Landkreis Aurich
Theater In Der Corona-Krise

Niederdeutsches Theater bleibt in diesem Jahr geschlossen

Der Vorhang wird sich in diesem Jahr nicht mehr heben. Nach der Corona-Zwangspause dürfte das Niederdeutsche Theater in Aurich zwar wieder öffnen. Doch wie sollen die Schauspieler auf der Bühne einen Mindestabstand wahren?

von Svenja Fleig

Aurich. Kurz vor der Premiere kam die Absage. Als das Corona-Virus das öffentliche Leben im März zum Stillstand brachte, war in Aurich gerade die Hauptprobe für die neueste Inszenierung abgeschlossen. Die Karten waren verkauft. Viele Menschen wollten sich „Die Welle“ auf Plattdeutsch ansehen. Einige der jugendlichen Darsteller standen vor ihrer Bühnenpremiere, fieberten ihrem Auftritt entgegen. Wann und ob es dazu kommen wird, ist nun unklar. Denn das Niederdeutsche Theater bleibt in diesem Jahr geschlossen.

Es wäre für den kleinen Verein fatal, wenn sich ein Besucher oder Darsteller während einer Vorstellung mit dem Corona-Virus infizieren würde, sagt Heike Tunder vom Trägerverein. „Die Abstandsregeln sind gravierend“, sagt sie. Zwar könnten die Auflagen im Zuschauersaal noch umgesetzt werden. Dieser bietet normalerweise Platz für rund 150 Gäste. „Aber die Abstände auf der Bühne einzuhalten, ist für uns unmöglich“, sagt die Vereinsvorsitzende. Bis zu zwölf Darsteller wären gleichzeitig auf der Bühne. Schließlich handelt „Die Welle“ von einer Schulklasse, die sich einem sozialen Experiment unterzieht. Das Stück basiert auf einem gleichnamigen Roman von Morton Rhue. Von der Inszenierung hatte sich die Amateurbühne eine große Anziehungskraft für Jugendliche erhofft. Es soll nun im kommenden Jahr aufgeführt werden. Unklar ist, ob das Stück von der ursprünglichen Besetzung gespielt werden kann.

Die Schauspieler

Manche der Jugendlichen stehen kurz vor ihrem Schulabschluss. „Wir können noch nicht abschätzen, ob im kommenden Jahr überhaupt noch alle Spieler zur Verfügung stehen“, sagt Tunder. Die jungen Darsteller sind zwischen 14 und 19 Jahre alt. Sie haben drei Monate lang in ihrer Freizeit für „Die Welle“ geprobt. Teilweise kamen sie aus der vereinseigenen Theaterwerkstatt. Die Mehrheit sei aber extra für diese Inszenierung zum Ensemble hinzugestoßen. „Und darauf waren wir stolz: Dass wir wieder ganz neue und junge Gesichter in unseren Reihen haben“, sagt die Vorsitzende.

Der Verein hat sich den Erhalt der plattdeutschen Sprache zur Aufgabe gemacht. Das Theater ist aus dem Auricher Heimatverein hervorgegangen. Dieser hat sich seit 1921 der Pflege des heimischen Kulturguts verschrieben. Um die plattdeutsche Sprache zu bewahren, bemüht sich der Theatervorstand aktiv um junge Menschen. Nun bereite ihr Sorgen, inwiefern man die Jugendlichen durch die lange Pause am Theater halten könne, sagt Tunder. Auch die für den Herbst geplante Inszenierung wurde verschoben.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen

Das Theater finanziert sich laut Tunder neben den Beiträgen der rund 80 Mitglieder hauptsächlich über die Eintrittsgelder. Jedes Jahr inszeniert die Amateurbühne zwei Stücke. Diese werden mindestens zehn Mal aufgeführt. Pro Vorstellung bezahlt der Verein eine Gebühr an den Verlag, der die Rechte an dem Stück besitzt. Hinzu kommen Kosten für die Kostüme und Requisiten. Teuer kann die Musik werden. Die Rechte daran muss der Verein mieten, in manchen Fällen auch kaufen. „Für ein Amateurtheater kann da schon einiges zusammenkommen“, sagt Tunder.

„Wir hatten großes Glück, dass unser aktuelles Stück kein kostenaufwendiges ist“, erklärt die Vorsitzende. Die Investitionen seien überschaubar gewesen. Auch wenn der Verein derzeit nicht aktiv ist, muss er Miete und Versicherungen weiterbezahlen. Zusätzliche Kosten entstehen, wenn bereits gekaufte Karten aufgrund der Corona-Krise zurückgegeben werden.

„Glücklicherweise haben wir in den vergangenen Jahren sehr gute Spielzeiten gehabt“, sagt Tunder. Der Verein habe dadurch etwas Geld ansparen können. Damit könne sich das Theater über dieses Jahr retten. “Ein weiteres Jahr könnten wir so aber nicht überstehen“, sagt die Vorsitzende. Soforthilfen habe der Verein indes nicht beantragt. „Wir haben im Vorstand beschlossen, dass die zur Verfügung stehenden Geldern den Vereinen und Theater zu Gute kommen sollen, die sie dringender nötig haben“, erklärt Tunder.

Immerhin könne sich das Auricher Theater auf seine Zuschauer stützen. Kaum jemand habe seine Eintrittskarten zurückgegeben. „Wir haben gemerkt, dass unsere Zuschauer im Herzen bei uns sind“, sagt die Vorsitzende. Der Verein realisiert den Theaterbetrieb im Ehrenamt. Von der Regie bis zur Reinigung: Mehr als drei Viertel der Mitglieder engagiere sich aktiv, sagt Tunder. Viele Zuschauer hätten sich seit dem Ausbruch der Pandemie gemeldet und dem Verein Mut zugesprochen. Der Tenor: „Wir warte so lange, bis ihr wieder spielen könnt.“

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