Landkreis Aurich
Corona-Krise

Reha-Kliniken haben Angst vor Pleitewelle

Der Vorstand der Gruppe „Dr. Becker“ in Norddeich schlägt Alarm und kritisiert das Bundesgesundheitsministerium.

Von Ute Lipperheide

Köln/Norddeich. Wenn es so kommt, wie geplant, dann werden Rehabilitationskliniken wie die in Norddeich, die zur Unternehmensgruppe „Dr. Becker“ gehört, massenhaft in die Insolvenz getrieben. Das hat Ursula Becker, Geschäftsführerin und Vorstand der Unternehmensgruppe, in verschiedenen Stellungnahmen in den vergangenen Tagen deutlich gemacht.

„Das ist eine ganz schwierige Situation, auch für uns“, sagte Unternehmenssprecherin Rebecca Jung in einem Gespräch mit der Emder Zeitung. Stationäre Vorsorge- und Rehakliniken stünden bereit, um während der Corona-Pandemie Krankenhäuser zu unterstützen und einen wesentlichen Beitrag bei der Patientenversorgung zu leisten. Jung: „Vorbereitungen und Maßnahmen sind bereits dafür getroffen worden.“

Die Reha-Kliniken machten Platz, um Krankenhauspatienten zu übernehmen. Oder auch, „wenn es drauf ankommt“, Coronainfizierte und beatmete Patienten.

Es sei aber nach wie vor nicht gesichert, wie die Reha-Kliniken in den nächsten Wochen ihre deutschlandweit rund 120 000 Beschäftigten bezahlen können. „Die Vorsorge- und Rehakliniken wurden im vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten Referentenentwurf des Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetzes nahezu vergessen, hob Jung hervor. Auch der überarbeitete Entwurf sehe keinerlei Lösung vor.

Die vorgesehene Einbindung der Vorsorge- und Rehabilitationskliniken in die Patientenversorgung geschehe nur halbherzig, lautet die Kritik aus dem Hause Dr. Becker. Sie führe die Kliniken sogar wegen fehlender finanzieller Absicherung innerhalb weniger Tage in die Pleite.

Vorsorge- und Rehabilitationskliniken, die keine Reha-Patienten mehr behandeln, , können mit sofortiger Wirkung keine Abrechnungen mehr stellen und haben keine Einkünfte mehr. Deshalb fordert Geschäftsführerin Ursula Becker, dass die Reha–Kliniken während der Corona-Krise mit einer Monatspauschale in Höhe des Durchschnitts der letzten zwölf Monate abgesichert werden. Damit wäre den Einrichtungen geholfen.

Es komme jetzt zu absurden Situationen. Dringend benötigte Ärzte und Pflegekräfte müssten in der Krise aus den Reha-Einrichtungen entlassen werden oder in Kurzarbeit gehen.

Die Unternehmensgruppe sieht jedoch in einer „konsequenten Einbindung der Vorsorge- und Rehabilitationskliniken sowie der Krankenhäuser enorme Chancen“. Insgesamt verfügen Reha-Einrichtungen in Deutschland über 167 000 Betten in etwa 1000 Einrichtungen mit rund 120 000 Mitarbeitern. Jung: „Diese Potenziale würden mit dem Gesetzesentwurf nicht erschlossen.“ Existenzen und vor allem Patientenleben stünden auf dem Spiel.

„Das Versprechen, uns zu unterstützen, das große ’whatever it takes‘ („was immer nötig ist“) muss jetzt eingelöst werden Das Gesetz muss unbedingt angepasst werden“, appelliert Geschäftsführerin Becker an die Bundesregierung. Es sei „doch verrückt“, die ersten Zelte aufzubauen, während Rehakliniken mit ihren Einzelzimmern leer stehen. „Wenn die Bundesregierung diesen Entwurf nicht korrigiert, wird die hohe Belastung der Corona-Krise Rehakliniken und Krankenhäuser überfordern und zu Insolvenzen führen. Das deutsche Gesundheitssystem ist in Gefahr. Die Kanzlerin muss den Entwurf stoppen“, fordert Becker.

Rehakliniken seien das Back-up in der Krise. Sie mit einzubeziehen, sei unerlässlich, um die drohende gesundheitliche Unterversorgung und Zustände wie in Italien abzuwenden.

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