Landkreis Aurich
Migrationsausschuss

Migrationsbericht: Hilferuf trotz erfolgreicher Bilanz

Der Landkreis Aurich liegt bei der Integrationsquote im Landesvergleich auf Rang zwei. Allerdings geht die Auswertung lediglich bis Ende 2019. Corona hatte somit keinen Einfluss.

Von Werner Jürgens

Aurich. Am vergangenen Donnerstag legte der Migrations-Koordinator des Landkreises Aurich Frank Martens im Migrationsausschuss den dritten Bericht seiner Behörde vor. Sein Fazit für die vergangenen Jahre fiel dabei grundsätzlich positiv aus. Mit einer Integrationsquote 33,3 Prozent rangiert der Landkreis Aurich im landesweiten Vergleich auf einem hervorragenden zweiten Platz. Allerdings gehen die ausgewerteten Zahlen lediglich bis einschließlich Dezember 2019.

Mögliche Folgen der Corona-Krise finden somit noch keinerlei Berücksichtigung. Dass die Pandemie auch für die Situation der Migranten negative Auswirkungen hat, wurde spätestens deutlich als Helene Frieden von der Stabsstelle Integration des Johanniter Regionalverbandes Weser-Ems einen Hilferuf an die Ausschussmitglieder richtete. Die Auricher Johanniter brauchen dringend neue Räumlichkeiten.

Kinderbetreuung ist problematisch

Konkret handelt es sich um Integrationskurse für Frauen, für die oft auch noch eine Betreuung ihrer Kinder organisiert werden muss. Durchgeführt wurden die bisher bei der Auricher Freien Evangelischen Gemeinde. Wegen der Abstandregelungen reichen die dortigen Kapazitäten nun nicht mehr aus. „Wir haben 60 bis 80 Teilnehmerinnen“, berichtete Frieden am Donnerstag. „Die spielen für unsere Integrationsarbeit eine sehr wichtige Rolle. Jetzt haben wir sie gerade aus ihrer Isolation herausgeholt, und nun laufen wir Gefahr, sie wieder zu verlieren.“ Zwar bieten die Johanniter mittlerweile Online-Tutorials an. Die können aber nicht von allen Migrantinnen genutzt werden, „weil manche bei sich zu Hause einfach nicht die erforderlichen technischen Mittle haben“, so Frieden. Tatsächlich stellte, soviel verrät auch der aktuelle Migrationsbericht, die Kinderbetreuung offensichtlich bereits vor Corona ein Problem dar. Jedenfalls wies Martens darauf hin, dass sich einige Migrantenfamilien hier insbesondere aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität schwer tun würden.

Generell verläuft die Integration nach Darstellung des Migrations-Koordinators jedoch erfolgreich. Als einen Indiz dafür wertete er die verbesserten Sprachkenntnisse. Inzwischen haben über 50 Prozent der Migranten im Landkreis Aurich Deutsch A2-Niveau oder höher erreicht. Vor ein paar Jahren bewegte sich dieser Wert noch deutlich unter 50 Prozent. Der Anteil der Migranten, die überhaupt gar kein Deutsch sprechen, liegt bei lediglich 11 Prozent.

Spitzenwert bei der Job-Vermittlung

Ähnlich positiv entwickelt hat sich die Integrationsquote, die jenen Prozentsatz umfasst, der dem Arbeitsmarkt vermittelt werden konnte. Im Landkreis Aurich erreichen die Migranten in diesem Bereich, wie eingangs bereits erwähnt, einen Spitzenwert von 33,3 Prozent. Zum Vergleich: In ganz Niedersachsen beträgt die entsprechende Integrationsquote durchschnittlich etwa 28 Prozent. Diese Differenz würde dem Landkreis allein bei den Unterbringungskosten weit über eine halbe Million Euro einsparen, wie Martens vorrechnete.

Ohnehin ist die Arbeitslosigkeit im Landkreis Aurich bei den Ausländern insgesamt von 2018 auf 2019 rückläufig gewesen, jedoch mit dem kleinen „Schönheitsfehler“, dass die Zahl jener, die ins SGB II und SGB III fielen, gestiegen ist. Als eine Erklärung führte Ausschussmitglied Hans Forster (SPD) an, dass etliche Migranten als „ungelernt“ gelten würden, was aber nicht immer notwendigerweise der Realität entsprechen müsste.

Corona-Studie mit Hochschule geplant

Obwohl die meisten Angebote und Kurse für Migranten während des „Lockdowns“ eingestellt wurden, war man nach Aussage von Martens bemüht, zumindest die Alltagsbetreuung im Rahmen der zulässigen Möglichkeiten irgendwie aufrechtzuerhalten. „Geplant ist in dem Zusammenhang eine Studie in Kooperation mit dem Hochschule Emden über die Auswirkung der Pandemie bei Migranten. Bereits durchgeführt worden ist laut Martens eine Eltern-Befragung mit Blick auf „Home-Schooling“. Bis die Auswertungen vorliegen, wird es aber noch eine Weile dauern.

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