Landkreis Aurich
Pastor spricht über Geschehnisse von 1944

Neuigkeiten im "Platt Blatt"

Die Mitgliederversammlung des Vereins Oostfreeske Taal fand am Samstag statt. Carl Osterwald berichtete über das KZ in Engerhafe.

Von Theo Gerken

Engerhafe. Auch ohne anstehende Vorstandswahlen sind knapp 30 Mitglieder des Vereins Oostfreeske Taal, Vereen för oostfreeske Spraak un Kultur, am Samstag zur Mitgliederversammlung in den Gulfhof Ihnen nach Engerhafe gekommen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Vortrag des Pastors i. R. Carl Osterwald vom Verein Gedenkstätte Engerhafe. Den Jahresbericht des Vorstandes präsentierte der erste Vorsitzende des Vereins, Hans Freese (Ulbargen). Bei den Mitgliederzahlen wurde ein leichter Rückgang von 931 Ende 2017 auf 903 Ende 2018 registriert.

Sechsmal pro Jahr soll künftig ein „Platt Blatt“ erscheinen und die Vereinsmitglieder mit den neuesten Informationen versorgen. Dabei hat sich ein sechs Seiten starkes Format bewährt. Neben den Einladungen zur Jahresversammlung oder zur Verleihung des „Keerlke-Preises“ sind aktuelle Nachrichten sowie Hinweise auf die Kontrei-Versammlungen oder auch Büchervorstellungen vorgesehen. Die Kosten belaufen sich auf 900 Euro pro Jahr. Texte, ausschließlich in plattdeutscher Sprache, sind willkommen.

Eindrucksvoll und authentisch schilderte Osterwald die Geschehnisse in den letzten Monaten des Jahres 1944 auf dem Gelände direkt neben dem Gulfhof Ihnen. In einem zunächst für niederländische Zwangsarbeiter genutzten Barackenlager wurde vom 21. Oktober 1944 bis zum 22. Dezember 1944 eine Außenstelle des KZ Neuengamme (bei Hamburg) eingerichtet. Das Lager befand sich auf beiden Seiten der heutigen Straße Dodentwenter.

Von den dort untergebrachten rund 2000 Personen, das waren überwiegend politische Gefangene aus ganz Europa, starben wegen der katastrophalen hygienischen Verhältnisse insgesamt 188 Gefangene. Sie wurden in einem Massengrab am Rande des Engerhafer Friedhofs beigesetzt. Die Gefangenen mussten täglich zu Fuß nach Georgsheil marschieren, wurden dann mit der Bahn nach Aurich transportiert und dort zum Bau des Friesenwalls eingesetzt.

Hans Freese machte noch vor seinem Jahresbericht deutlich, dass das Thema KZ Enger-hafe immer noch enorm wichtig sei: „Das bewegt uns immer wieder. Wir müssen aufpassen, dass es nicht noch einmal passiert.” Freese stellte sich dann selbst die Frage „Was machen wir mit unserem Geld?“ und berichtete dann über die verschiedenen Projekte, die vom Verein unterstützt worden waren.

Ein wichtiges Projekt wurde inzwischen abgeschlossen. Das von Dr. Otto Buurmann (1890-1967) herausgegebene plattdeutsche Wörterbuch wurde eingescannt und in eine durchsuchbare PDF-Datei umgewandelt. Diese kann auf der Homepage der Landschaftsbibliothek eingesehen werden. „Das Projekt ist abgeschlossen, es wird gut angenommen“, so Freese. Der Verein Oostfreeske Taal unterstütze Projekte, initiiere aber selbst nicht, machte Freese deutlich.

Eine gesunde Finanzlage des Vereins präsentierte „Penningmeester“ Hinrich Ernst. Beanstandungen gab es keine. Zum Tagungsordnungspunkt „Wat d'r anners noch anliggt“ schlug Antje Gronewold (Holtrop) vor, Kontakt mit den Verantwortlichen des Projekts „ANNO“ aufzunehmen, um Möglichkeiten zum Erhalt der alten vom Verfall bedrohten „Plaatsen“ (Bauernhöfe) zu suchen. „Die gehören zu unserer Kultur“, stellte Gronewold fest.

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