Landkreis Aurich

Plattdeutsche Straßenschilder stehen auf der Kippe

Gemeinde Großefehn will jetzt plattdeutsche Straßennamen durch hochdeutsche ersetzen.

Von dpa-Mitarbeiter

HANS-CHRISTIAN WOESTE

Großefehn. Die Globalisierung macht auch vor alten Traditionen in Ostfriesland nicht mehr Halt. Dort sind plattdeutsche Straßen- und Ortsnamen in vielen Teilen selbstverständlich und zeugen von der hohen Identität der Ostfriesen mit Kultur und Geschichte der Region. Doch nun hat der Rat der Gemeinde Großefehn beschlossen, plattdeutsche Straßennamen in einem Gewerbegebiet durch hochdeutsche Straßennamen zu ersetzen.

Dadurch sollen ortsfremde und nicht plattdeutsch sprechende Lieferanten besser den Weg zu den Firmen finden. „Mir fehlen ob dieses Blödsinns echt die Worte”, schimpft Arno Rademacher aus Leer erbost. „Viele Menschen kämpfen seit Jahren für den Erhalt der plattdeutschen Sprache. Ich kenne eher den Weg, dass alte Flur- und Ortsnamen wieder eingeführt werden - und nun so etwas!” Rademacher ist Bundesvorsitzender der Partei „Die Friesen”, die sich für mehr Rechte der als nationale Minderheit anerkannten Volksgruppe einsetzt.

Nicht auszusprechen

Besonders unverständlich findet er die Begründung des Rates Großefehn: Kunden und Lieferanten könnten die plattdeutschen Straßennamen nicht richtig aussprechen. „Viele haben doch heute ein Navigationsgerät. Da kommt es nur darauf an, den Namen richtig abzuschreiben”, meint Rademacher. Bei einem Sachsen könne man „mit großer Wahrscheinlichkeit” davon ausgehen, dass er einen hochdeutschen Straßennamen auch nicht richtig aussprechen könne. Außerdem kann Rademacher nicht nachvollziehen, was etwa an dem Namen „Timmermannsring” so schwierig auszusprechen ist. Dann müsse man ja als Konsequenz auch historische Ortsnamen wie „Upleward” umbenennen.

Der Aktivist im Kampf für die Friesen-Kultur hofft nun, dass der „Unsinn” aus Großefehn noch nicht zur Europäischen Union vorgedrungen ist. „Ansonsten gibt es bald eine EU-Richtlinie über die Zulässigkeit von Straßennamen”, sagt Rademacher. Er appelliert an die Gemeinde Großefehn, die Entscheidung zu revidieren: „Wenn wir selber unsere Sprachen, unsere Kultur und Identität so gering schätzen und sie leichtfertig ersetzen, wie wollen wir dann erwarten, dass andere sie achten?”

Eine völlig andere Sicht der Dinge hat die Gemeinde Großefehn, die sich zu Unrecht am Pranger sieht. „Das ist eine ganz begrenzte Aktion”, wiegelt Olaf Meinen ab. Der Bürgermeister fühlt sich alten Traditionen durchaus verpflichtet. Die umliegenden Orte sind auch als Fehnsiedlungen bekannt. Sie wurden vor Jahrhunderten von Siedlern gegründet, um die riesigen Moorgebiete trocken zu legen. „Die Umbenennung betrifft nur ein 2003 gegründetes Gewerbegebiet”, beteuert Meinen.

Nicht richtig verstehen

Es sei durchaus problematisch, wenn Lieferanten die manchmal phonetisch komplizierten Ortsnamen am Telefon nicht richtig verstehen könnten. „Noch können wir das jetzt ändern, weil das Gebiet noch jung und die Bebauung noch nicht fortgeschritten ist.” Historische Namen sollten jedoch generell erhalten bleiben, versichert der Bürgermeister: „Das ist ein Anliegen unserer Gemeinde.”

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