Landkreis Aurich
Neues Konzept

Verlust und Trauer bewältigen

„Trauergruppe Ankerplatz” nennt sich das Angebot beim Hospiz Aurich, das sich über einen begrenzten Zeitraum und mit einem besonderen Konzept ganz der Trauerarbeit widmet. Das erste Treffen der neuen Gruppe 2020 findet am 3. Februar statt.

Von Heike Arends

Aurich. Die Trauerbewältigung nach dem Tod eines nahestehenden Menschen fällt vielen Menschen oft schwer. „Die Trauer braucht ihre Zeit - und man selbst braucht seine Zeit, um seine Trauer zu verarbeiten. Gelingt dies nicht, vergeht die Zeit nur und man bleibt in der Trauer stecken”, erklärten die beiden ehrenamtlichen, ausgebildeten Trauerbegleiterinnen Insa Henseler und Antje Graf gegenüber dem Sonntagsblatt.

Sie haben deshalb für den Hospizverein Aurich ein besonderes Konzept in der Trauerbegleitung erarbeitet und hier im vergangenen Jahr erstmals eine Trauergruppe für Erwachsene angeboten. Diese hatte sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten getroffen. „Wir haben ein positives Feedback bekommen”, erzählten die beiden. „Die ersten Abende waren sehr emotional. Auch das gemeinsame Weinen gehört dazu.” Wichtig sei, dass die Teilnehmer am Ende „gut nach Hause gehen”. Die Frage zum Schluss sei immer gewesen: „Was hat Euch getröstet?”

Nun ist Raum für eine neue Gruppe: „Wir haben jetzt auch einen passenden Namen gefunden: 'Trauergruppe Ankerplatz'. Genau das soll sie nämlich sein: Ein Ort zum Verweilen, der den Trauernden Zeit gibt, sich mit anderen auszutauschen”, sagten sie. Das erste Treffen findet am Montag, 3. Februar, von 18 bis 20 Uhr in den Räumen an der Hasseburger Straße 1 in Aurich statt. Hierfür ist eine vorherige Anmeldung notwendig, da es sich um eine geschlossene Gruppe handelt. Diese trifft sich dann bis zum Juni zehn Mal.

Gerade der Austausch der Teilnehmer untereinander sei ein wichtiger Faktor, haben die beiden die Erfahrung gemacht. Denn er beinhalte das Erkennen, dass es anderen genauso geht und alles, was man erlebt, normal sei. Graf und Henseler wollen die Trauernden zu einer Trauerarbeit anleiten, deren Ziel es ist, weitere Schritte in ihrer Trauer zu tun. „Wir sind alle fähig, Trauer zu bewältigen - Menschen sind so angelegt. Wir wollen die Motivation vermitteln, Trauerarbeit zu leisten - und helfen, die eigenen Ressourcen zu entdecken.” Auch die Erkenntnis, dass es Rückschritte gibt, gehöre dazu. „In einer immer schnelllebigeren Zeit bleibt oft keine Zeit für Trauer. Doch diese wird nur verdrängt und aufgeschoben. Sie findet immer ihren Weg und man muss durch sie durch, es gibt keine Abkürzung.”

Gearbeitet wird in der Trauergruppe anhand der vier Trauerphasen, „die jeder Trauernde im besten Fall durchläuft”, erläuterten sie: Auf das „Nicht-Wahrhaben-Wollen” folgen „aufbrechende Emotionen”, auf das „Suchen und Sich-Trennen” dann ein „neuer Selbst- und Weltbezug”. Phasen, die laut Henseler und Graf oftmals von körperlichen Beschwerden begleitet werden, von Schlafstörungen über Gelenkschmerzen bis hin zu Panikattacken reicht das Spektrum.

„Wir werden Themen zu den jeweiligen Trauerphasen besprechen, damit die Teilnehmer verstehen, in welcher Pha­se sie sich befinden”, erklärten sie das Konzept, bei dem es um Hilfe zur Selbsthilfe geht. „Wir holen die Menschen da ab, wo sie stehen. Es gibt keinen Druck, keinen Zwang. Wir wol­len ein wenig von der Angst nehmen, die einen überwältigen kann. Je mehr man weiß, desto besser kann man lernen, damit umzugehen.” Letztlich gehe es darum, den Mut zu finden, sich wieder etwas zuzutrauen - und sich für das weitere Leben zu entscheiden. Wozu auch die Erkenntnis gehöre, dass nichts mehr so sein wird, wie es vorher einmal war.

Kontakt: Das Hospiz an der Hasseburger Straße 1 in Aurich ist unter 0 49 41 / 60 51 182 erreichbar.

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