Landkreis Aurich
Kritik an Neuregelung am Strand

Streit um Hundestrand in Norddeich eskaliert

Die Norder Ratspolitiker kritisieren „Bedrohungen und Hetzjagd“ im Internet. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Nicole Frischlich und Günther Gerhard Meyer

Norden. Der Streit um die Neuregelung für einen neuen Hundestrand in Norddeich ist eskaliert. In Kommentaren in sozialen Netzwerke wurden Ratsherren beleidigt, die sich bedroht fühlen. Ratsvorsitzender Hermann Reinders (CDU) sprach sogar indirekt von „Morddrohungen“, die durch entsprechende Einträge im Netz gepostet wurden. Ratsherr Keven Janssen, Gemeinsam für Norden (GfN), sieht hier, „viel aus dem Ruder gelaufen“ und „eine Grenze überschritten“, weil unter anderem Adressen und Telefonnummern gepostet wurden. Bürger seien angeleitet worden, Ratsmitglieder zu terrorisieren oder zu Hause aufzusuchen. „Das ist wohl auch schon so passiert“, sagte Janssen und zeigte sich erschrocken über die „Hetzjagd“ im sozialen Netzwerk. „Es wurden Leute diffamiert, erpresst und beleidigt“, sagte Janssen. „Ich habe Anzeige erstattet.“

Dem FDP-Ratsherrn wurde die Windschutzscheibe seines Wagens zerschlagen. Er hat Anzeige erstattet, die Polizei ermittelt. Janssen bedauerte im Stadtrat, dass „man für eine ehrenamtliche Arbeit im Rat niedergemacht“ werde. „Es gibt sogar Pistolenbilder. Das ist ein abnormales Desaster“, habe auch er Anzeige erstattet. Eine entsprechende Anzeige wegen Sachbeschädigung bestätigte Sprecherin Wiebke Baden. Ob ein Zusammenhang besteht, ist offen. Die persönlichen Anfeindungen über die sozialen Netzwerke seien indessen noch nicht aktenkundig. „Aber das Internet ist kein rechtsfreier Raum“, sagte Sprecherin Baden auch.

Auch in der Bürgerfragestunde im Rat konnten Hundebesitzer ihren Unmut über die Verlegung und Neuregelung für den Hundestrand in Norddeich bekunden. Die Hundebesitzer, die sich für den Erhalt des Strandes einsetzen, weisen jede Verbindung zu den Hasskommentaren im Netz zurück. Hier ist von 20 „Leuten“ die Rede, die „Bockmist“ geschrieben hätten. Die Kommentare seien gelöscht worden. Allerdings wurden auch Janssen unsachliche Kommentare und „Beschimpfungen“ über „Facebook“ vorgeworfen. „Ich habe ein Video gemacht und in diesem gesagt, das Verhalten ähnelt der AFD – Ich habe ein wenig forsch gesprochen“, räumte Janssen ein. Die Hundebesitzer überreichten deshalb Kurdirektor Armin Korok daher einen „sachlichen Brief“. Hundebesitzerin Anke Lohmann wünschte sich einen sachlichen Umgang.

Umso positiver verlief der Austausch zwischen dem Norder Stadtrat und den anwesenden Hundebesitzer in der öffentlichen Ratssitzung. Nordens Bürgermeister Heiko Schmelzle (CDU) lobte das Auftreten der Hundebesitzer und Kritiker während der Ratssitzung: „Das heute war ein guter Dialog, der höchst vernünftig verlief.“

Die Hundebesitzer richteten ihre Fragen an Ratsmitglieder und Verwaltung, welche Konsequenzen mit der Verlegung des 20 Jahre alten Hundestrandes zu erwarten sind (wir berichteten). Sie wünschen sich, dass der Hundestrand nach Abschluss der aktuellen Bauarbeiten für den „Masterplan Waterkant“ wieder an die alte Stelle zurückverlegt wird. Norddeichs Kurdirektor Armin Korok räumte ein: „Die Thematik ist verzwickt.“

Wie berichtet, wird ab Mitte Mai die aktuell genutzte Dünenlandschaft eingezäunt und darf nicht mehr betreten werden. Erst ab 2021 werde man in der Lage sein, einen Hundestrand mit Wattzugang wieder anbieten zu können. Bis 2021 könne den Besitzern der Vierbeiner keine Fläche angeboten werden. „Ab 2021 wird das wieder möglich sein“, sagte Korok. Die Stadt Norden hofft, dass die Baumaßnahmen im Jahr 2021 abgeschlossen sein werden.

Der neue Hundestrandbereich werde wie eine neue Salzwiese angelegt. „Gerade in der Anfangsphase müssen sich die Pflanzen gut enwickeln“, sagte Korok. Das Gesetz, das den Nationalpark Wattenmeer schütze, erlaube das Betreten nur mit angeleinten Vierbeinern. „Bisher ist viel toleriert worden“, sagte Korok. Außerdem werde die Anlegung eines neuen Deckwerkes den Wattzugang verhindern, weil es eine hohe Sturzgefahr beinhalte. Das Deckwerk werde auch am Hundestrand verlegt. Korok nannte Alternativen für Hundebesitzer, die sich näher am Campingplatz befinden. Dort seien auch Deichtreppen vorhanden, jedoch keine touristische Infrastruktur. Korok zeigte Verständnis für den Unmut der Hundebesitzer, aber es gebe nur diese gesetzlichen Möglichkeiten, sagte er.

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