Landkreis Aurich
Herausforderungen für Erzieher und Pädagogen

Sandkasten und Rutsche allein reichen nicht

Attraktive Kinderspielplätze und Schulhöfe sind Thema bei einem Austausch im Rahmen der Fortbildungsreihe „Bildung braucht Räume“.

Ostfriesland. Büsche, Bäume, Hügel und Höhlen - das mögen Kinder. Dort, wo sie rennen, klettern, sich verstecken und im Matsch spielen können, fühlen sie sich am wohlsten. Davon sind Erzieher und Pädagogen überzeugt. Allerdings hat die Sache einen Haken: Die meisten Spielplätze sind entweder pflegeleicht gepflastert oder fallen allgemeinen Sicherheitsbedenken zum Opfer. Dass es in Kitas und Schulen auch ganz anders geht, zeigten jüngst zwei Architekten.

Markus Brand, Dipl.-Ing. für Landschaftsarchitektur und Lehrbeauftragter der Fachhochschule Bielefeld, hat es sich auf die Fahne geschrieben, Schulhöfe und Kinderspielplätze möglichst natürlich zu gestalten, um der „zunehmenden Verhäuslichung von Kindern“ entgegenzuwirken, wie er es beschreibt. Auch Dipl.-Ing. Thomas Gräbel betrachtet Schule nicht nur als Lernort, sondern zugleich als Lebensort. Beide engagieren sich, „dem Außengelände von Schulen und Kindergärten die gleiche Wertigkeit zukommen zu lassen, wie die von Funktionsräumen.“

Dass dies eine enorme Herausforderung für Erziehende und Lehrkräfte ist, zeigte der Austausch im Rahmen der Fortbildungsreihe „Bildung braucht Räume“, zu der das Regionale Pädagogische Zentrum (RPZ) der Ostfriesischen Landschaft, die Hochschule Emden/Leer, das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) und die Arbeitsstelle für evangelische Religionspädagogik in Ostfriesland (ARO) kürzlich eingeladen hatten.

Freizeit wird heute nicht mehr so selbstverständlich wie früher im Freien verbracht; körperliche Betätigungen sind seltener geworden. Auch hat sich der Medienkonsum von Kindern verändert. Phänomene wie stundenlanges Sitzen, Übergewicht und Unsportlichkeit verlangen nach einer bewegungsfreudigen, altersgerechten Gestaltung des Außengeländes von Kita und Schule.

Nach Erkenntnissen von Experten brauchen Spielplätze mehr als nur einen Sandkasten, eine Rutsche und eine Schaukel. Sie sprechen von „naturnahen Bewegungsbereichen“, in denen Kinder nach Herzenslust kreativ sein und sich ausprobieren können – zum Beispiel beim Klettern auf Bäumen, Brücken, Leitern, Treppen, Baumstämmen, Steinen oder beim Versteckspiel im Gebüsch. Das aber werde aus Sicherheitsgründen oft nicht genehmigt, kritisierte Markus Brand. Dabei entdeckten Kinder ihre Umwelt stets entsprechend ihren motorischen Fähigkeiten. Die Verletzungsgefahr sei erfahrungsgemäß nicht höher als dort, wo Sicherheitsaspekte die Hauptrolle spielten.

Ein Schulhof müsse jedoch kein Gummiplattenplatz sein, sondern könne ähnlich attraktiv gestaltet werden wie ein Park, zeigte Thomas Gräbel an gelungenen Beispielen aus unterschiedlichen Bildungseinrichtungen. Dies gelinge allerdings nur, wenn Schüler und Lehrkräfte an jeder Phase des Planungsprozesses mit ihren Ideen und Vorschlägen beteiligt würden, so sein Ratschlag.

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