Landkreis Aurich
Auswertung der Einsätze

Mehr Straftaten und mehr Aufklärungen

Die Polizei Aurich/Wittmund stellte ihre Statistik für das Jahr 2019 vor.

Aurich/Wittmund.  Mit einer gemischten Bilanz hat die Polizei Aurich/Wittmund am Dienstagnachmittag in einer Pressemitteilung ihre Auswertung für das vergangene Jahr vorgestellt. Eine dazugehörige Pressekonfernez entfiel dieses Mal.

Die Aufklärungsquote der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund sei im Jahr 2019 mit 68,50 Prozent so hoch wie nie, teilte die Behörde mit. Die Quote liege somit deutlich über dem Landesschnitt von 63,44 Prozent. Die Anzahl der Straftaten im hiesigen Zuständigkeitsbereich sei dabei aber im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. 1070 Taten mehr wurden verbucht - ein Plus von 8,59 Prozent. Insgesamt waren es 13 524 Straftaten. Davon konnten 9 264 aufgeklärt werden.

Im Einzelnen gestiegen ist beispielsweise die Zahl der Rohheitsdelikte, zu denen unter anderem Körperverletzung zählt. Auch wenn der Anstieg um 141 Taten nicht besonders hoch ist, ist auffällig, dass dabei immer öfter Polizeibeamte Opfer von Gewalt werden. Bei 66 Taten leisteten Beschuldigte Widerstand gegen Beamte, bedrohten oder verletzten diese. Davon waren nicht nur 165 Polizeibeamte betroffen, sondern auch fünf Mitarbeiter des Rettungsdienstes. Auch Beleidigungsdelikte seien gestiegen. Hier gab es ein Plus von 99 Taten (16,53 Prozent). "Offensichtlich mangelt es in Teilen der Gesellschaft an Respekt und Achtung gegenüber Amtsträgern. Die zunehmende Verrohung der Gesellschaft ist hier ein Teil des Problems", sagt Polizeidirektor Stephan Zwerg, Leiter der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund.

Die hohe Aufklärungsquote spiegelt sich bei den Wohnungseinbrüchen wieder. Hier konnten 41,40 Prozent der 215 Fälle aufgelöst werden. Dabei handelt es sich um 120 vollendete und 95 versuchte Taten. "Fast jeder zweite Einbruchsdiebstahl blieb damit im Versuchsstadium stecken", heißt es in der Mitteilung. Laut Andreas Jacobs, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, griffen dabei Präventionsmaßnahmen: "Hier spielt eine sehr gute Arbeit des Präventionsteams der PI Aurich/Wittmund eine entscheidende Rolle, das den Bürger seit Jahren über passiven Einbruchsschutz und Sicherungstechnik berät." In 2018 lag die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen noch bei 23,50 Prozent. Dass sie jetzt so hoch liegt, sei laut Jacobs auch auf "die hervorragende Ermittlungsarbeit der zuständigen Kolleginnen und Kollegen" zurückzuführen.

Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Raubstraftat im öffentlichen Raum der Landkreise Aurich und Wittmund zu werden, ist drastisch gesunken. Lediglich sechs Raubstraftaten auf Straßen, Wegen und Plätzen wurden registriert. "Das ist der niedrigste Wert seit mehr als zehn Jahren", so die Polizei.

Zu verzeichnen hatte die Polizei auch einen leichten Anstieg bei Vermögens- und Fälschungsdelikten. 256 Taten mehr wurden hier gezählt. Prozentual sind das 13,06 Prozent. Insgesamt gab es hier 2 216 Taten. Der Anstieg sei im Zehn-Jahres-Vergleich aber eher unauffällig, gab die Polizei zu Bedenken. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich liegt bei 81,66 Prozent. Insbesondere Betrug, wie der Warenbetrug oder Betrug zum Nachteil von Senioren, wurde vermehrt gemeldet. Zum letzteren zählen beispielsweise Schockanrufe, der Enkeltrick, falsche Gewinnversprechen oder Anrufe von falsche Polizisten. Auch in diesem Bereich sorgte die Präventionsarbeit der Polizei dafür, dass viele Taten nicht über das Versuchsstadium hinausliefen.

Im Bereich "Cybercrime" - das heißt Kriminalität im Internet, Computersabotage oder das Ausspähen von digitalen Daten - gab es einen Anstieg um 133 Taten, beziehungsweise 13,18 Prozent. Insgesamt gab es 1 142 Fälle. In diesen Fällen gibt es aber ebenfalls eine hohe Aufklärungsquote von 83,89 Prozent.

Bei der Verbreitung von pornografischen Schriften stellte die Polizei einen Zuwachs von 37,93 Prozent fest. Im Bereich Verbreiten, Erwerb, Besitz und Herstellen kinderpornografischer Schriften waren es sogar 72,22 Prozent. Dabei fällt aber auf, dass viele Tatverdächtige selbst Kinder oder Jugendliche sind. In den meisten Fällen resultiert dies aus fehlender Medienkompetenz. Besonders das Versenden und Teilen von Nackt- oder freizügigen Bildern oder Videos via Smartphone hat laut Polizei überproportional zugenommen. Hier sei auch Präventionsarbeit gefragt. An Schulen klärt die Polizei darüber auf, dass die Kinder durch solches Handeln Straftaten begehen. Die Ahndung dieser Straftaten erfolgt unter anderem mit einer Beschlagnahme des jeweiligen Smartphones und der Löschung des Inhalts. "Häufig sind sich die Kinder und Jugendlichen gar nicht bewusst, dass sie sich mit dem Teilen dieser Bilder und Videos strafbar machen", stellt die Polizei heraus. "Wir appellieren in dem Zusammenhang insbesondere auch an die Erziehungsberichtigten und Lehrkräfte", sagt Jacobs, "Kinder und Jugendliche müssen verstärkt darauf hingewiesen werden, dass das Versenden solcher Bilder und Videos rechtliche Folgen hat."

Insgesamt verzeichneten die Beamten jedoch weniger Straftaten im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität. Die Gesamtzahl von 1 021 Straftaten stellt im Zehn-Jahres-Vergleich den niedrigsten Stand dar. "Dies ist besonders positiv zu bewerten", so die Polizei. Auch die Anzahl der Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt ist leicht gesunken. Hier waren es mit 552 Taten 26 weniger als in 2018.

"Die im Landesvergleich immer noch niedrige Kriminalitätsbelastung und die hohe Aufklärungsquote machen deutlich, dass die Bürgerinnen und Bürger in unseren beiden Landkreisen sicher leben können", zog Leiter Stephan Zwerg Bilanz. "Das ist aber auch ein Verdienst vieler Akteure, wie zum Beispiel der Justiz, Schulen, Behörden und couragierten Zeugen, die uns wichtige Hinweise geben", machte er deutlich.

Kommentare
FOLGEN SIE UNS
Anzeige

KONTAKT ZU UNS

Sie ziehen um oder es gibt Probleme bei der Zustellung? Dann finden Sie Hilfe in unserem Servicebereich

Zum Servicebereich

Sie möchten direkten Kontakt zu einer Abteilung aufnehmen oder haben Anregungen? Dann finden Sie im Kontaktbereich die passende Adresse

Zum Kontaktbereich

AM SEEHAFEN