Landkreis Aurich
Veranstaltung

Theater mit Tiefgang

Mit seiner Frühjahrsinszenierung bringt das Niederdeutsche Theater Aurich ein aktuelles Thema auf die Büh­ne: Gezeigt wird „De Well“ - und wie erschreckend einfach es scheinbar möglich ist, Menschen zu manipulieren. Premiere ist am 14. März.

Von Heike Arends

Aurich. Niederdeutsches Theater ist nicht nur Komödie oder Klamauk, sondern kann auch sehr ernst und aktuell sein. Das hat das Ensemble des Niederdeutschen Theaters Aurich (NDT) schon früher unter Beweis gestellt. Unter dem Motto „dat anner Stück in 't anner Huus“ wurden in den 1990er-Jahren Stücke auf die Bühne gebracht, die Themen wie Selbstmord, Behinderung oder sexuellen Missbrauch behandelten. Mit „As in d' Himmel” wurde diese Tradition 2018 in der neuen Spielstätte im Haxtumer Speicher wieder aufgegriffen.

Und hier steht zum Frühjahr mit „De Well” eine weitere besondere Inszenierung an: Gruppendynamik, die Manipulation von Menschen und wie letztlich Faschismus funktioniert, sind dieses Mal die Themen. Unter der Regie von Johann Mühlenbrock und der Co-Regie von Bühnenleiterin Heike Tunder proben aktuell Teilnehmer der „Theaterwarkstee” und andere Jugendliche sowie ein paar „alte Hasen” die Theater-Adaption „Die Welle“ von Reinhold Tritt. Premiere ist am Samstag, 14. März, um 20 Uhr. Bis zum 11. April folgen noch neun weitere Aufführungen. Das Theaterstück fußt auf dem gleichnamigen Buch von Morton Rhue von 1981, der das berühmt-berüchtigte „Faschismus-Experiment” des Lehrers Ron Jones in den USA Ende der 1960er-Jahre an einer Highschool beschreibt. Dieser wollte in einer Klasse in einem Unterrichtsversuch zeigen, das faschistoides Denken und Handeln keine Relikte der Vergangenheit, sondern noch immer aktuell sind.

„Es gibt Stücke, die man jahrelang im Kopf hat. Dieses, das in der Tradition von 'dat anner Stück in 't anner Huus' steht, will ich schon seit rund 20 Jahren auf die Bühne bringen”, sagte jetzt Regisseur Johann Mühlenbrock im Gespräch mit dem Sonntagsblatt. Gescheitert war die Umsetzung deswegen so lange Zeit, weil es an geeigneten Darstellern fehlte, nämlich an einer größeren Zahl an Jugendlichen. Doch mit der 2011 gegründeten „Theaterwarkstee” für Kinder und Jugendliche entwickelte sich das Potenzial für eine Aufführung, die jetzt realisiert werden konnte. Vier der jungen Schauspieler sind dabei „Eigengewächse” aus der „Warkstee”. Hinzu gesellten sich weitere Jugendliche, die entweder über ihre Verwandten den Weg zum NDT gefunden haben, oder die von den bereits aktiven Jungschauspielern aus dem Freundeskreis mit an Bord geholt wurden, damit alle Schülerrollen besetzt werden konnten. Deren Rekrutierungs- und Überzeugungsarbeit war letztlich so groß, dass nun elf junge Darsteller, die im Durchschnitt 17 bis 18 Jahre alt sind, auf der Bühne stehen.

Zu besetzen gewesen wären für die Schülerdarsteller nur acht Rollen, erzählte Mühlenbrock. Zusammen mit Heike Tunder, hat er deshalb das Rollenspektrum erweitert. „Ohne im Kern oder an der Aussage des Stückes etwas zu ändern”, wie er betont. Auch dass in dem Stück sowohl Platt- als auch Hochdeutsch gesprochen wird, ist zwar zum Teil den „Sprachkenntnissen” einiger Darstellern geschuldet, wird nun aber auch bewusst eingesetzt. „Es läuft hervorragend und macht viel Spaß, mit Jugendlichen zu arbeiten. Sie sind wirklich engagiert und mit Leib und Seele dabei. Mitte Dezember haben wir mit den Leseproben begonnen. Jetzt wird dreimal wöchentlich geprobt: jeweils einmal mit den Jugendlichen und den Erwachsenen und dann einmal gemeinsam.”

Am Anfang der Geschichte steht ein Lehrer, der sich eine Frage stellt, die schließlich zu einem Experiment führen wird, das schon nach wenigen Tagen aus dem Ruder zu laufen droht - und eine bedrohliche Eigendynamik entwickelt. „Es lässt mich nicht mehr los. Ich habe mit den Schülern über den Holocaust gesprochen. Sie verstehen es nicht. Sie glauben, man hätte es verhindern können. Und heute sei so etwas nicht mehr möglich. Wie kann ich es ihnen erklären? Vielleicht dadurch, dass man eine ähnliche Situation schafft? Ein Experiment sozusagen?”, zitiert das NDT zu „Die Welle” auf seiner Homepage.

„Was als Spiel beginnt, gerät außer Kontrolle”, so Mühlenbrock. Das „Experiment” beginnt mit Disziplinübungen. Es folgen ein eigener Gruß, Lagerbildung und dann eine Bewegung. Die zwar integriert, aber schließlich auch diejenigen, die nicht mitmachen wollen, nicht nur ausgrenzt, sondern auch bedroht. „Es gibt keine Toleranz mehr”, beschreibt der Regisseur die Entwicklung einer Gruppendynamik ins Negative.

„Es ist keine ausgedachte Geschichte, sondern es ist wirklich so passiert”, betont Mühlenbrock. „Es zeigt, wie Faschismus funktioniert. Dass das Stück jetzt thematisch den Nerv der Zeit trifft, ist Zufall.” Nach der Premiere am Samstag, 14. März, sind weitere Aufführungen von „De Well” jeweils um 20 Uhr geplant für den 17., 20., 25., 27. und 31. März sowie am 4., 8. und 11. April. Am Sonntag, 22. März, findet zudem eine Nachmittagsvorstellung um 16 Uhr statt.

Karten im Vorverkauf gibt es unter anderem beim Heimatblatt in Aurich und der Emder Zeitung in Emden.

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