Landkreis Aurich
Energie in Ostfriesland

Stadtwerke Aurich werden abgewickelt

Grüner Strom, aus der Region für die Region: Die Ambitionen der Stadtwerke Aurich waren hoch. Jetzt sind sie gescheitert.

Von Peter Saathoff

Aurich. Mit großen Ambitionen sind die Auricher Stadtwerke gestartet. Nun, sechs Jahre nach der Gründung der Holding Stadtwerke Aurich, stehen die Stadt Aurich und der Windkraftanlagenbauer Enercon vor den Trümmern des gescheiterten Projekts. Am vergangenen Donnerstag machten die Ratsherrn den Weg frei für eine Abwicklung des Unternehmens - einstimmig, trotz spürbarem Wehmut manches Ratsherrn.

Denn die Ideen, die 2010 zur Gründung der Stadtwerke Aurich GmbH und 2014 zur Gründung des Mutterunternehmens, der Stadtwerke Aurich Holding, geführt haben, seien berechtigt gewesen. Darauf wies etwa Ingeborg Hartmann-Seibt (SPD) in der Ratssitzung hin. „Wir hatten 2012 unheimlichen Stress mit der EWE”, sagte die Fraktionschefin. Aus dieser Not heraus hätten die Stadt und Enercon den Versuch unternommen, Aurich als Stadt der „regenerativen Energien” voranzubringen, ein bundesweites Modellprojekt zu installieren. „Würde jede Stadt ihren Strom selber produzieren, könnten wir auf die großen Überlandleitungen verzichten”, erinnerte Hartmann-Seibt an die fortdauernden, bundesweiten Debatten über Überlandleitungen und Einschnitte der Bevölkerung. „Es war eine einmalige Chance, einen Leuchtturm für die Energiewende zu bauen”, stellte sich CDU-Fraktionschef Arnold Gossel demonstrativ an die Seite der Sozialdemokratin.

Aber was nützen all die hehren Träume, wenn die Realität nicht mitspielt? Zweimal scheiterten die Stadtwerke Aurich mit dem Erwerb der Strom- und Gasnetze. Der Oldenburger Energieversorger EWE machte den Stadtwerken beide Male einen Strich durch die Rechnung. Dazu immer wieder die Verluste, die die Stadt mit ihren 60 Prozent und Enercon mit 40 Prozent Anteilen ausgleichen mussten. „Da ging uns die Puste aus”, gab Hartmann-Seibt zu. Oder wie Dr. Jens Winkler von Enercon sagte: „Wir können die Verluste nicht mehr weiter hinnehmen.” Schließlich sitze auch beim Windanlagenbauer „das Geld nicht mehr so locker.”

Nun soll bis spätestens Ende des Jahres die defizitäre Vertriebssparte der Stadtwerke verkauft werden, kündigte Noch-Geschäftsführerin Heike Witzel an. Erste Gespräche wolle sie bereits zu Beginn des nächsten Monats führen. Sollten die Stadtwerke als Tochter in einem anderen Unternehmen erhalten bleiben, werde sich der Name ändern, kündigte die Geschäftsführerin an, der Name „Stadtwerke Aurich” bleibe Eigentum der Kommune. Den Erfolgsaussichten eines Verkaufs stehe sie optimistisch gegenüber. Es gebe bereits mehrere Kaufinteressenten , sagte Witzel. Medienberichte über konkrete Gespräche wies sie hingegen zurück.

Eine andere Variante wäre eine Fortführung der Stadtwerke mit reduziertem Umfang gewesen. Keine Netzübernahme, reduziertes Personal, mehr Fokus auf Online-Geschäft: So hätten die Stadtwerke vielleicht schwarze Zahlen schreiben können. „Das wäre mir natürlich das Liebste”, sagte Witzel. Schließlich hätten sie und ihre elf Mitarbeiter viel Herzblut in die Stadtwerke gesteckt. Das wussten die Politiker zwar zu würdigen, an der Entscheidung änderte das freilich nichts. Die Politik hatte den Traum Stadtwerke bereits ausgeträumt.

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