Landkreis Aurich

Spiekeroog will Sterneninsel werden

Nach Sternenstadt und Sternenparks könnte Deutschland bald auch eine Sterneninsel bekommen.

Ostfriesland. Einen dunkleren Ort hat der Physiker und Astronom Andreas Hänel in Deutschland noch nicht gemessen - die ostfriesische Insel Spiekeroog ist damit prädestiniert zum Sternegucken.

Eine Region kann als Sternenpark oder -kommune zertifiziert werden, wenn darin Lichtverschmutzung gemäß den Bestimmungen der amerikanischen Nichtregierungsorganisation International Dark Sky Association (IDA) vermieden wird. „Falsch eingesetztes Kunstlicht führt zu Lichtmüll“, sagte Hänel, der Leiter der deutschen Fachgruppe Dark Sky ist. Straßenlaternen, Werbeflächen und Schaufenster hellen den nächtlichen Himmel auf - schwache Sterne, kosmische Gasnebel und die Milchstraße werden verschleiert. Gerade über Großstädten bleibt kaum etwas zu sehen.

„Wenn man mal einen guten Sternenhimmel erlebt hat, hoffe ich immer, dass man darüber nachdenkt: Was sollen denn dann all die Lichtquellen bei uns auf der Erde, die sonst wo hinstrahlen?“, so Hänel. Die Sternenparks sollen Musterbeispiele sein. In Deutschland machte der Naturpark Westhavelland 2014 den Anfang, es folgten das Biosphärenreservat Rhön, der Nationalpark Eifel, die Winklmoosalm in Bayern und - als erste Sternenstadt - Fulda.

Damit sich Spiekeroog in die Liste einreihen kann, muss umgerüstet werden. „Ich gehe davon aus, dass wir Ende Juni 2021 fertig sind“, sagte Inselbürgermeister Matthias Piszczan (CDU). 70 Leuchten sollen umgerüstet, zehn weitere ausgetauscht werden. „Um das Licht zu dimmen, ohne, dass das Auge etwas merkt.“ Piszczan schätzte die Kosten auf einen geringen fünfstelligen Betrag, „das ist wenig Aufwand für viel Wirkung“. Die Sicherheit auf den Straßen sieht er durch die Maßnahme nicht gefährdet.

„Es ist nicht Zielsetzung, dunkle Enklaven zu schaffen und zu konservieren“, erklärte Astronom Hänel. „Es geht darum zu zeigen, wie man gut und vernünftig beleuchten kann.“ Künstliche Beleuchtung solle dahin leuchten, wo das Licht tatsächlich gebraucht wird, „nämlich auf die Verkehrsflächen. Das Licht soll nicht zur Seite wegstrahlen oder in den Himmel.“

Die Einrichtung eines Sternenparks sei eine Chance zur Einsparung von Strom, Immissionen und Kohlendioxid. Warmes Licht sei außerdem besser als Licht mit vielen Blau-Anteilen: „Weil wir wissen, das zieht weniger Insekten an, das beeinflusst die Gesundheit des Menschen weniger.“

Und natürlich kann Spiekeroog mit einer Zertifizierung touristisch für sich werben. Der Bürgermeister überlegt, für Sternenbeobachter Liegesessel aufzustellen. Zudem sollen Sternenführer ausgebildet werden.

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