Landkreis Aurich
Tierschutz

Rettung für Rehkitze kommt aus der Luft

Ihlower Jäger wollen mit einer Drohne auf Weideflächen nach den Jungtieren suchen.

Von Hans-Ulrich Meyer

Ihlow. Mit einem Drohnenführerschein und der 18000 Euro teuren Ausrüstung einer Drohne mit Wärmebildkamera gehen mittlerweile die Jägerin Marina Stille sowie die Jäger Thomas Rodenbäck und Willi Popp vom Hegering Riepe auf die Suche nach Rehkitzen im hohen Gras von Weideflächen. Die moderne Technik wurde mit Hilfe von Sponsoren wie alsa-hundewelt und Landguth, Bingostiftung, Raiffeisenbank, Lohnunternehmen Enninga und der Biogasanlage Hammrich-Gas unterstützt. Den Drohnenführerschein haben die Jäger aus der eigenen Tasche bezahlt. „Was uns noch fehlt, ist ein kompakter, handlicher Notstromaggregat um die Akkus zu laden“, betonen die ehrenamtlichen Jäger. Wer helfen möchte, kann sich bei den drei Drohnenpiloten melden.

Vor dem ersten Mähen ist ein Landwirt verpflichtet, seine Wiese auf vom Muttertier abgelegte Kitze zu überprüfen, um die Jungtiere vorm Mähwerk der Trecker zu schützen. Der Hegering Riepe betreut in acht Revieren eine Fläche von 6500 Hektar. „Normalerweise arbeiten wir in unserem Hegering Riepe, allerdings bieten wir bei freien Kapazitäten unsere Hilfe auch an anderen Standorten an. Über eine kleine Spende würden wir uns freuen", so die Jäger.

Nach Schätzungen anerkannter Stellen fallen jedes Jahr in Deutschland knapp 100 000 Kitze den Mähmaschinen zum Opfer, von den Verlusten anderer Tiere wie Bodenbrüter ganz zu schweigen. Dies kann verhindert werden, wenn Landwirte und Jäger kooperativ zusammenwirken. Hierzu sind beide gesetzlich verpflichtet: der Jagdpächter als Jagdausübungsberechtigter aufgrund seiner Hegepflicht, der Landwirt als Verursacher und falls er Eigentümer der Fläche ist, zusätzlich als Inhaber des Jagdrechts, das ebenfalls mit der Hegepflicht untrennbar verbunden ist.

Die Emder Zeitung sprach mit den drei Jägern und ausgebildeten Drohnenpiloten.

Emder Zeitung: Wart ihr mit Drohne und Wärmebildkamera bereits erfolgreich und habt Kitze ausfindig gemacht?

Jäger Thomas Rodenbäck: Die ersten Kitze haben wir gefunden und Gelege gerettet. Die Kitze, die Ende April bis Ende Mai zur Welt kommen, bleiben nämlich an genau dem Ort liegen, an dem sie von dem Muttertier abgelegt wurden. Meist ist das im hohen Gras und auf Feldern. Die Kitze bewegen sich bis zu einem Monat sprichwörtlich kein Stück vom Fleck. Auch vor einem lauten Trecker mit Mähwerk flüchten sie nicht. Das ist quasi ihre Lebensversicherung. Sie bleiben an Ort und Stelle, da die Ricke genau weiß, wo das Kitz liegt. Ohne das Muttertier sind die Kleinen hilflos und aufgeschmissen.

Wie erleichtert die Arbeit mit einer Drohne eure Suche nach Gelegen der Kitze?

Jägerin Marina Stille: Die Arbeit mit einer Drohne ist viel besser als das Ablaufen zu Fuß und ein erheblicher zeitlicher Vorteil. Die Hunde konnten in der Vergangenheit nur bedingt hilfreich sein. Denn Rehkitze geben fast keine Witterung ab. Das ist ein von der Natur installierter Schutzmechanismus, da die Jungtiere sonst mit Leichtigkeit dem Fuchs zum Opfer fallen würden.

Wie geht Ihr bei der Drohnensuche vor?

Willi Popp: Normalerweise wird in einer Ecke der landwirtschaftlichen Fläche nach vorheriger Absprache mit dem Jagdpächter die Drohne gestartet und in einer Höhe von etwa 15 bis 20 Metern mit einer sogenannten Quersuche begonnen. Gleichzeitig gehen auch noch mit Walkie - Talkie ausgestattete Helfer über die Fläche, weil sich die Drohne bis zu 800 Meter vom Standort des Drohnenpiloten entfernen könnte. Am Fundort angekommen wird über das Rehkitz ein Wäschekorb gestülpt und Pfähle in den Boden gesteckt. An den Pfählen wird ein Flatterband befestigt. Somit kann der Landwirt beim Grasschneiden erkennen, wo sich ein Tier befindet und den Bereich aussparen. Ist die Arbeit erledigt, wird der Korb wieder entfernt und die Ricke kann wieder zu ihrem Kitz.

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