Landkreis Aurich
Entwicklung der Auricher Innenstadt

Markthallen-Schiff auf unsicherem Kurs

Die Auricher Gastronomen ziehen ihr Konzept zurück. Ob ein zweites Konzept nach mehrmaligen Absagen am 11. Februar vorgestellt wird, ist fraglich. Wie es nach Ablauf des Betreibervertrages Ende März weitergeht, ist ungewiss.

Von Udo Hippen

Aurich. Aktuell herrscht in Sachen Markthalle eine Art Untergangsstimmung. Nachdem die Auricher Gastronomen Arno Fecht und Beyhani Gür Anfang der Woche in einem persönlichen Schreiben an Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) ihre Zukunftsidee für die Markthalle zurückgezogen haben und nicht sicher zu sein scheint, ob der Projektentwickler Ruediger W. Pinno aus Bad Hersfeld seine Idee nach mehrmaligen Absagen an die Stadt am 11. Februar tatsächlich vorstellt, ist die Entwicklung rund um das städtische Glashaus alles andere als klar. Nimmt die aktuelle Gemengelage weiter Fahrt auf, befindet sich das Markthallen-Schiff auf Kollisionskurs, bei dem der 2018 vom Rat beschlossene Erhalt des Bauwerks nicht mehr sicher zu sein scheint. Das Sonntagsblatt sortiert die Gemengelage und skizziert ein Bild der aktuellen Situation:

Konzept-Absage: Dienstag ist es amtlich: Die Idee für eine rein gastronomisch betriebene Markthalle mit unterschiedlichen Themenbereichen und wechselnden Events im Ganztagesbetrieb ist geplatzt. Das Auricher Gastronomenduo Fecht/Gür zieht seine Idee zurück. In einem persönlichen Schreiben an den Bürgermeister sprechen sie davon, dass ihnen nach der Präsentation ihres Konzeptes im November 2019 das Gefühl vermittelt wurde, dass eine reine Gastronomie nicht gewünscht sei.

Tatsächlich gibt es Anzeichen dafür, die diesen Ansatz unterstreichen. So geschehen bereits während der Präsentation im vergangenen Jahr. Sollte das Konzept damals im Sanierungs- und Konversionsausschuss nur öffentlich vorgestellt und Fragen der Politiker zugelassen werden, schreckten Teile der Politik noch während der Sitzung nicht davor zurück, eine Bewertung des Konzeptes vorzunehmen. Eine Tatsache, die im Rahmen des Verfahrens ausdrücklich so nicht vorgesehen war.

Als eine Art Wettbewerbsverzerrung anzusehen ist obendrein, dass dem Mitbewerber aus Bad Hersfeld mehrfach eingeräumt wurde, seine Konzeptvorstellung zu verschieben. Den Aurichern im Gegensatz wurde im November trotz Nachfrage im Ausschuss gesagt, dass sie mit ihrem Konzept nicht warten dürften. Der Tatbestand der Gleichbehandlung scheint hier durchaus in Frage gestellt.

Im Gespräch mit dem Sonntagsblatt machte Arno Fecht aus seiner Enttäuschung über den Ausgang des Markthallen-Engagements keinen Hehl: „Als Auricher bin ich schon enttäuscht darüber, dass es nicht geklappt hat. Ich fühle mich der Stadt sehr verbunden und hätte mich dort für Aurich gerne engagiert.” Er ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass ihm von Anfang an das Gefühl gefehlt habe, wirklich gewollt zu sein. Die mehrfachen Zugeständnisse in Richtung des Projektentwicklers Pinno hätten ihm gezeigt, dass man auf eine Alternative warten würde.

Allerdings müssen sich die Gastronomen auch den Vorwurf gefallen lassen, mit ihrem vorzeitigen Rückzug einer möglichen Absage zuvorgekommen zu sein. Der sogenannte „Schwarze Peter” wird in diesem Kontext der Politik zugeschoben. Eine Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Die Schuld dafür wurde zurückgewiesen.

Reaktion des Bürgermeisters: Aurichs Bürgermeister zeigte sich von der Konzept-Absage überrascht und brachte im Gespräch mit dem Sonntagsblatt sein Bedauern darüber zum Ausdruck. Kommentieren wollte er den Vorgang auf Nachfrage aber nicht weiter. „Die Absage ist in einem persönlichen Brief an mich gerichtet worden”, sagte er. „Daraus werde ich nicht zitieren.” Gleichzeitig ließ er aber durchblicken, dass er hoffe, dass der Projektentwickler Pinno am 11. Februar sein Konzept zumindest vorstelle. Ansonsten müsse man das Verfahren sauber abwickeln und dann entscheiden, wie es weitergehe. Bestand habe weiterhin seine Ankündigung auf dem Neujahrsempfang Anfang Januar in der Stadthalle. Dort sagte er, dass bei der Markthalle ein Leerstand in jedem Fall vermieden werden soll. Schließlich stehe das Gebäude „in bester Lage auf dem Marktplatz”. Daher werde die Verwaltung „alles unternehmen”, um das zu vermeiden.

Zukunftsfrage: Stadtverwaltung und Politik stehen jetzt vor einer Gemengelage, die es nicht einfach macht, eine schnelle Entscheidung herbeizuführen. Abzuwarten gilt weiterhin, ob Projektentwickler Pinno am 11. Februar seine Gelegenheit nutzt, sein Markthallen-Konzept vorzustellen. Bleibt dies aus, muss der Rat der Stadt Aurich am 20. Februar ohne vorliegendes Konzept eine Entscheidung fällen. Wie diese aussehen könnte, da kann man nur spekulieren, wenngleich sich aktuell wieder die Stimmen mehren, dass man die Markthalle abreißen solle. Dies mutet doch vor dem Hintergrund, dass sich die Politik am 18. Oktober 2018 mit großer Mehrheit für den Erhalt und damit klar gegen einen Abriss ausgesprochen hat, etwas skurril an.

Grundsätzlich müsste im Rahmen eines derartigen Verfahrens eingeplant sein, dass keines der vorliegenden Konzepte die uneingeschränkte Zustimmung findet. Die Tatsache, dass man am Ende sozusagen mit leeren Händen dasteht, ist generell ein nicht unrealistisches Szenario. Es bleibt also zu hoffen, dass Stadtverwaltung und Politik dies eingeplant und einen sogenannten „Plan B” in der Tasche haben.

Ein Ausweichplan könnte eine erneute Übergangsphase sein, um wieder Zeit zu gewinnen. Daraus macht auch Bürgermeister Feddermann keinen Hehl, der das Thema Markthalle während seines Wahlkampfes als einen seiner Punkte bei der Stärkung der Innenstadt sah.

Nach Informationen des Sonntagsblattes sind in den vergangenen Wochen auf den unterschiedlichsten Ebenen bereits Gespräche geführt worden, um auszuloten, wie diese Phase aussehen könnte. So sollen Bäckerei und Asia-Imbiss bereits grundsätzliches Interesse bekundet haben, weitermachen zu wollen. Weitere potenzielle Betreiber sollen ebenfalls kontaktiert worden sein, um auszuloten, ob Interesse an einem Engagement in der Markthalle bestehe. Noch soll aber nichts konkretisiert worden sein.

Der Abriss der Halle scheint der letzte Ausweg einer langen Irrfahrt zu sein. Auf der einen Seite würden sich daraus neue Möglichkeiten ergeben. In der Vergangenheit wurde in diesem Zusammenhang stets von einer multifunktionalen Nutzung des Marktplatzes gesprochen. Auf der anderen Seite ist die Stadt Inhaber einer Immobilie in bester Innenstadtlage, die einen nicht zu unterschätzenden Wert darstellt. Ob es wirklich ratsam ist, diese leichtfertig aufzugeben, nur weil man nicht in der Lage ist, ein tragfähiges Zukunftskonzept auf die Beine zu stellen, sollte doch reiflichst überlegt werden.

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