Landkreis Aurich
Zukunft ungewiss

Markthalle: Die Geschichte wiederholt sich

Aktueller Betreibervertrag läuft Ende März aus. Erneute Übergangsphase im Raum.

Von Udo Hippen

Aurich. Die Markthalle im Zentrum Aurichs hat in ihrer fast drei Jahrzehnte andauernden Geschichte viele Gesichter gezeigt. Begonnen 1990 als Brauhaus, fristete sie zwischenzeitlich als Leerstand ein unansehnliches Dasein. Seit mehr als 20 Jahren beherbergt sie ein vielfältiges Angebot mit reichem Mittagstisch und wird in der Weihnachtszeit sogar zum Knusperhaus. Jetzt steht sie wieder einmal am Scheideweg, denn der aktuelle Betreibervertrag läuft Ende März nach zweijähriger Verlängerung aus. Was danach passiert, ist aktuell noch nicht klar. Es gibt aber verschiedene Varianten, die das Sonntagsblatt einmal skizziert:

Kein Leerstand: Aus Sicht der Innenstadtkaufleute dürfte die Aussage von Aurichs Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) während des Neujahrsempfangs für großes Interesse gesorgt haben. Dort kündigte er an, dass bei der Markthalle ein Leerstand in jedem Fall vermieden werden soll. Schließlich stehe das Gebäude „in bester Lage auf dem Marktplatz”. Daher werde die Verwaltung „alles unternehmen”, um das zu vermeiden. Aktuell ist geplant, dass am 11. Februar der zweite Bewerber sein Konzept vorstellt. Das sei auch der letzte mögliche Termin, sagte Feddermann jetzt in einem Pressegespräch. Am 20. Februar soll der Rat entscheiden.

Aus dem im vergangenen Jahr eingeleiteten Interessenbekundungsverfahren, das Stadt und Politik zur Zukunftsplanung der Markthalle eingeleitet hatten, sind zwei Bewerber hervorgegangen: Auf der einen Seite die Auricher Gastronomen Arno Fecht und Beyhani Gür, die ihr Konzept bereits Mitte November im städtischen Sanierungs- und Konversionsausschuss vorstellten, und auf der anderen Seite der Projektentwickler Ruediger W. Pinno aus Bad Hersfeld, auf den die Auricher immer noch warten, dass dieser seine Idee dem Gremium vorstellt.

Konzept Fecht/Gür: Das Bewerberduo Fecht/Gür hat mit seinem Fachplaner Tobias Reinbacher ein weitestgehend rein gastronomisches Konzept mit verschiedenen Sitzbereichen, etwa einer friesischen Ecke oder einer mediterranen, vorgestellt. Dreh- und Angelpunkt soll eine zentrale Küche sein, in der verschiedene Speisen zubereitet werden sollen. Der Küche gegenüber befindet sich in der Planung eine Eventbühne. Die wollen die Bewerber vor allem abends bespielen.

Ursprungsidee Hoppe/Pinno: CARO-Sanierer Kay Hoppe hatte sich gemeinsam mit Pinno im Frühjahr 2019 Gedanken zur Markthalle gemacht. Aus dieser mittlerweile beendeten Zusammenarbeit ist ein Konzept entstanden, das drei bis vier Nutzer beinhaltet. Fester Bestandteil dieser Ursprungsidee ist eine Bäckerei, die sich allerdings mehr in Richtung Manufaktur aufstellen sollte. Platziert werden sollte auch das Thema Fisch in den Bereichen Gastronomie und Verkauf. Ebenfalls sollte eine Fleischerei eine feste Rolle spielen. Bestandteil der Ursprungsidee war es, dass zudem ein Händler italienischer Produkte dort Einzug hält. Unter dem Namen „Villaggio” sollten die verschiedensten Artikel aus Italien einerseits zum Verkauf, aber auch gastronomisch zum Verzehr angeboten werden.

Abriss der Halle: Wie die Zukunft der Markthalle in Aurich langfristig aussehen soll, dieser Frage näherte sich im Jahr 2018 auch eine eigens dafür eingerichtete Arbeitsgruppe „Markthalle”, die das Thema aus dem Sanierungs- und Konversionsausschuss heraus übernahm und sich mit den einzelnen Szenarien auseinandersetzte und diese dann in einer öffentlich im Rat der Stadt Aurich geführten Diskussion skizzierte. Ein Szenario beinhaltete beispielsweise den Abriss der Markthalle mit einer Neugestaltung des Marktplatzes. Die grundsätzliche Frage (Bestand oder Abriss) war dann am 18. Oktober 2018 bereits nach weniger als 30 Minuten geklärt. Damals formulierte die Auricher Politik ihren Wunsch zum Erhalt des marktplatzprägenden Gebäudes zwar klar, tat sich aber schwer mit einem konkreten Konzept.

Finanzen: Wie es jetzt weitergehen soll, hängt im großem Maße auch vom finanziellen Handlungsspielraum der Stadt Aurich ab, der nach derzeitigem Stand kaum vorhanden ist. Sah der Plan vor zwei Jahren noch so aus, dass die Stadt als Eigentümer der Markthalle in das Gebäude investiert und diese in einen zeitgemäßen, den aktuellen Anforderungen entsprechenden Zustand versetzt. Stets war von einem „veredelten Rohbau” die Rede. Die weiterführenden, für das jeweilige Konzept notwendigen Investitionen sollten dann von der jeweiligen Betreibergesellschaft getroffen werden. Da in Aurich aktuell kein Geld vorhanden ist, stellt sich die Frage, wer übernimmt die städtischen Investitionen?

Stadtverwaltung und Politik stehen jetzt vor einer Gemengelage, die es nicht einfach macht, eine schnelle Entscheidung herbeizuführen. Abzuwarten gilt es, ob Projektentwickler Pinno am 11. Februar seine Gelegenheit nutzt, sein Markthallen-Konzept vorzustellen. Bleibt dies aus, muss der Rat der Stadt Aurich am 20. Februar auf Grundlage des Gastronomie-Konzeptes eine Entscheidung fällen. Wie diese aussehen könnte, da kann man nur spekulieren, wenngleich sich aktuell in den Kreisen der Politik die Stimmen mehren, eine erneute Übergangsphase anzustreben, um wieder Zeit zu gewinnen. Diese soll dann effektiver genutzt werden. Daraus macht auch Bürgermeister Feddermann keinen Hehl, der das Thema Markthalle als einen seiner Punkte bei der Stärkung der Innenstadt sieht.

Kommentare
FOLGEN SIE UNS
Anzeige

KONTAKT ZU UNS

Sie ziehen um oder es gibt Probleme bei der Zustellung? Dann finden Sie Hilfe in unserem Servicebereich

Zum Servicebereich

Sie möchten direkten Kontakt zu einer Abteilung aufnehmen oder haben Anregungen? Dann finden Sie im Kontaktbereich die passende Adresse

Zum Kontaktbereich

AM SEEHAFEN