Landkreis Aurich
Hospizarbeit in Ostfriesland

„Hospiz ist kein Haus, sondern eine Haltung”

Mit einem Tag der offenen Tür hat der Auricher Hospizverein das 20-jährige Bestehen gefeiert. Über 200 Gäste schauten vorbei.

Von Heike Arends

Aurich. Noch immer sind Sterben und Tod Tabuthemen: „Gestorben wird immer. Darüber gesprochen zu wenig”, formuliert es der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband. Genau hier will der Hospizverein Aurich, der sich vor 20 Jahren gegründet hat, Aufklärung leisten und Schwellenängste nehmen. Aber nicht nur das: Mit einem ambulanten Hospizdienst, einem Tageshospiz und Angeboten wie einem Trauercafé oder den verschiedenen Gesprächskreisen bietet die Einrichtung Unterstützung für sterbende sowie schwerstkranke Menschen und steht auch Angehörigen zur Seite. Und dies alles, bis auf zwei hauptamtlich tätige Koordinatorinnen, ehrenamtlich und kostenlos.

Über die vielen Aspekte der Hospizarbeit konnten sich am vergangenen Wochenende nun Interessierte bei einem Tag der offenen Tür informieren. Hierzu hatte das Hospiz anlässlich des 20-jährigen Bestehens in die Räume an der Hasseburger Straße 1 geladen. „Das Interesse war groß”, sagte Koordinatorin Klaudia Christoffers im Gespräch mit dem Sonntagsblatt. Sie freute sich über die gute Resonanz und darüber, dass sie bereits vier Anmeldungen für den im Herbst anstehenden Hospizkurs erhalten hatte. Viele Besucher hätten die Gelegenheit genutzt, sich umzuschauen, aber auch um Gespräche zu führen oder einen der Vorträge zu besuchen. „Ab 13.30 Uhr habe ich aufgehört zu zählen - und bis dahin waren es rund 140 Personen”, so Christoffers. Sie schätzte, dass weit über 200 Gäste da waren.

Von denen viele eine Überraschung erlebten, als sie zum ersten Mal das Gebäude betraten, wie Helma Saathoff-Maas berichtete. „Sie haben etwas ganz anderes erwartet und dann festgestellt, 'hier ist ja Leben, hier ist es hell und freundlich'.” Und genau darum geht es dem Hospizverein letztlich auch, die Bedeutung vom „Leben bis zuletzt” herauszustellen. Demgemäß spricht der Verein von einer „Lebensbegleitung am Lebensende”. Sterben sei eben nicht der Tod, so Saathoff-Maas: „Der Tod ist richtig wertvoll, er bringt uns dazu, zu leben.”

Als ein „Türöffner”, der die Schwellenangst nahm, sich umzuschauen, fungierte zudem das Caféhaus-Trio „Dobriko”. Die Musiker, zu denen mit Dr. Albrecht Kottmeyer auch der zweite Vereinsvorsitzende gehörte, sorgten für eine stimmungsvollen musikalischen Rahmen. Darüber hinaus setzten auch die im gesamten Gebäude ausgestellten rund 30 Gemälde des verstorbenen Künstlers Martin Eßmann besondere Akzente. Dessen Witwe Christine Eßmann hatte die Bilder dem Hospizverein als Spende zur Verfügung gestellt. Einige der Bilder konnten dann am Tag der offenen Tür bereits verkauft werden, wobei der Erlös dem Verein zugute kommt. Andere Bilder werden vermutlich weiterhin die Wände schmücken. Nicht weil kein Kaufinteresse daran bestünde, sondern weil sie einfach so schön seien und perfekt in die Räume passten, wie Saathoff-Maas fand.

Und nicht nur sie, auch Koordinatorin Ute Gerkens-Schilling war begeistert. Sie könne sich vorstellen, die Räume für weitere Ausstellungen zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls denkbar seien musikalische Darbietungen, um so die Schwellenangst zu nehmen und den Menschen die Hospizarbeit näherzubringen - und dafür zu öffnen. „Wenn der Mensch den Menschen braucht” lautet hier der Leitgedanke. „Es geht ganz simpel darum, einfach für andere da zu sein und die Tabuisierung wegzunehmen”, so Gerkens-Schilling. „Hospiz ist kein Haus, sondern eine Haltung”, führte sie aus und freute sich über den gut besuchten Tag der offenen Tür.

Entsprechend zufrieden zeigte sich auch der derzeitige Erste Vorsitzende des Hospizvereins, Horst Feddermann, damit, dass so viele Menschen sich eingefunden und die Türschwelle ins Hospiz überschritten hatten. Denn das Ziel sei es gewesen, „Berührungsängste zu überwinden”, beschrieb er die Intention des Tages der offenen Tür. Bei dem - vom Essen über Bastelarbeiten bis hin zu den Vorträgen - alles von den Ehrenamtlichen organisiert worden sei, wie er betonte: „Jeder bringt sich auf seine Art ein.” Und dies nicht nur bei Veranstaltungen wie diesen, sondern eben vorrangig auch bei den Begleitungs- und Gesprächsangeboten. „Es sind nicht einfach nur Ehrenamtliche, die da sind, sondern bei ihnen handelt es sich um fortlaufend qualifizierte Trauerbegleiter”, stellte er heraus.

Aufgrund des Engagements der Ehrenamtlichen und der Vereinsmitglieder hat das Hospiz die Angebote gemäß der steigenden Nachfrage über die Jahre - und nicht zuletzt auch Dank der räumlichen Möglichkeiten des 2015 bezogenen Gebäudes - weiter ausbauen können. Nun kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Ab Herbst soll es auch eine Trauerbegleitung für Menschen mit geistigen und körperlichen Handicaps geben. Hier wird sich Helma Saathoff-Maas einbringen.

Hierüber und über die anderen Angebote des Hospizes können sich Interessierte auch in entspannter Atmosphäre am 5. Oktober informieren. An diesem Tag findet von 10 bis 13 Uhr ein Hospizfrühstück mit Bücherflohmarkt statt. Eine Anmeldung sei nicht nötig, teilte Christoffers mit.

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