Landkreis Aurich

Insolvenz-Skandal: Anwalt unter Betrugsverdacht

Mit der Forderung nach einem Millionen-Honorar für einen kurzen Einsatz als Insolvenzverwalter hat ein Jurist vor fast zehn Jahren für Schlagzeilen gesorgt.

Nach dem Prozessauftakt an diesem Donnerstag hat das Landgericht Aurich weitere 20 Verhandlungstage bis Ende Mai

Von Hans-Christian Wöste

Aurich. Fast zehn Jahre nach seinem kurzen Einsatz als Insolvenzverwalter für ein ostfriesisches Bauunternehmen muss sich ein Bremer Fachanwalt wegen Betruges verantworten. Die Anklage wirft ihm vor, für seine zehnwöchige Arbeit Mitte 2007 eine Vergütung von 12,15 Millionen Euro zuzüglich Umsatzsteuer beantragt zu haben. Weil er dabei wesentliche Umstände verschwiegen habe, kassierte er mindestens 148 000 Euro zuviel, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Osnabrück. Nach dem Prozessauftakt an diesem Donnerstag hat das Landgericht Aurich weitere 20 Verhandlungstage bis Ende Mai angesetzt.

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, nachdem die Höhe der Vergütung bekannt geworden war. Die Staatsanwaltschaft ermittelte 2010 gegen einen Mitarbeiter des Amtsgerichts Aurich. In die Untersuchungen gegen den Rechtspfleger schaltete sich auch die Zentralstelle für Korruptionsstraftaten in Osnabrück ein.

Kritiker forderten damals auch die Überprüfung von Struktur und Praxis der 33 Insolvenzgerichte in Niedersachsen und bemängelten ein Missverhältnis zwischen Honorar und Gegenleistung für Insolvenzverwalter. Politiker monierten zudem, dass aus der Insolvenzmasse des Unternehmens vor allem Verwalter und Mitglieder des Gläubigerausschusses und erst danach die Mitarbeiter entlohnt würden.

Gläubiger hatten bereits 2010 Klage wegen der ungewöhnlich hohen Entlohnung gestellt, waren aber vor dem Landgericht Aurich zunächst gescheitert. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Osnabrück Beschwerde ein. Im April 2016 hob das Oberlandesgericht Oldenburg die Auricher Entscheidung auf und ließ die Anklage zu dem Strafprozess vor einer anderen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Aurich zu.

Der jetzt angeklagte Jurist hatte sein Honorar mit erheblichen Aufwendungen begründet. Unter anderem hätten zahlreiche Baustellen des insolventen Unternehmen bewacht werden müssen. Nach einem Vergleich sollte der Verwalter 9,5 Millionen Euro zurückzahlen. Die Firma hat die damalige Insolvenz überstanden.

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