Landkreis Aurich
Gemischte Bilanz

Sich unterstützen und voneinander lernen

Vor einem Jahr ist die Gruppe „Selbsthilfe nach Leukämie Ostfriesland” ins Leben gerufen worden. Nach anfänglich guter Resonanz bangen die Initiatoren nun um die Fortführung.

Von Heika Arends

Aurich. Die Bilanz nach rund einem Jahr Selbsthilfegruppe fällt für Karin Horn und Stefan Schönepauck gemischt aus. Anfänglich hätten sich rund 15 Teilnehmer zu den Treffen der von ihnen initiierten „Selbsthilfe nach Leukämie Ostfriesland” eingefunden, die aktuell jeden vierten Dienstag im Monat im Auricher Familienzentrum stattfinden, erzählten sie im Gespräch mit dem Heimatblatt. „Die ersten Treffen waren genau, wie wir es uns erhofft hatten: Es fand ein reger Austausch unter uns Betroffenen statt und auch einige Angehörige waren mit dabei.” Dann habe der Zuspruch leider seit dem Sommer immer mehr nachgelassen.

„Es waren im Juni, Juli und August sehr heiße Tage, dass man sich da schwer tut, verstehe ich”, sagte Karin Horn. Doch auch danach „kleckerte” die Teilnehmerzahl so vor sich hin. Auch ein Vortrag habe fast keine Resonanz gefunden, bedauerten die beiden. Vielleicht hätten einige der Teilnehmer für sich festgestellt, dass eine Gruppe nichts für sie sei, nannten sie mögliche Gründe. Oder der Umgang mit der eigenen Erkrankung beziehungsweise deren Folgeerscheinungen falle noch zu schwer, um sich für solche Treffen zu öffnen: „Wer bei einer Leukämie-Erkrankung erfolgreich eine Chemotherapie überstanden oder eine Stammzellentransplantation hinter sich gebracht hat, will erst einmal nicht mehr von der Erkrankung hören.”

Dennoch geben sie die Hoffnung nicht auf, dass das Interesse an der Selbsthilfegruppe wieder zunimmt. „Die Treffen sind keine vertane Zeit. Der Erfahrungsaustausch ermöglicht eine gegenseitige Hilfestellung. Es gibt Beispiele, die einen trösten und Mut machen. Und es wird auch nicht nur über die Krankheit geredet, sondern wir sitzen auch mal einfach nur zusammen und quatschen”, lautet ihr persönliches, positives Resümee. Eben genau die Vermittlung solcher „guten Aussichten” sei auch der Grund gewesen, warum sie die Gründung der Selbsthilfegruppe angeschoben hatten. Nachdem sie nämlich selbst ihre Leukämie-Erkrankung überstanden hatten, mussten sie feststellen, dass es „ein 'Weiter so' wie vorher” nicht mehr gab. Vielmehr hatten und haben sie mit den Folgen - der Bewältigung krankheitsbedingter, persönlicher und sozialer Beeinträchtigungen - zu kämpfen. Und genau darüber hätten sie sich gerne mit anderen Betroffenen ausgetauscht, doch in der Region habe es so etwas nicht gegeben.

„Ich habe auch erst gedacht, dass ich jetzt wieder mein normales Leben leben und nach der Reha wieder durchstarten kann”, berichtete Schönepauck. Doch die Realität sah anders aus. Nachdem er zuerst noch vorhatte, in Teilzeit zu arbeiten, steht nun aktuell die Erkenntnis an: „Es geht nicht mehr.” - „Höre auf deinen Körper”, lautete entsprechend eine der Erfahrungen, die die beiden erst selbst erleben - und schließlich auch akzeptieren - mussten. Eine weitere Erkennt­nis: Es sei wichtig, als selbstbestimmter Patient aufzutreten.

Und genau darum geht es ihnen in der Selbsthilfegruppe: Dass hier alle Teilnehmer voneinander lernen können, Tipps geben und erhalten. In lockeren Gesprächen sollen Erfahrungen ausgetauscht werden zu Themen wie leukämiebedingte Fatigue, individuelle Therapie-Möglichkeiten, Leben nach einer Chemotherapie und einer Stammzellen-Transplantation, Nachfolge-Erkrankungen, Medikation und ihre Nebenwirkungen oder die Möglichkeiten der Unterstützung durch Krankenkassen oder bei der Rente.

Das nächste Treffen, zu dem neben Betroffenen auch Angehörige herzlich willkommen sind, findet am kommenden Dienstag, 25. Februar, um 19 Uhr im Familienzentrum statt. Horn und Schönepauck hoffen auf eine gute Resonanz - auch für die weiteren Treffen. „Der Idealfall wäre, dass irgendwann so viele teilnehmen, dass auch getrennte Gruppen für Betroffene und Angehörigen möglich werden.”

„Es ist ein Angebot. Wir freuen uns, wenn es wahrgenommen wird”, sagen sie und wollen jetzt erst einmal schauen, was passiert. „Wenn es nicht funktioniert, gehen wir eben andere Wege”, wollen sie jedoch in jedem Fall ihr Engagement fortsetzen und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen: „Wir haben noch viele Ideen.”

Kontakt: Weitere Infos gibt es unter 0 49 42 / 20 58 972 sowie via E-Mail über stefan-schoenepauck@t-online.de und karin.horn.aurich@web.de.

Beim „Tag der seltenen Erkrankungen”, der am 6. März im Auricher Familienzentrum stattfindet, soll es einen Infostand der Gruppe geben.

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