Landkreis Aurich
Aus dem Gericht

Prozess gegen Mitangeklagte trotz Bedenken fortgesetzt

Die 52-Jährige muss sich weiter im Prothesenskandal verantworten.

Von Martina Ricken

Aurich/Leer. Auch wenn gegen den ehemaligen Chefarzt der Leeraner Wirbelsäulenchirurgie vorerst nicht weiter verhandelt wird, ging der Prozess gegen die 52-jährige Mitangeklagte, die sich wegen Bestechung verantworten muss, jetzt weiter. Die Große Wirtschaftskammer trennte das Verfahren ab.

Die 52-Jährige hat als ehemalige Mitarbeiterin einer Firma, die Medizinprodukte - darunter auch Bandscheibenimplantate - vertreibt, in engem geschäftlichen Kontakt mit dem angeklagten Chefarzt gestanden. Ihr früherer Arbeitgeber soll den Wirbelsäulenchirurgen durch eine Umsatzprovision dazu veranlasst haben, die Implantate seiner Firma bevorzugt einzusetzen.

Der Verteidiger der Angeklagten war mit der Abtrennung des Verfahrens nicht einverstanden. „Das ist in diesem Fall schwierig, weil wir einen verklammerten Vorwurf haben“, so die Argumentation des Anwalts. Außerdem sei die Kammer wohl nicht mehr in der Lage, das Verfahren gegen den Chefarzt unbefangen zu führen, falls gegen seine Mandantin ein Schuldspruch gefällt werden würde. Zudem würde der Angeklagte als wichtige Informationsquelle fehlen, zumal dessen Verteidiger ihm gegenüber mitgeteilt hätten, dass am folgenden Verhandlungstag eigentlich eine Einlassung des Chefarztes erfolgen solle.

Die Kammer nahm die Argumente entgegen, änderte aber ihre Entscheidung nicht, wies auch den Antrag auf Unterbrechung des Prozesses ab und fuhr mit dem Beweisprogramm fort. Unter anderem wurde noch einmal der Prokurist des Klinikums gehört zu der Frage, warum der Polizei noch am 17. Dezember, als der Prozess bereits im vollen Gange war, Unterlagen überreicht wurden. Der Zeuge berichtete, dass man Zahlungsflüsse von Firmen an den Chefarzt noch einmal aufgearbeitet habe, weil auch noch Schadenersatzverfahren anstünden. „Wir haben Zahlungen für Vorträge und Ähnliches verglichen mit seiner Anwesenheit im Haus“, sagte der Zeuge. Dabei habe man nicht nur die Dienstpläne, sondern auch Operationsunterlagen sowie konkrete Aufstellungen zu Ambulanzpatienten abgeglichen. „Da passte einiges nicht zusammen“, so der Prokurist.

Das alles sei eigentlich kein neues Thema gewesen. Neu sei nur gewesen, dass man das alles systematisch zusammengestellt, der Polizei erläutert und übergeben habe.

Der Prozess gegen die Mitangeklagte wird am 25. Februar fortgesetzt. Wann der Prozess gegen den ehemaligen Chefarzt neu gestartet wird, steht noch in den Sternen.

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