurich
Erneuter Rückschlag

Viele offene Fragen bei Aurichs Markthalle

Die Vorstellung des zweiten Zukunft-Konzeptes wurde erneut verschoben. Die letzte Gelegenheit ist am 11. Februar.

Von Udo Hippen

Aurich. Im Bestreben, die Planungen für die Zukunft der Markthalle weiter voranzutreiben, müssen Stadtverwaltung und Politik einen erneuten Rückschlag hinnehmen. Nachdem die Auricher Gastronomen Arno Fecht („Pinte”) und Beyhani Gür („Don a Roma”) bereits im November ihre rein gastronomische Idee für die Neuaufstellung des Glashauses auf dem Marktplatz vorgestellt hatten (wir berichteten), muss die Stadt eine erneute Absage des Projektentwicklers Ruediger W. Pinno von der Rosco-Unternehmensgruppe aus Bad Hersfeld hinnehmen. Dieser sollte sein Konzept ursprünglich parallel zu dem der Auricher Gastronomen im städtischen Sanierungs- und Konversationsausschuss präsentieren, ließ sich aber krankheitsbedingt entschuldigen. Weitere Termine im Dezember und im Januar wurden ebenfalls abgesagt. Dem Projektentwickler wurde jetzt eine erneute Möglichkeit eingeräumt, sein Markthallen-Konzept vorzustellen. Als letzter Termin wurde ihm der 11. Februar genannt. Sollte dies ebenfalls erfolglos ausgehen, bleibt den Ratsmitgliedern nur die Möglichkeit, auf Grundlage des einzig vorliegenden Konzeptes eine Entscheidung zu fällen.

Im Zusammenhang mit der Auricher Markthalle ist in der Vergangenheit auch immer wieder der Name Kay Hoppe gefallen. Hoppe hat als Direktor von tB-Investments Deutschland in den vergangenen Jahren die Revitalisierung des einstigen Carolinenhofes und jetzigen CAROs gestaltet und maßgeblich vorangetrieben. Nachdem Hoppe Ende Januar bei tB-Investments ausgeschieden ist und demzufolge auch Aurich als Wirkungsstätte aufgegeben hat, arbeitete er zusammen mit Ruediger W. Pinno als gemeinsame Geschäftsführer bei der Primedo Real Estate GmbH. In der damaligen Zusammenarbeit ist die Idee entstanden, ein Konzept für die Markthalle vorzulegen.

„Seit Sommer bin ich raus aus dem Prozess”, erklärte der ehemalige CARO-Chef jetzt im Gespräch mit dem Sonntagsblatt und führte weiter aus, dass er die Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Kompagnon beendet hätte. Allerdings berichtete er von den Anfangsideen für das Markthallen-Konzept. „Für uns war damals klar, dass man die Markthalle nur neu aufstellen kann, wenn man richtig in die Substanz geht”, sagte er auf Nachfrage. „Aufgrund unserer Vor-Analyse haben wir damals überschlagen, dass man da eine Menge Gas geben muss.” Mit ein paar Pinselstrichen sei es demnach nicht getan. Allerdings stellte er auch gegenüber dem Sonntagsblatt klar, dass es sich bei der Sanierung eines derartigen Objektes nicht um „Raketenphysik” handeln würde und er die kolportierten zwei Millionen Euro, die allein die Stadt in die Hand nehmen müsse, um die Markthalle auf Vordermann zu bringen, nicht nachvollziehen könne. Wenngleich er einräumte, bei den Planungen nicht abschließend ins Detail gegangen zu sein. Als Referenzobjekt diene ihm allerdings der Carolinenhof, wo man ein 30 Jahre altes Center inklusive Tiefgarage von Seiten der Technik, Ausstattung und Ausrichtung auf den neuesten Stand gebracht habe.

Ursprungsidee

Aus Sicht eines Projektentwicklers äußerte sich Hoppe im Gespräch mit dem Sonntagsblatt auch zur Ursprungsidee, die in der Zusammenarbeit mit Pinno entstanden ist. „Wir hatten damals ein Konzept mit drei bis vier Nutzern im Auge”, erklärte er. Fester Bestandteil sei für ihn eine Bäckerei, die sich allerdings mehr in Richtung Manufaktur aufstellen solle. „Schön wäre eine Art Show-Bäckerei”, so Hoppe weiter. Auch hätte man es versucht, das Thema Fisch gastronomisch und im Bereich Verkauf dort zu platzieren. Ebenfalls eine feste Rolle soll die Fleischerei gespielt haben. Das Sonntagsblatt weiß in diesem Zusammenhang von einem von der Stadtspitze initiiertem Gespräch, das im Frühjahr vergangenen Jahres stattgefunden hat. Daran teilgenommen haben auf der einen Seite Vertreter der Betreibergesellschaft (Martin Lorenz, Jan-Heiko Samuels und Fritz Werner Schüt) und auf der anderen Seite das Gespann Hoppe/Pinno. Für viele Auricher kam es dann überraschend, dass die Betreibergesellschaft, die so vehement für den Erhalt der Markthalle gekämpft hatte, kein eigenes Zukunftskonzept einreichte.

Bestandteil der Ursprungsidee war es, dass zudem ein Händler italienischer Produkte dort Einzug hält. Unter dem Namen „Villaggio” sollten die verschiedensten Artikel aus Italien einerseits zum Verkauf, aber auch gastronomisch zum Verzehr angeboten werden. Zu Beginn des vergangenen Jahres wurden dem Sonntagsblatt Zeichnungen vorgelegt, die durchaus vielversprechend anmuteten.

Was aus den Ursprungsideen wurde, wie und ob die weiterentwickelt wurden, dazu konnte Kay Hoppe sich nicht äußern. „Wie gesagt, ich bin seit Sommer aus dem Prozess raus”, entgegnete er auf nochmalige Nachfrage und fügte an, dass er für eine Beratertätigkeit in Sachen Markthalle nach Aurich kommen würde. „Auf jeden Fall”, betonte er. „Der Kontakt nach Aurich ist nie abgebrochen.” Auf die Frage, wie Hoppe die Wahrscheinlichkeit einschätzt, dass das Markthallen-Konzept der Rosco-Unternehmensgruppe am 11. Februar in Aurich vorgestellt wird, äußerte er sich zurückhaltend, konnte seine Skepsis jedoch nicht verbergen.

Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) äußerte sich am vergangenen Donnerstag auf dem Neujahrsempfang zur Markthalle. Dort solle ein Leerstand in jedem Fall vermieden werden, kündigte das Stadtoberhaupt an. Schließlich stehe das Gebäude „in bester Lage auf dem Marktplatz”. Daher werde die Verwaltung „alles unternehmen”, um das zu vermeiden.

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