Landkreis Aurich
Wirtschaft

Schausteller in den Startlöchern ausgebremst

Familie von Halle wird mit den Folgen der Corona-Pandemie für die Branche konfrontiert.

Von Elke Schoolmann

Großefehn. „Für uns brach eine Welt zusammen“, sagt Theo von Halle, der mit allen anderen Schaustellern im Frühling in den Startlöchern stand und sich auf die neue Saison freute. Normalerweise würde das Frühlingsfest in Wilhelmshaven den Auftakt bilden und die Familie käme erst nach dem Zeteler Markt im November wieder nach Hause. „Insgesamt sind das rund 70 Veranstaltungen, die wir pro Jahr als reiner Familienbetrieb mit Bruder, Kindern und Neffen mit zahlreichen Geschäften beschicken“, sagt von Halle. Nun sitzt er mit seiner Frau Tina auf der Terrasse in Großefehn und erzählt von der Ausnahmesituation, die die Corona-Pandemie ausgelöst hat.

Als im März dieses Jahres die ersten Veranstaltungen abgesagt wurden, hätten sie noch auf Ostern und dann auf Pfingsten gehofft. Bis dann klar wurde, dass bis mindestens Ende August keine Jahrmärkte und Volksfeste stattfinden würden. „Nun stehen unsere Fahrgeschäfte und Verzehrbuden zusammengebaut auf Lkws in der Halle“, sagt der Schausteller. Das sei grad ein wirklich trauriger Anblick. Von den finanziellen Auswirkungen ganz zu schweigen.

Die Soforthilfe des Bundes sei da nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Deshalb würden sich die Berufsverbände des Schaustellergewerbes nun gemeinsam für ein staatliches Rettungsprogramm einsetzen. Der Forderung des Deutschen Schaustellerbundes wird durch Aktionen der Schausteller in ganz Deutschland Nachdruck verliehen, sagt von Halle auch als Vorstandsmitglied des Vereins reisender Schausteller Ostfrieslands. So auch Pfingstsamstag in Norden, wo Jungschausteller aus Ostfriesland auf dem Torfmarkt auf ihre Situation aufmerksam machten.

Als einer der ältesten Betriebe der Art in Ostfriesland reise man im Radius von rund 300 Kilometern und beschicke Jahrmärkte und Volksfeste inklusive der ostfriesischen Inseln bis ins Emsland, nach Cuxhaven und auch noch bis Burgdorf vor Hannover. Und nun hat Theo von Halle zum ersten Mal einen richtigen Sonnenuntergang an den längeren Tagen in Großefehn gesehen, wie er sich erinnert. Dabei sei dieses Jahr für Sohn Timo von Halle auf dem Esenser Schützenfest die Premiere des größten Autoscooters Norddeutschlands geplant gewesen, mit einer Größe von 36 mal 17 Metern und 28 Fahrzeugen fassend. Bei dem Bau der Anlage sei es allerdings durch die Pandemie zu Verzögerungen gekommen. „Heute zählt der Autoscooter immer noch zu den Hauptzweigen des Unternehmens“, sagt von Halle und blickt auf die Historie des Unternehmens und damit auf die der Familie zurück.

Nun hoffe man darauf, dass es weitergehen kann. Wenn auch vielleicht in veränderter Form, wie er sagt. Hauptsache, sie könnten alle wieder unterwegs sein und mit der uralten Tradition des Schaustellergewerbes wieder Freude und Abwechslung in den Alltag der Menschen bringen.

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