Landkreis Aurich
Filigranes Handwerk

Modellbauer zeigt sein Können

Der führende deutsche Modellbauer Andy Möbius präsentierte in Greetsiel seine Tricks.

Von Nicole Frischlich

Krummhörn. Wie kommt ein Schiff in die Flasche? Bootsbauer Andy Möbius (61) aus Wirdum/Altendeich hat Interessierten in Greetsiel die Tricks der Profis verraten. In seinem Kurs konnten sie an zwei Tagen à sechs Stunden die Fertigkeit erlernen. „Bereits seit 300 Jahren werden im Allgäu und im Erzgebirge allerlei szenische Darstellungen in Flaschen gezeigt”, sagte Möbius. „Sie werden auch Geduldsflaschen oder Eingericht genannt.”

Das Buddelschiff allerdings ist norddeutsch, betont der Wirdumer. Und auch hier ist wahre Handarbeit und Präzision gefordert, um meist Segelschiffe in die Flaschen zu bringen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es eine hochwertige Buddelschiff-Kultur, geprägt von Modellbauern aus den Schiffswerften. Der Boom folgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Besonders kostbare Stücke befinden sich in fast allen maritimen Museen der Welt. „Zu dieser Zeit galt der Buddelschiffbau als ein sehr beliebtes Hobby”, so Möbius. „Lange umgab den Buddelschiffbau eine Art Geheimnis.” Es gebe eine Flüssigkeit, die die Hand so geschmeidig mache, dass sie mühelos durch den engen Hals einer leeren Rum- oder Kornflasche gleite, um im Bauch der Flasche das Schiff aufzubauen, hieß es damals.

Möbius, der in Friedrichshafen am Bodensee aufwuchs, kam vor 30 Jahren nach Ostfriesland. Er hat bereits 1500 Schülern das filigrane Handwerk beigebracht, zählt zu den besten Buddelschiff-Bauern in Deutschland. „Aber das hier ist in diesem Jahr eine Premiere für mich“, sagte der Schiffbauer in Greetsiel. Eigentlich baue er mit seinen Schülern einen Einmaster mit drei Segeln an drei Tagen. „Hier bauen wir einen Einmaster mit zwei Segeln in zwei Tagen“, sagte er. Den Schiffsrumpf hat er bereits fertiggestellt, er wird außerhalb der Flasche zusammengebaut. Am ersten Tag wird dabei am Flaschengrund mit Knete und Farbe zunächst das blaue Meer erschaffen, dann der Holzkorpus bemalt.

Am zweiten Kursabend wurde es für alle sehr spannend, aber auch kompliziert. Viele saßen angestrengt mit hochrotem Kopf über der filigranen Handarbeit. Konzentriert wurden Fäden gezogen. Segel wurden mit Knoten am Mast angebracht und das Schiff in die Flasche eingeführt, bevor der bewegliche Mast an Fäden hochgezogen wurde, um ihn in im blauen Meer aus Plastilin zu verkleben.

Allen Teilnehmern gelang der Stapellauf. „Aber das war nicht einfach”, sagte ein Kursteilnehmer. „Es ist viel Konzentration und Fingerfertigkeit gefragt, aber ein tolles Gefühl, wenn sich das eigene Schiff in der Flasche aufrichtet.”

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