Landkreis Aurich
Ostfriesisches Produkt

In einer Schnapslaune zum "Ostfriesen-Whisky"

Eine Tasterrunde gründet eine Genossenschaft und füllt per Hand ab.

Von Klaus-Dieter Heimann

Aurich. „Der erste Geruch ist wärmend und prickelnd“, beschreiben die Gründungsmitglieder der Erzeugergenossenschaft „Friesenwhisky eG“ den Eindruck nach erstem Schnuppern am neuen „OstfriesenWhisky“. Am Freitag stellten Vorstand Heiner Labohm und der Bevollmächtigte der Kleinstgenossenschaft, Johann Kramer, das neue Produkt in Aurich vor. Es ist das Ergebnis einer Schnapsidee, sagt Kramer, der sich seit Jahren mit sechs Freunden dreimal im Jahr zum privaten Whiskyabend trifft. Jeder bringe dann Whisky von zu Hause mit - „und im Laufe des Abends steigt dann die Kreativität“. 2016 fiel bei dieser geistreichen Runde die wegweisende Entscheidung, die auch am Tag danach der Prüfung mit klarem Kopf standhielt: die Produktion eines eigenen Whiskys.

Als Rechtsform wurde aus nahe liegenden Gründen die Genossenschaft gewählt - Johann Kramer ist hauptberuflich Vorstandsvorsitzender der größten Genossenschaftsbank Ostfrieslands. Die sieben Genossen haben es sich in der Folge nicht leicht gemacht, bevor sie jetzt mit ihrem edlen Getränk in den Handel gegangen sind. Die erste Verkostung (Tasting) deutscher Whiskys war eher ernüchternd - den guten Geschmack hatten sie jedenfalls noch nicht getroffen. Dann kamen in erster Linie schottische Single Malts, Blended Malts und Grain Whiskys in die engere Auswahl. Letztlich sollte es ein Single Malt (also kein Verschnitt und ausschließlich aus gemälzter Gerste) sein. Schließlich, und so führte die Suche zu einem guten Ende, fanden die Whisky-Freunde den geeigneten Grundstoff in Amerika. Ein Straight Bourbon aus Kentucky setzte sich in einer Blindverkostung durch - und damit fing die eigentliche Arbeit an: Die Männer kauften den bereits vier Jahre in Fässern aus amerikanischer Weißeiche gelagerten Roh-Whisky. Zudem importierten sie französische Weinfässer, die sie durch Zufall bei einer Weinverkostung im Süden Mallorcas entdeckt hatten. In Aurich angekommen, wurden die Barriquefässer - um des guten Geschmacks willen - einige Monate mit Karibik-Rum befüllt.

Erst im Anschluss kam der junge Bourbon zur Veredelung und weiteren Reifung für etwa drei Jahre in die Eichenfässer. „Wir haben extrem gute Fässer gefunden. Sie sind ideal für unsere Transformation“, schwärmte Heiner Labohm, der „Whisky-Guru“ der hochprozentigen Sieben. Bevollmächtigter Johann Kramer räumt ein, im Gegensatz zu Labohm nicht der große Kenner zu sein: „Hauptsache er schmeckt“, sagte der Whiskyfreund.

Vom Verkaufsstart sind die beiden begeistert - auch ohne große Werbung seien binnen sieben Tagen in zwei Auricher Supermärkten rund 200 Flaschen verkauft worden. Viele weitere fanden bereits durch Direktvermarktung Abnehmer, sodass das erste 225-Liter-Fass praktisch ausverkauft ist. Geplant ist, den Whisky in mindestens einem Fass weitere Jahre reifen zu lassen - um zu sehen, wie sich der Geschmack entwickelt. Und damit die Produktion nicht zum Erliegen kommt, hat das Team bereits zehn weitere Fässer und die entsprechende Menge Roh-Whisky geordert. Parallel dazu laufen bereits Tests für einen Whisky-Likör und einen Gin.

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